Defibrillator kam zum Einsatz

„Hilfe, mein Kollege liegt im Schacht“ – Kraftwerk-Mitarbeiter retten Mann das Leben

Schwieriger Ort für einen Notfall: Mitten im Kombi-Heizkraftwerk der Städtischen Werke leisteten die Industriemechaniker Marcel Siebert (links) und Stefan Amrhein (mit Defibrillator in der Hand) mit drei weiteren Kollegen Ersthilfe und retteten so das Leben eines Kollegen, der einen Herzinfarkt erlitt.
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Schwieriger Ort für einen Notfall: Mitten im Kombi-Heizkraftwerk der Städtischen Werke leisteten die Industriemechaniker Marcel Siebert (links) und Stefan Amrhein (mit Defibrillator in der Hand) mit drei weiteren Kollegen Ersthilfe und retteten so das Leben eines Kollegen, der einen Herzinfarkt erlitt.

Bei einem Routineeinsatz im Heizkraftwerk in Kassel bricht ein Mann zusammen. Seine Kollegen reagieren geistesgegenwärtig – und retten ihm das Leben.

Kassel – Als Stefan Amrhein und Marcel Siebert an diesem Tag im Juni ihre Schicht antraten, wussten sie noch nicht, dass sie mittags das Leben eines Menschen retten würden. Zusammen mit drei weiteren Mitarbeitern verhinderten sie den Tod eines Kollegen, der einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte. Die beiden sind Industriemechaniker der Maschinentechnischen Werkstatt im Kraftwerk der Städtischen Werke in Kassel. Einmal im Jahr wird das Kombi-Heizkraftwerk abgeschaltet, um es instandzusetzen. Um an einer Klappe der Kesselanlage eine Dichtung zu erneuern, waren zwei Mitarbeiter einer Fremdfirma vor Ort.

Zum Arbeitseinsatz kam es gar nicht erst, berichtet Marcel Siebert, denn schon kurz nachdem die beiden Mitarbeiter durch die 50 Zentimeter breite Luke des Kessels auf das darin stehende Baugerüst gestiegen waren, kam ein Schrei aus dem Inneren: „Hilfe, mein Kollege liegt im Schacht.“ Erst im Nachhinein habe man erfahren, dass dem Kollegen kurz vor dem Zusammenbruch nicht gut gewesen sei.

Heizkraftwerk in Kassel: Mann hat Herzinfarkt in Kesselanlage

Marcel Siebert und Stefan Amrhein, zu dem Zeitpunkt nicht weit vom Schacht entfernt, und ihre Kollegen schalteten schnell. „Wir sind zu dritt in die Luke rein, haben ihn rausgezogen, den Kopf dabei gestützt und ihn vor der Luke hingelegt“, erzählt Ersthelfer Stefan Amrhein. Dann liefen mehrere Dinge parallel ab: „Wir alarmierten den Leitstand, von wo aus der Hausnotruf abgesetzt und der Rettungsdienst gerufen wurde, zwei Kollegen machten Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Und von der Warte aus fuhr ein Mitarbeiter mit dem Fahrrad los, um den Defibrillator zu bringen.“

Während der Herzdruckmassage sei der Mann zwei Mal zu sich gekommen, habe nach Luft geschnappt, sei dann aber wieder weggewesen. Als der Kollege mit dem Defibrillator ankam, wandten Lukas Schramm und Roman Hora ihn direkt an. Das halbautomatische Gerät hat zwei Kabel mit postkartengroßen Elektroden. Auf dem Körper des Patienten angebracht, misst es dessen Herz-Rhythmus und gibt Handlungsanweisungen.

Das Gerät habe dann mitgeteilt „Schock wird empfohlen“, erinnert sich Siebert. Nach dem Stromstoß machten die Männer weiter mit Massage und Beatmung.

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Kraftwerk-Mitarbeiter aus Kassel retten Mann das Leben: „Hatte keine Angst, etwas falsch zu machen“

„Und dann war auch schon der Rettungsdienst vor Ort“, sagt Siebert. Der 25-Jährige war das erste Mal in einer solchen Situation. „Erst mal haben wir ihn ja nur aus dem Schacht geholt, aber als der Kollege dann sagte ’Der atmet nicht mehr’ war das Gefühl dann schon anders.“ Er habe einfach gehandelt. „Ich hatte keine Angst, etwas falsch zu machen“, sagt auch Stefan Amrhein, der zum Team der ausgebildeten Ersthelfer gehört.

Später habe der Notarzt das Team gelobt, dass es alles richtig gemacht hätte, berichtet Achim Hilgenberg, der Leiter der Maschinentechnischen Werkstatt, stolz. „Sie haben dem Mann das Leben gerettet.“ An dem Standort des Kraftwerks hänge nun ein zusätzlicher Defibrillator – einer von 15 Frühdefibrillatoren an zehn Standorten der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH. Weil der Defibrillator Leben retten kann – wenn ihn denn mutige Helfer anwenden. (Anna Lischper)

Bis 2030 soll das Kombi-Heizkraftwerk in Kassel ohne Kohle laufen.

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