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Sie hilft ukrainischen Flüchtlingen in Kassel

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Von: Helga Kristina Kothe

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Packt regelmäßig mit an: Miriam Klee kümmert sich in Sankt Joseph im Stadtteil Rothenditmold um das Sortieren von Hygieneprodukten für Transporte in die Ukraine.
Packt regelmäßig mit an: Miriam Klee kümmert sich in Sankt Joseph im Stadtteil Rothenditmold um das Sortieren von Hygieneprodukten für Transporte in die Ukraine. © Helga Kothe

Miriam Klee engagiert sich seit März bei Hilfsaktion auf dem Rothenberg.

Kassel – Der Himmel über der Sankt-Joseph-Kirche auf dem Rothenberg ist wolkenverhangen und es nieselt. Menschen stehen Schlange, Flüchtlinge aus der Ukraine. Nicht nur vor der Kirche herrscht reges Treiben, auch im Gemeindehaus. Dort organisieren die Malteser mit unzähligen Freiwilligen seit Beginn des Kriegs am 24. Februar ihre Ukraine-Hilfe. Eine von ihnen ist Miriam Klee.

Die 35-Jährige sitzt in eine dicke Fleecejacke und Wollmütze gehüllt draußen auf einer Bank. Kurze Verschnaufpause bevor die Arbeit weitergeht. Auch drinnen ist die Luft frisch. Miriam Klee, die Soziale Arbeit in Kassel studiert, hilft seit Anfang März regelmäßig. „Ich habe damals selbst Spenden gebracht, man kam kaum durch“, erinnert sie sich.

Viele Tonnen Kleidung, Hygieneartikel und Lebensmittel hatte die Bevölkerung zu dem Zeitpunkt bereits gespendet. Die katholische Kirche war gefüllt bis unters Dach. „Ich habe gedacht, meine Güte, was ist denn hier los?“, erzählt sie. So viele Berge von Kleidung habe sie noch nie gesehen. Spontan habe sie vor Ort und noch einmal telefonisch gefragt, ob Unterstützung gebraucht werde, etwa beim Sortieren.

Anfangs habe sie Kleidung sortiert und in Kisten gepackt für die Transporte in die Ukraine. „Ich hatte damals Semesterferien und konnte häufig kommen“, erzählt Miriam Klee. Der Weg sei zudem für sie auf den Rothenberg nicht weit, sodass sie schnell da sein könne ¬ die Studentin lebt in Nord-Holland. Sie schätzt, dass alles gut organisiert, aber zwanglos sei, indem jeder kommen und helfen könne, wie es die Zeit zulasse. Mittlerweile kümmert sie sich um den Bereich der Drogerieartikel. Hier würden gespendete Hygieneprodukte vom Shampoo bis hin zu Windeln sortiert und für den Versand fertig gemacht, erklärt Miriam Klee, die ihr Engagement pragmatisch sieht – helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Kriege und Krisen wie der in der Ukraine gebe es viele auf der Welt, für vieles könnte man sich engagieren. Doch je näher das Geschehen, desto erschreckender sei es. „Geschichten aus dem Krieg kannte ich bislang nur von meiner Oma“, sagt Miriam Klee. Auf dem Rothenberg ist der Krieg noch näher herangerückt. Denn der Kontakt zu Flüchtlingen ist da, die auch das Bedürfnis haben zu reden. „Ohne Vorwarnung kommen Informationen, beispielsweise wie viele Verwandte noch in der Ukraine leben oder bereits tot sind“, schildert Miriam Klee Gespräche. Kaum nachzuvollziehen, wie es den Menschen gehe, wenn man es nicht selbst erlebt habe. Umso schwerer ist es für sie, die richtige Worte zu finden: „Was soll ich dazu sagen?“

Die Kasselerin spürt in den Stunden auch, „welches Glück ich habe in einem Land zu leben, in dem kein Krieg herrscht, und dass ich meinen Alltag ohne Angst leben kann.“ Eine gute Erfahrung ist für sie zu sehen, dass die Hilfe ankommt und etwas bewirkt. Spannend sei es zu lernen, wie eine solche Hilfe organisiert werde, sodass ein Rädchen ins andere greife. Der 45. Malteser-Spendentransport in die Ukraine ist mittlerweile von Rothenditmold aus gestartet.

So lange sie Lust habe, wolle sie weiter machen, sagt Miriam Klee. Meist komme sie einmal in der Woche, manchmal häufiger oder auch seltener – je nachdem, wie es ihr Studium, sie beginnt jetzt mit ihrer Bachelorarbeit, zulässt. (Helga Kothe)

Spendensammlung im März: Blick in die Kirche St. Joseph kurz nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine. Archi
Spendensammlung im März: Blick in die Kirche St. Joseph kurz nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine. Archi © Andreas Fischer/nh

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