Technisches Meisterwerk zeigt Zeit und den Lauf der Planeten 

Sie ist ein Wunder: Eine von weltweit vier Himmelsmaschinen steht in Kassel

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Ein Meisterwerk: So sieht die Planetenuhr aus, die in der Orangerie präsentiert wird. Sie stammt aus dem Jahr 1562.  

Kassel. Weltweit gibt es nur vier sogenannte Planetenuhren. Eine davon steht in Kassel: im Astronomisch-Physikalischen Kabinett.

KarstenGaulke

Am Donnerstag beginnt für die Besucher des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts in der Orangerie eine neue Zeitrechnung. Die hat mit einem Wunderwerk der Technik aus dem 16. Jahrhundert zu tun. „Wir wollen die Planetenuhr von Landgraf Wilhelm IV. auf eine ganz neue Art und Weise präsentieren“, sagt Museumsleiter Dr. Karsten Gaulke. Gemeinsam mit weiteren Experten hat er einen Parcours entwickelt, mit dem man sich die faszinierende Funktionsweise der Planetenuhr erschließen kann.

Solche „Himmelsmaschinen“ galten früher als Weltwunder. In einer Zeit, in der die Menschen fest an den Einfluss der Planeten auf ihr Schicksal glaubten, sind die Planetenuhren entstanden. Das seien Meisterwerke der Astronomie und Handwerkskunst, sagt Gaulke.

Alle vier in einer Ausstellung

Weltweit gibt es nur noch vier solcher Uhren aus der Zeit der Renaissance. Außer in Kassel stehen sie in Paris, Wien und Dresden. Ziel ist es, diese vier Uhren in einer Ausstellung zu zeigen.

Damit sich der große Aufwand im Vorfeld einer solchen Ausstellung auch lohnt, soll das Vermittlungsprogramm für die Besucher optimiert werden. Dazu gibt es ein Forschungsprojekt, das von der Kulturstiftung des Bundes unterstützt wird. Auch der Kasseler Museumsverein gibt Geld für das Projekt.

Die Besucher sollen sich in die Gedankenwelt der Renaissance versetzen und anhand mehrerer Stationen begreifen, wie das Weltbild damals aussah. Die Planetenuhren spiegeln das wider. Sie zeigen die Umlaufbahnen der Planeten, die auf kunstvoll gefertigten Scheiben um die Erde kreisen. „Die Menschen waren davon überzeugt, dass der liebe Gott direkt steuert, wie sich Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur, Sonne und Mond bewegen“, sagt Karsten Gaulke.

Im Zwinger

Den Auftrag für den Bau der Kasseler Uhr bekam der Marburger Instrumentenmacher Eberhard Baldewein direkt von Landgraf Wilhelm IV. Nach mehreren Jahren Bauzeit wurde sie 1562 fertig. Von dem Ergebnis der Arbeit war Kurfürst August von Sachsen so beeindruckt, dass er auch so eine Uhr haben wollte. 1568 war es soweit. Heute steht das auch Baldewein-Uhr genannte Meisterwerk im Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdener Zwinger.

Diese Uhren, davon sind die Experten mittlerweile überzeugt, dokumentieren bis heute den aktuellen Stand der astronomischen Forschung von damals.

Astronomisch-Physikalisches Kabinett in der Orangerie, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Eintritt 3/2 Euro.

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