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80-Jährige jagte einst den Filmstars nach

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Von: Bastian Ludwig

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Stand in den 50er-Jahren stundenlang für Autogramme an: Ursula Müller mit ihrem Autogramm-Büchlein. Hier mit Autogrammen von Peter Frankenfeld und Maria Schell.
Stand in den 50er-Jahren stundenlang für Autogramme an: Ursula Müller mit ihrem Autogramm-Büchlein. Hier mit Autogrammen von Peter Frankenfeld und Maria Schell. © Bastian Ludwig

Im November startet im Stadtmuseum eine Sonderausstellung, die Kassel als Filmstadt beleuchtet. Im Vorfeld stellen wir HNA-Leser vor, die persönliche Erinnerungen an die glanzvolle Kasseler Film- und Kinogeschichte haben.

Kassel – Ursula Müller hat ihr kleines grünes Album mit goldenem Schloss als Jugendliche wie einen Schatz gehütet. Kürzlich hatte die heute 80-jährige Vellmarerin sogar überlegt, es einfach wegzuschmeißen. Glücklicherweise hat sie das nicht getan. Denn darin befinden sich 50 Autogrammkarten von Filmstars der 50er-Jahre, die sie einst bei deren Besuchen in Kassel ergattert hatte.

Die in Rothenditmold aufgewachsene Müller war als Teenie – oder Backfisch, wie man damals sagte – ein großer Fan von Heimatfilmen. Ihr großer Schwarm war der österreichische Schauspieler Gerhard Riedmann, der sich gleich fünfmal in ihrem Album verewigte – unter anderem mit einer Danksagung für die Hochzeitsglückwünsche, die ihn aus Kassel ereilt hatten.

Weil Kassel damals vor allem durch die Kinokette Reiss eine wichtige Rolle als Film- und Premierenstadt spielte, gab es für die Schülerin der Valentin-Traudt-Schule regelmäßig Chancen, die Leinwandstars zu treffen. Während Gerhard Riedmann heute kaum noch bekannt ist, befinden sich in Müllers Buch etliche Fotos und Namen, die vielen bis heute ein Begriff sind: Maria Schell, Peter Frankenfeld, Caroline Reiber, Isa und Jutta Günther („Das doppelte Lottchen“).

„Vor dem Kaskade-Kino am Königsplatz habe ich mir regelmäßig bei Autogrammstunden die Beine in den Bauch gestanden“, erzählt Müller. Aber auch vor dem Hotel Hessenland, wo die Filmpromis neben dem Hotel Reiss häufig abstiegen, wartete sie manchmal mehrere Stunden, bevor sich die Türen öffneten und sie für wenige Sekunden „ein freundliches Wort und eine Unterschrift“ bekam. Bei der Warterei lösten sich Ursula und ihre Mutter regelmäßig ab.

Heiß begehrt: Skirennfahrer und Schauspieler Toni Sailer bei einem seiner Kassel-Besuche 1958. Autogramme gab es aus dem Dach des Mercedes. Archiv
Heiß begehrt: Skirennfahrer und Schauspieler Toni Sailer bei einem seiner Kassel-Besuche 1958. Autogramme gab es aus dem Dach des Mercedes. Archiv © Werner Lengemann

Besonders stolz war die Schülerin, wenn die Stars nicht bloß ihre Unterschrift in ihrem Büchlein hinterließen, sondern auch gleich eine persönliche Widmung für sie. Anschließend wurde auf dem Schulhof und im Freundeskreis verglichen, wer welche Unterschriften gesammelt hatte. „Die wichtigste Frage lautete: Hast du den oder die schon?“

In die Film-Premieren selbst konnte Müller nicht gehen. „Das konnten wir uns nicht leisten.“ Überhaupt waren Kino-Besuche nur selten möglich. Eine seltene Gelegenheit, bei der Müller bei der Premiere in Kassel dabei war, war die Aufführung von „Der schwarze Blitz“ mit Skirennläufer Toni Sailer im September 1958. Damals machte sie mit ihrer Kamera im Gloria-Kino Fotos vom Auftritt des Österreichers, der mit drei olympischen Goldmedaillen und sieben Weltmeistertiteln bis heute zu den erfolgreichsten Fahrern zählt.

Heute kann Müller über ihre damalige Leidenschaft nur noch schmunzeln. „Das brauche ich alles nicht mehr.“ Nach Ende ihrer Schulzeit, Ende der 50er-Jahre, hatte sie die Autogrammjagd aufgegeben. Deshalb blieben bis heutige einige Seiten leer. (Bastian Ludwig)

Aufruf: Haben auch Sie eine persönliche Erinnerung an die glorreichen Kasseler Kino- und Filmgeschichte. Melden Sie sich unter 0561/ 203 13 70 oder per E-Mail kassel@hna.de

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