Sie machen den Weg frei

Wegen des vielen Schnees sind Stadtreiniger und Winterdienste rund um die Uhr im Einsatz

Tobias Scherp vom Umwelt- und Gartenamt räumt die Südstadt frei
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Macht Gehwege wieder passierbar: Tobias Scherp vom Umwelt- und Gartenamt räumt die Südstadt frei – wie hier bei den Kunstrasenplätzen am Auestadion.

Erhebliche Einschränkungen durch die anhaltenden Schneefälle vermelden die Stadtreiniger für Kassel. Alle verfügbaren Kräfte seien zum Schneeräumen eingesetzt.

Kassel – Für Tobias Scherp begann die Arbeit am Montagmorgen schon vor der Arbeit. Der Mitarbeiter des Umwelt- und Gartenamtes musste trotz bis zu 30 Zentimeter Neuschnees erst einmal von seinem Wohnort Fritzlar nach Kassel kommen. Also lieh er sich den Allradwagen seiner Eltern, kam sicher an der Arbeit an, wo er dann ab 5 Uhr die Gehwege in der Südstadt mit einem Mini-Traktor freiräumte.

Selten war die Arbeit von Menschen wie Scherp so wichtig wie in diesen Tagen. Es schneit ja auch selten so viel gerade. Birgit Knebel arbeitet seit 30 Jahren bei den Stadtreinigern. „An so viel Schnee kann ich mich nicht erinnern“, sagt die Pressesprecherin.

Normalerweise sind bei Eis und Schnee 90 Mitarbeiter der Straßenreiniger im Einsatz. Diesmal sind es 120, die seit Sonntag quasi rund um die Uhr damit beschäftigt sind, die Straßen passierbar zu machen. 460 Kilometer müssen in Kassel geräumt werden. Und das immer und immer wieder, weil ständig neuer Schnee fällt. Bei den niedrigen Temperaturen half auch Salz zunächst nur wenig. Das kommt erst seit gestern Nachmittag wieder zum Einsatz. „Es ist noch genügend da“, sagt Knebel. Das Lager auf dem Betriebsgelände in Bettenhausen ist mit 1200 Tonnen gefüllt.

Elf Räumfahrzeuge sind unterwegs, außerdem viele Kleintraktoren und Laster, die einen Teil der Schneemassen auf einen Abladeplatz transportierten, damit Parkplätze und Gehwege freigeräumt werden können.

Unterstützung erhält der Winterdienst von der Müllabfuhr, die frühestens am Mittwoch wieder ausfahren kann. Bis dahin geht es nur darum, Kassel vom Schnee zu befreien, der für viele eine seltene Freude ist, für manche eine Last und für andere ein Ärgernis.

Für Frank Schöne ist Schnee dagegen völlig normal. „Es ist Winter“, sagt der Geschäftsführer der Firma Gebäudereinigung Schöne in Rothenditmold. Der 52-Jährige hat festgestellt, dass manche Menschen das Bedürfnis haben, sich das ganze Jahr über in Sommerschuhen fortzubewegen. Es scheint, als hätten einige den Winter verlernt.

Seit 25 Jahren reinigt Schönes Firma nicht nur Gebäude, sondern übernimmt auch den Winterdienst für Hausverwaltungen, Privatpersonen und Kindergärten. Ab vier Uhr morgens sind 40 seiner 250 Mitarbeiter derzeit mit Kleintraktoren unterwegs – von Lohfelden bis zur Löwenburg. Auch sie haben gerade Schwierigkeiten, morgens an die Arbeit zu kommen. Abends sind abends sie geschafft.

Auch Schöne muss Schnee schippen, wenn er nach Hause kommt. Er macht das gern, wie er sagt: „Es macht Spaß, weil man in einen Flow kommt und sieht, was man geschafft hat.“ Wenn es denn nicht rund um die Uhr schneit wie zuletzt.

Ab heute könnte sich die Lage in Kassel etwas entspannen: Es wird zwar noch kälter, aber es ist kein neuer Schnee vorausgesagt. (Matthias Lohr)

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