Langjährige Geschäftsführerin

Sie prägte das Kasseler Studentenwerk: Christina Walz geht in den Ruhestand

Christina Walz, scheidende Geschäftsführerin des Studierendenwerks, vor der Zentralmensa, wo sie fast jeden Mittag gegessen hat – links der Altbauteil, rechts der Neubau.
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Täglich Mensa muss sein: Christina Walz, scheidende Geschäftsführerin des Studierendenwerks, vor der Zentralmensa, wo sie fast jeden Mittag gegessen hat – links der Altbauteil, rechts der Neubau.

Die langjährige Geschäftsführerin des Studierendenwerks Kassel geht in den Ruhestand: Christina Walz hat 35 Jahre lang für die Versorgung, Unterbringung und Beratung von Studenten gearbeitet. Ein Abschiedsporträt.

Kassel – Wer die Geschäftsführerin des Studierendenwerks treffen will, muss nur in die Mensa gehen. Christina Walz gehört zu den treuesten Gästen in der Zentralmensa – und litt wie viele Studenten unter der coronabedingten Schließung. Stulle und Joghurt am Schreibtisch? Nicht die Mittagspause ihrer Wahl. Seit der Wiedereröffnung mit Takeaway-Betrieb sieht man die 65-Jährige regelmäßig mittags mit Essensbehälter über den Campus gehen .

Noch. Am Mittwoch hat Walz nach 35 Jahren beim Studierendenwerk ihren letzten Arbeitstag. Dass sie Abschied nehmen muss in einer Zeit, in der die pulsierende Atmosphäre an der Uni weitgehend brachliegt, bedauert sie. Auch das schätzte sie an den Mittagspausen: inmitten eines jungen, weltoffenen Publikums zu sein. Und ein bisschen „Feldforschung“, wie sie es mit einem Lächeln nennt, habe sie natürlich auch immer betrieben. Wenn sie mitkriegte, dass Studenten über ein Angebot unzufrieden waren, eine Beschilderung missverständlich war oder die Servietten im Spender klemmten, dann sorgte die Chefin dafür, dass sich das zügig bessert. Wenn alles rund laufen soll, fängt das eben auch bei Kleinigkeiten an.

1986 kam Christina Walz zunächst als Justiziarin und Personalleiterin zum Kasseler Studentenwerk. Damals war die Zentralmensa noch im Bau, es gab keine Kinderbetreuungsangebote und eine halbe Stelle in der Sozialberatung. Gut 9000 Studenten zählte die damalige Gesamthochschule. Dass sie bei einer Einrichtung arbeiten wollte, die mit Wohnheimen, günstigem Essen und Beratung eine soziale Infrastruktur für Studierende schafft, habe auch mit ihrer Biografie zu tun, sagt Walz. Sie stammt aus einer sogenannten bildungsfernen Familie, wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in Baden-Württemberg auf und studierte mit Bafög. Das Motto „Damit Studieren gelingt“ war für sie aufrichtig empfundener Antrieb für ihre Arbeit. 2003 rückte sie von der Stellvertreterin zur Geschäftsführerin auf.

Mit der rasant wachsenden Hochschule und dem sich verändernden Studienalltag wuchsen auch die Aufgaben für das Studentenwerk. Während es früher eine Stunde Uni-Mittagspause gab, während der die Mensa öffnete, bekommt man inzwischen warmes Essen bis in den Abend und Zwischenverpflegung in zehn Cafeterien. Zahlreiche Wohnheime wurden modernisiert und mit dem Max-Kade-Haus 2014 ein neues gebaut. Außerdem gibt es ein breit gefächertes Beratungsangebot von BaföG bis zu rechtlichen Fragen und psychologischen Problemen.

Besonders am Herzen lag Christina Walz, die als Mutter eines Sohnes selbst den Balanceakt zwischen Job und Familie kennt, der Aufbau der Kinderbetreuung ab 2006. Eine Kasseler Besonderheit ist dabei das Angebot StudyKidsCare, das flexible Betreuung bietet. „Studierende, deren Stundenpläne sich jedes Semester ändern, haben ganz andere Bedürfnisse als Berufstätige“, weiß Walz.

240 Mitarbeitende hat das Studierendenwerk – den gendergerechten Namen trägt es zur Freude der Chefin seit 2019. Sie kennt jeden und jede davon mit Namen – vom Küchenpersonal über den Psychologen bis zum Hausmeister. Die Vielfalt der Arbeitsgebiete habe sie immer als reizvoll empfunden, aber auch herausfordernd. „Das gut zu managen und allem gerecht zu werden, war manchmal auch anstrengend.“ So freut sich die 65-Jährige trotz Wehmut über den Abschied auf eine geringere Schlagzahl im Alltag und mehr Zeit für Besuche beim Enkelkind. Mit Spaß am Wandern, Walken, guter Küche und Kultur hat sie genug Ideen für den Ruhestand. Vielleicht lockt das Interesse an Kunst und Literatur die Kirchditmolderin nach einer Weile als Gasthörerin auf den Campus. Dann wird man sie bestimmt auch wieder in der Mensa treffen. (Von Katja Rudolph)

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