Unternehmen wurde 1920 als Hessische Heimstätte gegründet

Sie prägte den Wiederaufbau der Stadt Kassel: Wohnstadt wird 100 Jahre alt

Neue Siedlung in Waldau: In den 1960er-Jahren ist die Hessische Heimstätte mit von der Partie, neuen Wohnraum in Kassel zu schaffen.
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Neue Siedlung in Waldau: In den 1960er-Jahren ist die Hessische Heimstätte mit von der Partie, neuen Wohnraum in Kassel zu schaffen.

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt blickt auf eine 100-jährige Geschichte zurück. Ihre Ursprünge liegen 1920 in Kassel, wo sie als Hessische Heimstätte gegründet wurde.

Kassel – Es ist nicht weniger als das größte Wohnungsunternehmen in Hessen: Die Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt (NHW) hat 60.000 Wohnungen in ihrem Bestand – davon 16.000 in Nordhessen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen Zusammenschluss der Nassauischen Heimstätte aus Südhessen und der Hessischen Heimstätte aus dem nördlichen Landesteil, die seit 1994 Wohnstadt heißt.

Der Grundstein für das Unternehmen wurde am 20. Dezember 1920 im Kasseler Ständehaus gelegt – und damit zwei Jahre früher als bei der Nassauischen Heimstätte. Seine Aufgabe ist es zunächst, vor allem den Wohnungsbau für einkommensschwache Schichten zu fördern. Nach dem Ersten Weltkrieg ist die junge Weimarer Republik von einem massiven Wohnungsmangel geprägt. Ziel ist es, den Bau von kleinen Siedlungen und Einfamilienhäusern zu unterstützen.

Wiederaufbau der Altstadt: In den 50er-Jahren beginnen die Arbeiten. Hier ein Blick über die Fuldabrücke.

Die Siedler bekamen seinerzeit aber in der Regel kein fertiges Haus hingestellt. Vielmehr wurden die Grundstücke, die vorrangig an ehemalige Soldaten, Kriegsbeschädigte, Kriegswitwen und kinderreiche Familien vergeben wurden, in Eigenleistung bebaut. Dazu entwarf die Hessische Heimstätte eine Reihe von Kleinhaustypen. So sollte „der Verunstaltung der Landschaft durch schlechte Bauten“ entgegengewirkt werden, wie es in einem alten Geschäftsbericht heißt. In der Folge setzt sich die Hessische Heimstätte für die Weiterentwicklung des Städtebaus ein.

Erst ab 1930 baute das Unternehmen einen eigenen Wohnungsbestand auf. Bis dahin war es auf die Planung und Betreuung von Bauprojekten beschränkt. Doch in Folge der Weltwirtschaftskrise wurde es immer schwieriger, private oder öffentliche Bauherren für die Realisierung von Projekten zu finden.

Während der NS-Zeit konnte die Heimstätte weiterarbeiten, stand nun aber ganz im Dienst der Parteilinie. Dem weiter herrschenden Wohnungsmangel sollte durch den Neubau von Siedlungen in Stadtrandlage und der Modernisierung von Altbauten im Stadtzentrum begegnet werden. Doch während des Krieges kam die Bautätigkeit fast zum Erliegen.

Zentrale in Kassel: Gebäude der Hessischen Heimstätte an der Wolfsschlucht.

Nach dem Krieg war es die Hauptaufgabe der Hessischen Heimstätte, den Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Kasseler Innenstadt zu bewerkstelligen. Dies war der Abschied von der lange gewachsenen Altstadtstruktur.

Unter dem Motto „Neue Stadt auf altem Grund“ wurde Kassel zur Modellstadt der Stadterneuerer. Die vormals dicht überbauten Altstadtblöcke wurden durch eine neuartige Blockrandbebauung mit großen, gemeinschaftlich nutzbaren Innenhöfen ersetzt. Eigentlich sollte sie diesen Prozess des Stadtumbaus zunächst nur beratend begleiten, doch weil es an Bauherren mangelte, übernahm die Hessische Heimstätte selbst diese Rolle und baute bis 1956 fast 1500 Wohnungen in der Innenstadt.

Zwehrenturm noch Ruine: ein Foto vom Wiederaufbau aus der Obersten Gasse.

Ab den 60er-Jahren kümmerte sich die Heimstätte vor allem um Planungen für die Stadtsanierung. Mit der Wende kam 1990 die Ausweitung nach Thüringen, wo eine eigene Niederlassung entstand. Durch den Mauerfall wuchs auch der Bedarf an Wohnungen in Kassel abermals. Es entstanden Häuser an der Obersten Gasse und ein neues Wohnquartier in der ehemaligen Kaserne Wolfsanger-Hasenhecke.

1994 kam die Umfirmierung zur Wohnstadt. 2005 folgte schließlich der Zusammenschluss zur Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/ Wohnstadt.

Perspektivisch will das Unternehmen auf 75.000 Wohnungen wachsen. (Von Bastian Ludwig)

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