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Den Kasselanern auf die „Schnudde“ geschaut: Germanistikstudentin sucht Teilnehmer für Studie

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Von: Katja Rudolph

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Das Aufnahmegerät als wissenschaftliches Werkzeug: Germanistikstudentin Lea Reppnow untersucht, wie die Menschen in Kassel sprechen.
Das Aufnahmegerät als wissenschaftliches Werkzeug: Germanistikstudentin Lea Reppnow untersucht, wie die Menschen in Kassel sprechen. © KATJA RUDOLPH

Wie sprechen die Menschen in Kassel? Dieser Frage geht eine Germanistikstudentin aus Hannover nach. Für ihre Studie sucht sie noch Teilnehmer, die den Großteil ihres Lebens in Kassel gebracht haben.

Kassel – Bevor Lea Reppnow für ihr Studium nach Hannover ging, dachte sie, an ihrer Sprache sei nichts weiter auffällig. „Aber dann wurde ich an der Uni immer wieder darauf angesprochen und gefragt, woher ich komme“, erzählt die 24-Jährige, die in Harleshausen aufgewachsen ist und ihr Abitur an der Herderschule abgelegt hat.

Inzwischen studiert Lea Reppnow Germanistik für das Lehramt an der Leibniz-Universität. Für ihre Masterarbeit richtet sich ihr Interesse nun gewissermaßen auf ihre lokale Muttersprache: Sie untersucht die „Stadtsprache Kassels“. Für die Studie sucht die 24-Jährige noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Mitmachen können Kasseläner und Kasselaner – also Menschen, die schon sehr lange in der Stadt wohnen. Genauer gesagt: Personen ab 20 Jahren, die mindestens seit der Grundschulzeit in Kassel wohnen und gar nicht oder nur für eine kurze Phase ihres Lebens weggezogen sind.

Ihren Probandinnen und Probanden schaut Lea Reppnow dann im Wortsinn auf den Mund beziehungsweise die „Schnudde“, wie man in Nordhessen mitunter sagt. Sie will wissen, wie die Menschen hier sprechen und wie das klingt. Das dokumentiert die Studentin bei den Treffen mit einem Aufnahmegerät.

Richtig oder falsch, gut oder schlecht gibt es dabei nicht, betont die Studentin. „Ich bewerte nicht, ich beschreibe nur.“ Allzu viel darf die 24-Jährige vorab nicht verraten, damit die Ergebnisse ihrer Studie unverfälscht sind und die Menschen mit ihr wirklich so sprechen wie sonst auch.

Für die Sprachaufnahmen, die etwa 45 Minuten bis eine Stunde dauern, ist kein Vorwissen nötig. Man sollte dabei einfach so sprechen, wie etwa in einem beruflichen Kontext oder bei einem Vorstellungsgespräch, sagt Lea Reppnow. Es gibt einen Aufgabenteil, bei dem man beispielsweise Bilder sieht und die passenden Wörter dazu nennen soll oder einen alltagssprachlichen Lückentext vervollständigen soll. Und es gilt, eine kleine Geschichte vorzulesen. Im Interviewteil stellt die Studentin dann Fragen dazu, welche Erfahrungen man mit der eigenen Sprache gemacht hat.

36 Probanden braucht die Kasselerin für ihre Untersuchung, wobei Männer und Frauen, Jüngere und Ältere sowie verschiedene Bildungshintergründe vertreten sein sollten. Gerade die Suche nach jungen Leuten habe sich bisher schwierig gestaltet, weil viele für ihre Ausbildung wegziehen, sagt Lea Reppnow. Umso mehr würde sie sich freuen, wenn sich Menschen bei ihr melden, die Lust haben mitzumachen. „Es macht Spaß und man kann auch viel über sich selbst und seine Sprache lernen“, verspricht sie. Alle erhobenen Daten werden anonymisiert und vertraulich behandelt. Im Herbst sollen die Ergebnisse der Studie vorliegen. Darüber werden alle Teilnehmer informiert, und auch in der HNA werden wir wieder berichten – dann muss die Germanistin kein Blatt mehr vor den wissenschaftlichen Mund nehmen.

Ihr Forscherinnen-Ohr ist inzwischen geschult: Wenn Lea Reppnow in Kassel in der Straßenbahn unterwegs ist oder im Café sitzt, kann sie nicht mehr wirklich abschalten, gibt die 24-Jährige mit einem Lachen zu: „Ich höre jetzt immer ganz genau hin.“ (Katja Rudolph)

Infos und Kontakt: Lea Reppnow, E-Mail: lea.reppnow@stud.uni-hannover.de

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