Hier im Quartier

Nachbarschaftprojekt im Kasseler Norden: Ein Beutel bringt Kultur und Farbe ins Quartier

Eine Tasche voller Mitmach-Vorschläge: Gerrit Retterath vom Projekt Hier im Quartier und Nina Schumann, die die Beutel zusammengestellt hat, haben eine Fuhre im Kleinen Stadtteilbüro am Pferdemarkt bei Sibylle Lachnitz (hinten in der Mitte) vorbeigebracht.
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Eine Tasche voller Mitmach-Vorschläge: Gerrit Retterath vom Projekt Hier im Quartier und Nina Schumann, die die Beutel zusammengestellt hat, haben eine Fuhre im Kleinen Stadtteilbüro am Pferdemarkt bei Sibylle Lachnitz (hinten in der Mitte) vorbeigebracht.

500 sogenannte Kulturbeutel werden in diesen Tagen im Kasseler Norden verteilt: Darin stecken Mitmachangebote für Jung und Alt.

Kassel – In Coronazeiten hat man ja das Gefühl, jede Ecke der eigenen Wohnung und des Viertels, in dem man lebt, zu kennen. Dass es doch immer noch Neues zu entdecken oder aus anderer Perspektive wahrzunehmen gibt, zeigt das „Hier-im-Quartier“-Reiseheft. Es ist Teil eines Kulturbeutels, den das gleichnamige Nachbarschaftsprojekt derzeit in der Nordstadt, im Wesertor und in Rothenditmold unter die Menschen bringt.

In den Stofftaschen, die es in drei bunten Designs von Niels Walter gibt, stecken viele kreative Mitmachangebote und kleine Überraschungen für eine Zeit, in man wenig Freizeitmöglichkeiten hat – darunter auch das zauberhafte Reiseheft, das der Verein Buchkinder Kassel gestaltet hat. Da gilt es, das geheime Leben der eigenen Zimmerpflanze zu entdecken, im Stadtteil auf Farbsuche zu gehen und aus aufgeschnappten Gesprächsfetzen auf der Straße eine witzige Unterhaltung zusammenzusetzen.

Mit dem Beutel wolle man einerseits kontaktfreie Kulturangebote in der Coronazeit bieten, sagt Gerrit Retterath von Hier im Quartier, einem Projekt des Kulturzentrums Schlachthof. Andererseits sei die Aktion auch als eine Art Lebenszeichen für lokalen Kunst- und Kulturschaffende gedacht, von denen viele stark unter der Pandemie zu leiden haben. So stecken in der Tasche unter anderem eine Samenbombe, eine Anleitung für ein Dosentelefon zur Kontaktaufnahme in der Nachbarschaft, ein Rezept samt Sammelstellen für Bärlauch und ein Handbuch mit Tipps, wie man sein Quartier (oder andere Dinge) fotografisch in Szene setzen kann. Beim damit verbundenen Fotowettbewerb gibt es sogar etwas zu gewinnen.

So versuche man dem Auftrag, mit Mitmach-Kunstangeboten die Nachbarschaften in den drei Projektstadtteilen zu stärken, auch in der Pandemie nachzukommen, sagt Gerrit Retterath. Statt klassischer analoger Workshops habe man bereits auf Online-Kursangebote umgestellt, die auch gut angenommen würden, berichtet er. „Aber wir brauchen noch mehr neue Formate, um die Menschen in einer Zeit zu erreichen, in der man sich nur schwer persönlich treffen kann.“ Dafür sei man auch auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern aus dem Kunst- und Kulturbereich.

Der Kulturbeutel, den es als Premiere mit anderer Befüllung bereits im vergangenen Jahr gab, wird einerseits über Anlaufstellen wie das Stadtteilmanagement Wesertor, das Kulturzentrum Schlachthof oder den Marienhof in Rothenditmold kostenlos verteilt. Einen Teil der insgesamt 500 Beutel hängen die Initiatoren auch an öffentlichen Plätzen aus, etwa dem Zaun des Boreal-Biergartens am Nordstadtpark oder am Wesertorplatz. Meist seien alle Exemplare schon nach kurzer Zeit mitgenommen, sagt Retterath. So wird die Aktion zugleich zur Schatzsuche im Quartier. (Katja Rudolph)

Infos: hier-im-quartier.de

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