Kassel

Sie weisen Corona-Antikörper nach: Biotechniker der Elisabeth-Knipping-Schule arbeiten im Labor

Sie untersuchen ihr Blut auf Corona-Antikörper: von links Jos Kipp und Linda Albert von der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel.
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Sie untersuchen ihr Blut auf Corona-Antikörper: von links Jos Kipp und Linda Albert von der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel.

Schüler der Elisabeth-Knipping-Schule in Kassel weisen in einem Experiment Corona-Antikörper im eigenen Blut nach.

Kassel – Laborkittel und Gummi-Handschuhe an, auch der Mundschutz darf nicht fehlen. So gehen Linda Albert und Jos Kipp zum Unterricht in der Elisabeth-Knipping-Schule.

Das Besondere an ihrem Schulalltag: In nur vier Jahren absolvieren sie das allgemeine Abitur und eine Ausbildung zum biologisch-technischen Assistenten. Bereits in der Oberstufe arbeiten sie deshalb auch im Labor.

Nun haben die Schüler Antikörper gegen Corona in ihrem eigenen Blut nachgewiesen.

Zu Beginn des Experiments nimmt sich jeder Schüler wenige Tropfen Blut aus der Fingerkuppe ab. „Daran haben wir uns jetzt schon gewöhnt. Als wir im Labor angefangen hatten, haben sich da einige schwergetan“, sagt Schülerin Linda Albert und lacht.

In einem kleinen Röhrchen abgefüllt, wird das Blut dann zentrifugiert. „Es wird also ganz schnell im Kreis gedreht, bis sich die festen roten und weißen Blutkörperchen absetzen“, erklärt die 19-Jährige.

Das gelbliche Blutplasma wird sichtbar. „Da sind die Antikörper enthalten. Das untersuchen wir“, sagt Klassenkamerad Jos Kipp. Er reichert das Blutplasma mit weiteren Lösungen an und träufelt das Gemisch auf eine sogenannte Mikrotiterplatte.

Auf der Innenseite der Kunststoffplatte sind Spike-Proteine fixiert. Über diese dockt das Coronavirus bei einer Infektion an die Körperzellen an. „An sie binden auch die Antikörper“, erklärt Linda.

Es folgen zahlreiche Handgriffe: Stoffe werden hinzugegeben, die Lösung wird ausgewaschen und wieder neu beträufelt. Alles wird mehrfach wiederholt. Das Arbeiten im Labor ist beliebt bei den Schülern.

Linda sagt: „Ich möchte mal Tiermedizin studieren. Die ganze Praxis bringt mir da sehr viel.“ Ihr gefällt es, die eigenen Corona-Antikörper nachzuweisen. „Das, was sonst nur der Arzt kann, testen wir selbst.“

Wie viele Antikörper am Ende in ihren Blutproben enthalten sind, können die Schüler anhand der Verfärbung der Lösung einschätzen. „Je intensiver die Farbe, umso mehr Antikörper sind darin“, erklärt Jos.

Das Fotometer, ein Gerät zur Lichtstärkenmessung, untersucht den exakten Wert. „Wir vergleichen unsere Proben mit Standardwerten“, sagt der 19-Jährige.

Diese Werte sagen aber nichts Genaues über die Anzahl der Antikörper aus, erklärt Lehrerin Dr. Sabine Kauffeld. Er diene aber der Orientierung. „Liegt der Wert aus der eigenen Blutprobe über dem Vergleichswert, ist man zum Augenblick des Experiments gut gegen das Coronavirus geschützt“, sagt sie.

Die Werte von Linda und Jos liegen deutlich darüber. Was auffällt: Schüler, die mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson gespritzt wurden, haben einen geringeren Antikörper-Wert als Schüler mit einer Biontech- oder Moderna-Impfung.

„Auch Kollegen, die mit Astrazeneca geimpft wurden, haben wenig Antikörper“, sagt Kauffeld.

Zertifiziert ist das Testergebnis nicht. „Dazu müssten wir das Experiment mit Blut aus der Vene machen, nicht mit Kapillarblut aus dem Finger“, sagt die Biologin, die sich in ihrer Forschung mit Immunologie befasst hat.

Es gehe bei dem Unterrichtsversuch aber auch vorrangig darum, aktuelle Themen in den Unterricht zu integrieren. „Jeder fragt sich doch gerade, inwieweit er gegen das Virus geschützt ist“, sagt sie. „Wir wollen einen Blick über den Tellerrand des gewöhnlichen Unterrichts werfen.“ (Anna Weyh)

Weitere Infos unter elisabeth-knipping-schule.de und DrSabineKauffeld@web.de

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