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Auf der Langen Nacht für den Frieden wurde für die Ukraine gesungen und gebetet

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Von: Bastian Ludwig

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Eindrucksvoller Auftritt: Sänger Daniel Holzhauser (Bass) sang als einer von vier Solisten in der Martinskirche.
Eindrucksvoller Auftritt: Sänger Daniel Holzhauser (Bass) sang als einer von vier Solisten in der Martinskirche. © Pia Malmus

Bei der „Langen Nacht für den Frieden“ in Kassel versammelten sich am Samstag Hunderte Gläubige in den Kirchen.

Das hätte sich Pfarrer Willi Temme sicher anders gewünscht. Als er vor einigen Wochen den kirchenmusikalischen Gottesdienst in der Martinskirche für das vergangene Wochenende geplant habe, sei noch nicht absehbar gewesen, wie aktuell die Friedensbotschaft in der vorgetragenen Kantate werden würde. Der Gottesdienst in der Martinskirche bildete am Samstag aber nur den Auftakt für die „Lange Nacht für den Frieden“, die sich bis zu später Stunde in Elisabethkirche und Karlskirche fortsetzte.

Eingeladen hatten dazu evangelische und katholische Kirche sowie die Musikakademie Louis Spohr.

Gut 300 Zuhörer waren allein in die Martinskirche gekommen, um für den Frieden zu bitten und der Kantate „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ von Johann Sebastian Bach zu lauschen. Viele Besucher ließen mit geschlossenen Augen die fast 300 Jahre alten Liedzeilen auf sich wirken, die vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges so aktuell wirkten: „Ach Gott, wie manches Herzeleid begegnet mir zu dieser Zeit! Der schmale Weg ist trübsalvoll, den ich zum Himmel wandern soll“, sangen die Mitglieder des Chores Kleine Kantorei St. Martin unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Eckhard Manz. Begleitet wurden sie vom Orchester St. Martin.

Die zunächst düster-getragene Stimmung der Kantate wendete sich ins Hoffnungsvolle. Höhepunkt waren die Auftritte der Solisten, zu denen Sänger Daniel Holzhauser (Bass) gehörte. Mantraartig wiederholte er die Liedzeile: „Empfind ich Höllenangst und Pein, doch muss beständig in dem Herzen ein rechter Freudenhimmel sein.“

300 Zuhörer waren gekommen: Kantatengottesdienst in der Martinskirche.
300 Zuhörer waren gekommen: Kantatengottesdienst in der Martinskirche. © Pia Malmus

Pfarrer Temme hob in seine Predigt auf die „Unfassbarkeit“ des seit drei Wochen tobenden Angriffskrieges ab und zitierte Außenministerin Annalena Baerbock: „Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht.“ Für viele Menschen sei es noch schwer zu realisieren, dass unweit von Deutschland Menschen sinnlos getötet werden und Millionen auf der Flucht sind. Angst und Hilflosigkeit machten sich breit. „Viele schlafen schlecht.“

Doch die Menschen müssten nicht in der Schockstarre verharren. Jeder könne helfen: In dem er etwa Flüchtlinge aufnehme, Geld- und Sachspenden gebe, für den Frieden bete oder seine Solidarität durch die Teilnahme an Demonstrationen zeige. Indem jeder Einzelne aktiv werde gegen die Angst, erlebe er Gemeinschaft. Diese sei eine wichtige Stütze. „Wir müssen das Heute ergreifen und tun, was zu tun ist“, sagte Temme vor den Gläubigen. Jesus könne dabei eine wichtige Orientierung bieten.

Elisabethkirche: Dejean Quartett mit v. l. Helmut Simon, Joachim Schwarz, Cornelius Schmaderer, Ullrich Pühn.
Elisabethkirche: Dejean Quartett mit v. l. Helmut Simon, Joachim Schwarz, Cornelius Schmaderer, Ullrich Pühn. © Pia Malmus

Als nach etwa anderthalb Stunden der Gottesdienst in der Martinskirche zu Ende ging, öffneten sich die Türen der Elisabethkirche. Dort hatten fast 20 Musiker – darunter Studierende und Dozenten der Musikakademie – ein eindrucksvolles musikalisches Programm auf die Beine gestellt. Es gab musikalische Mahnwachen mit Gebeten. Regierungspräsident Mark Weinmeister und Oberbürgermeister Christian Geselle hielten vor den etwa 60 Zuhörern Ansprachen.

Ab 21 Uhr fand die „Lange Nacht für den Frieden“ ihren Abschluss in der Karlskirche. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen war frei. Es wurde um Spenden für die Ukraine gebeten. (Bastian Ludwig)

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