Nachgefragt bei den Geschichten des Jahres

Sie wischt die Sorgen weg: Manuela Maass ist als „Putzfee“ bekannt geworden

Weiter an der Friedrich-Ebert-Straße im Einsatz: Die Arbeitslose Manuela Maass sucht sich die Arbeit. Foto: Ludwig

Kassel. Manchmal lohnt es sich, am Ende des Jahres noch einmal nachzufragen: Was ist eigentlich aus dieser und jener Geschichte geworden? Manuela Maass ist die gute Seele der Friedrich-Ebert-Straße. 

Die 47-jährige Kasselerin sorgt seit Monaten dafür, dass die Feiermeile auch dann sauber bleibt, wenn die Stadtreiniger dort nicht im Einsatz sind. Den Titel „Putzfee“ nimmt sie als Kompliment. Über den ehrenamtlichen Einsatz der Arbeitslosen haben wir in diesem Jahr berichtet. Anschließend erlebte Maass eine Welle der Unterstützung.

Wir haben uns kurz vor Weihnachten mit Maass getroffen und nachgefragt, wie es ihr mittlerweile geht. Als Treffpunkt kam für sie nur die Friedrich-Ebert-Straße in Frage. Denn untätig herumstehen kommt für sie auch während eines Interviews nicht in Frage. Die Straße wird schließlich nicht von alleine sauber.

Normalerweise siezen wir unsere Gesprächspartner, wenn wir sie interviewen. Weil Manuela Maass aber auch das Siezen ablehnt, verwenden wir in diesem Interview mal ausnahmsweise das Du.

Manuela, wie geht es dir?

Manuela Maass: „Ich will nicht meckern. Allerdings kam mein pflegebedürftiger Mann kurz vor Weihnachten ins Krankenhaus. Er ist schon 79 Jahre alt, hat einen Herz-Stent, ist krebskrank und ist nun auch noch gestürzt. Dabei hat er sich den Oberschenkelhals gebrochen. Deshalb fahre ich jetzt jeden Tag in die Diakonie Klinik, um ihn dort zu besuchen. Ich bin etwas müde und auch erschöpft und komme deshalb derzeit leider nur am Wochenende dazu, die Friedrich-Ebert-Straße zu reinigen.“

Das heißt, du feierst in diesem Jahr ganz alleine Weihnachten?

Maass: „Eigentlich war geplant, dass mein Mann schon vor Weihnachten aus dem Krankenhaus entlassen wird. Das wird allerdings nicht klappen. Aus der gemeinsamen Feier zu Hause wird also nichts. Ich habe aber Einladungen bekommen. Mal schauen.“

Freiwillig unterwegs: Gute Putzfee im Blaumann stand am 5. September 2017 in der HNA.

Wie hat sich dein Leben verändert, nachdem unsere Zeitung und viele andere Medien über deine Arbeit berichtet haben?

Maass: „Die Geschichte hat wirklich viel Anklang gefunden. Alle sind sehr lieb und nett zu mir und bedanken sich auch. Beim Bäcker Kamps bekomme ich beispielsweise regelmäßig ein ganz leckeres Mittagessen als Dankeschön: Rührei mit Tomate und Schnittlauch. Andere stecken mir hin und wieder etwas Geld zu und auch ein paar Weihnachtsgeschenke gab es bereits. Und stell dir mal vor: Eben gerade habe ich auf der Straße fünf Euro gefunden. Da freut man sich.“

Haben Sie denn nach dem großen Medien-Echo richtige Jobangebote erhalten?

Maass:„Ja, es gab Firmen, die wollten mich für eine mögliche Anstellung zum Probearbeiten einladen. Das bekomme ich wegen der Pflege meines Mannes aber nicht unter einen Hut. Nun werde ich mich weiter auf der Friedrich-Ebert-Straße nützlich machen. Dann tue ich wenigstens etwas. Auch bin ich weiter für das Tierheim Wau-Mau-Insel im Einsatz und gehe mit den Hunden Gassi.“

Hast du den Eindruck, die Leute gehen sorgsamer mit ihrem Müll um, seitdem du die Straße reinigst?

Maass: „Nein, viele haben nach wie vor nichts Besseres zu tun, als ihren Abfall hier zu entsorgen (Anm. der Red.: zeigt auf einen großen Haufen Glasscherben und einen besudelten Schlafsack, den jemand in einen der Mülleimer gestopft hat). Inzwischen sammele ich auch viele unzerbrochene Gläser auf der Straße ein und bringe sie danach den Kneipen zurück. Ich kann die mittlerweile anhand der Form zuordnen.“

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