Kastanien gesammelt - und nun? Das können Sie damit tun

Früchte des Herbstes: Darum gibt es dieses Jahr so früh so viele Kastanien

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Stella (8, links) und Melina (18) haben viele Kastanien in der Umgebung gesammelt.. Die Schwestern haben Spaß damit beim Spiel im Garten.

Kassel. Sie sind das Symbol des Herbstes: Kastanien. In diesem Jahr gibt es sogar besonders viele. Wir verraten, warum das so ist und geben Tipps, was Sie mit gesammelten Kastanien machen können. 

Wer derzeit an Kastanienbäumen vorübergeht, dem ist es vielleicht schon aufgefallen: Die Bäume werfen bereits ihre Früchte ab - und zwar ziemlich viele. Diesen Eindruck bestätigt auch Frank Hartmann, Inhaber des Pflanzenhofs Nordshausen in Kassel. 2018 ist ein sogenanntes Mastjahr. Nicht nur Kastanien, auch Äpfel, Birnen und andere Gehölze trügen dieses Jahr enorm viele Früchte. Der Fruchtüberschuss sei dadurch entstanden, dass es letztes Jahr - im April 2017 - noch einmal starken Frost gegeben habe, erklärt der Gärtnermeister. Damals wurden etliche Blüten beschädigt. Die Bäume haben dadurch eine Zwangspause eingelegt. Dieses Jahr tragen sie dafür umso stärker. 

"Durch den Supersommer und die hohen Temperaturen sind die Früchte dieses Jahr außerdem früher zur Reife gekommen", sagt Hartmann. Das hat auch mit dem Mangel an Wasser zu tun. Teilweise könne man auch von einer "Notreife" sprechen. Durch die Trockenheit wurden die Bäume mit weniger Wasser und dadurch auch mit weniger Nährstoffen versorgt. "Ein Baum schützt sich dann selbst, indem er sagt 'Es reicht, ich werfe die Früchte ab, damit ich überlebe'", sagt Hartmann. Sonst müsste der Baum seine Reserven opfern, um die Früchte weiter versorgen zu können. Dieses Phänomen zeige sich bei vielen Baumarten: "Späte Apfelsorten wie zum Beispiel Boskoop sind schon reif. Es gibt da etwa drei bis vier Wochen Verschiebung nach vorn." Allgemein hänge es aber vom Standort ab, ob die Früchte bereits reif sind, betont Hartmann. 

Bei dem Angebot an Kastanien fragen Sie sich vielleicht, was Sie damit tun könnten. Wir haben sieben Ideen gesammelt:

1. Kastanien sammeln

In Deutschland wurde die Gewöhnliche Rosskastanie zum Baum des Jahres 2005 gewählt. Doch nicht nur deshalb verdient das Gewächs, das fast 300 Jahre alt werden kann, besondere Aufmerksamkeit: Fast jeder hat Erinnerungen daran, wie er oder sie als Kind Kastanien gesammelt und damit gebastelt hat. Als Erwachsener Kastanien zu sammeln, ist deshalb wunderbar nostalgisch. Außerdem kann man beim Kastaniensammeln an einem Sonntagnachmittag - ob mit oder ohne Kinder - herrlich entschleunigen. Vor allem aber ist das Sammeln der Kastanien eine Grundvoraussetzung für unsere anderen Tipps. 

Früchte, die schon abgetrocknet sind, kann man direkt verwenden. Wenn die Kastanien noch in ihrer stacheligen Hülle sind, sollte man sie herausnehmen, noch einmal auslegen und gut trocknen lassen, rät Pflanzenexperte Hartmann. Sonst kann Schimmel entstehen. 

2. Waschmittel mit Kastanien herstellen

Die Rosskastanien gehören zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae), von denen nur wenige in unseren Breiten vorkommen. Neben der Kastanie gehören nur noch die Ahorne zu den bekannten Vertretern dieser Familie in Europa. Auch in dieser Hinsicht ist die Rosskastanie also etwas Besonderes. 

Gewächse dieser Art enthalten Saponine. Das sind Seifenstoffe mit der Eigenschaft, in einer wässrigen Lösung einen Schaum zu bilden, wenn sie geschüttelt werden – also etwa so wie Seife. Daher kommt auch der Name: Sapo ist das lateinische Wort für Seife. Deshalb lässt sich aus Kastanien ganz einfach ein umweltverträgliches - und sehr kostengünstiges - Waschmittel herstellen. 

Sie brauchen:

  • 8 bis 12 Kastanien (für eine Waschladung)
  • Wasser
  • einen Behälter (zum Beispiel ein altes Einmachglas mit Deckel)
  • ein Messer oder ein anderes Werkzeug, um die Kastanien zu zerkleinern
  • ein Sieb
  • ein Glas

Waschen Sie die Kastanien ab, um sie von Dreck oder Erde zu befreien. Danach zerkleinern Sie sie. Das funktioniert mit einem Messer (die helle Stelle an der Kastanie sollte unten liegen, weil sie besonders hart ist), Sie können die Kastanien aber auch in einen Beutel füllen und mit einem Hammer klein klopfen. Je kleiner die Stücke sind, desto mehr Seifenstoffe werden freigesetzt. Falls Sie vorhaben, weiße Wäsche zu waschen, sollten Sie die braunen Schalen der Kastanie vorher entfernen. Danach füllen Sie Ihre Kastanienstücke in ein verschließbares Glas und gießen es mit Wasser auf. Die Lösung sollte am besten über Nacht ziehen. 

Am nächsten Tag ist das Wasser milchig und es ist Schaum auf der Oberfläche sichtbar - vor allem, wenn Sie das Glas schütteln. Gießen Sie das Kastanienwasser durch ein Sieb, damit keine Stückchen in der Waschmaschine landen, und füllen Sie es dann einfach ins Waschmittelfach der Maschine. 

Für normale, getragene Wäsche reicht das Waschmittel aus, um sie wieder schön frisch zu bekommen. Bei starken Verschmutzungen stößt das natürliche Waschmittel ohne Fleckenvorbehandlung aber an seine Grenzen. Zudem ist es nicht lange haltbar - deshalb zügig verbrauchen!

Kastanien seifen auch Straßen ein

Die seifige Wirkung der Kastanien zeigt sich nicht nur bei der Herstellung von Waschmittel. Im Herbst werden bei Regen auch die Straßen regelrecht eingeseift, wenn von den Bäumen am Straßenrand viele Früchte auf die Fahrbahn gefallen sind und von den Autos zerkleinert wurden - so zum Beispiel an der Kreuzung Querallee/Friedrich-Ebert-Straße in Kassel. Aber auch an der Ludwig-Mond-Straße/Ecke Frankfurter Straße zeigt sich das Phänomen im Herbst regelmäßig. Hier gilt: Vorsichtig fahren!

Schaumteppich: Wenn auf der Straße viele zerriebene Kastanien liegen und es dann regnet, wird es seifig. 

3. Basteln mit Kastanien: Anleitung

Kastanienmännchen sind der Klassiker unter den Dingen, die man mit Kastanien anstellen kann. Dafür braucht man nicht viel mehr als Kastanien, Streichhölzer oder Zahnstocher und ein bisschen Kleber. 

Wir haben aber noch ein paar Ideen, was Sie mit Kastanien basteln können: 

So basteln Sie einen Kastanien-Igel:

So basteln Sie ein Schaf aus Kastanien:

Wer es ausgefallener mag, der erfährt hier, wie er ein Fantasietier bastelt:

Viele weitere Ideen finden Sie auch hier.

4. Kastanien spenden - diese Tiere fressen Kastanien:

Unter anderem Rot-, Damm-, Schwarz, Sika- und Muffelwild sowie Wisente fressen sehr gern Kastanien. Viele Wild- und Tierparks in der Region nehmen gesammelte Kastanien an, um die Tiere über den Winter mit zusätzlichem Kraftfutter zu versorgen. Manche Wildparks zahlen den Besuchern sogar Geld für die Kastanien - so wie der Wildpark Frankenberg. 20 Cent gibt es pro Kilo Kastanien, sagt Wildparkleiter Martin Hecker. Der Tierpark freue sich sehr über die Herbstfrüchte, von denen im Winter etwa 3000 Kilogramm benötigt werden. 

Diese Tierparks in der Region nehmen Kastanien als Tierfutter an:

Tierpark Sababurg: 

  • Abgabe: kleine Mengen täglich zu den Öffnungszeiten an der Kasse oder am Infozentrum, bei größeren Mengen sollten Besucher vorher anrufen (Tel. 05671/766499-0)
  • Geld: nein

Wildtierpark Edersee:

  • Abgabe: Der Wildtierpark Edersee nimmt jeden Samstag zwischen 10 und 11 Uhr am Parkplatz Kastanien an.  
  • Geld: 15 Cent pro Kilogramm Kastanien

Wildpark Frankenberg

Derzeit keine Abgabe mehr möglich.

Wildgehege Rotenburg

  • Abgabe: Kastanien können jederzeit an der Scheune nahe des Eingangs abgegeben werden.
  • Geld: nein

Bergwildpark Meißner (Germerode)

  • Abgabe: täglich ab 10 Uhr können Kastanien unten an der Gastronomie oder oben am Wirtschaftsweg abgegeben werden. Dort steht ein blauer Container, in den man die Kastanien schütten kann. Hier geht's zur Homepage des Bergwildparks.  
  • Geld: nein

Wildpark Neuhaus (Solling)

  • Abgabe: täglich zu den Öffnungszeiten, bei kleineren Mengen können die Besucher die Tiere selbst mit den Kastanien füttern
  • Geld: nein

Wildpark Hardegsen 

  • Abgabe: Jederzeit, am Stallgebäude an der Ertinghäuser Straße stehen Kisten bereit, in die man Futterspenden füllen kann. Der Wildpark Hardegsen freut sich neben Kastanien auch über Eicheln (für die Wildschweine), Äpfel und Nüsse. Am besten ist es vorher kurz durchzurufen bei Wildparkbetreuer Wolfgang Schlemme 0151/654 844 56 oder beim Bauamt der Stadt Hardegsen 05505/50362.
  • Geld: nein

Wildpark Willingen

  • Abgabe: Abgabe ab sofort zwischen 10 bis 16 Uhr direkt am Eingang des Wildparks Willingen.
  • Geld: 20 Cent pro Kilogramm Kastanien, bei kleinen Mengen gibt es gelegentlich auch einen Gutschein für den Wildpark, sagt Mitarbeiter Stephan Zier.
Verrückt nach Kastanien: Besonders Rot-, Damm-, Schwarz, Sika- und Muffelwild mögen sie gern.

5. Deko aus Kastanien herstellen

Kastanien eignen sich nicht nur für Basteleien mit Kindern, man kann mit ihnen auch die Wohnung schön herbstlich dekorieren. Wir haben ein paar Inspirationen gesammelt: 

Ein Kaffee bringt die Welt doch immer wieder in Ordnung!! #kaffeeliebe☕❤ #mittagspause #kinderschlafen #herbst #kastaniendeko

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Das Redaktionsteam liebt Kastanien-Deko ❤️ ❤️ #kastanien #kastaniendeko #deko #herbst #glückswerkmagazin #glückswerk

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6. Beschützen - Miniermotte bedroht die Kastanie

Erst werden die Blätter braun, dann fallen sie schon im Sommer ab: Die weißblühende Rosskastanie ist einer winzig kleinen, aber ernstzunehmenden Bedrohung ausgesetzt: Der Miniermotte. Sie wurde in den 1990er-Jahren aus Südosteuropa nach Deutschland eingeschleppt und schädigt seit einigen Jahren immer mehr Kastanienbäume. Auch in der Region war das Phänomen vielerorts zu beobachten: 2017 hatten Kastanienbäume am Kasseler Auedamm bereits im Juli ihre Blätter abgeworfen. Das gleiche Bild zeigte sich im August zum Beispiel in Treysa

Schuld daran sind aber eigentlich nicht die Motten, sondern deren Larven. Bis zu 300 Eier legen die Mottenweibchen auf einem Blatt ab. Die daraus schlüpfenden Larven fressen sich durch die grünen Blätter und sorgen dafür, dass die Bäume das Laub verlieren. Teilweise haben die Kastanien im vergangenen Jahr eine Art Notfall-Programm gestartet und im Herbst zum zweiten Mal geblüht.

2018 weniger Befall

2018 ist aber eigentlich ein gutes Kastanienjahr. "Der Befall ist schwächer ausgefallen als in den vergangenen Jahren", sagt Gärtnermeister Frank Hartmann. "Wir haben Jahre gehabt, da sahen die Bäume um diese Zeit ganz erbärmlich aus." Auch dieses Jahr sehe man den Befall an den braunen Blatträndern, er sei aber nicht so extrem. Dabei hätte 2018 durch das Zusammenspiel zwischen Befall und Hitze ein "Superchaosjahr" für die Kastanie werden können - ist es aber nicht. Der Grund dafür sei unklar. Im Frühjahr lege die Motte ihre Eier ab, "vielleicht gab es einfach weniger Eiablage oder die Witterung war zu diesem Zeitpunkt nicht günstig, sodass weniger Schlupf stattgefunden hat", vermutet Hartmann. 

Sommer - und trotzdem ist schon alles braun. Die Aufnahme wurde im Juli am Kasseler Auedamm gemacht. 

Was kann man gegen die Motten tun? 

Die Motte allein ist für die Kastanien nach Angaben des Braunschweiger Julius-Kühn-Instituts - das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen - nicht lebensbedrohlich. Allerdings sind von Miniermotten befallene Bäume anfälliger für Pilze und Bakterien. Vor allem, wenn der Befall jährlich wiederkehrt, können die Bäume geschwächt werden. 

Wer der Motte den Garaus machen will, sollte nicht nur die Kastanienfrüchte, sondern auch das abgefallene Laub des Baumes aufsammeln und anschließend entsorgen oder verbrennen. Kompostieren ist keine gute Idee, weil im Laub sonst die nächste Generation der Motten heranwächst. Zudem können Meisenkästen helfen, denn die Vögel ernähren sich von der Motte. 

Ein von der Miniermotte befallenes Kastanienblatt. Das Foto wurde in Göttingen aufgenommen.

7. Kastanien essen: Esskastanien erkennen und zubereiten

Kastanien kann man essen - allerdings nicht die Kastanien, über die hier bisher geschrieben wurde. 

Bei Ess- oder Edelkastanien handelt es sich um einen Baum aus der Gattung der Kastanien, die der Familie der Buchengewächse zugeordnet wird. Die Edelkastanie ist die einzige Vertreterin ihrer Gattung in Europa. Ihre glänzenden, dunkelbraunen Früchte sind als Maronen oder Maroni bekannt. Die Namensübereinstimmung mit der Rosskastanie beruht laut Wikipedia also nur auf der oberflächlichen Ähnlichkeit der Früchte, nicht auf Verwandtschaft. 

Maronen werden bei uns häufig als Snack auf Weihnachtsmärkten angeboten. Man kann sie aber auch zuhause zubereiten. Hier finden Sie Rezepte für Maronen. 

Kastanien sind Alleskönner

Wir haben sieben Tipps gegeben, was Sie mit Kastanien im Herbst machen können - doch Kastanien können noch viel mehr.

Ihnen wird beispielsweise eine medizinische Wirkung zugeschrieben. 2008 kürte die Universität Würzburg die Gewöhnliche Rosskastanie zur Arzneipflanze des Jahres. Aus der Rinde, den Blättern, den Blüten und vor allem den Samen des Baumes werden Grundstoffe für die Pharmaindustrie gewonnen. Wirkstoffe aus Rosskastanien sind beispielsweise gut für die Gefäße, ihnen wird eine abschwellende und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. 

Im Kleiderschrank helfen Kastanien als Mottenschutz, in der Küche sollen sie Fruchtfliegen vertreiben und im Keller und auf dem Dachboden Hausspinnen fern halten. 

Und: Bei Haribo in Bonn kann man Kastanien gegen Süßigkeiten eintauschen. Für zehn Kilogramm Kastanien oder fünf Kilogramm Eicheln gibt es dort ein Kilogramm Weingummi. Die Aktion gibt es schon seit über 80 Jahren. In diesem Jahr findet sie am 12. und 13. Oktober statt. 

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