Schießerei vor Bistro „Skyline“: Urteil des Landgerichts liegt über der Forderung der Staatsanwaltschaft

Sieben Jahre Haft für Mattenberg-Schützen

Kassel. Zu sieben Jahren Haft wurde der "Mattenberg-Schütze" verurteilt. Er hatte im August 2009 vor dem Bistro Skyline um sich geschossen und dabei zwei Männer schwer verletzt, einen von ihnen sogar lebensgefährlich.

Aus dem Artikel-Archiv

Volker Mütze begann seine Urteilsbegründung mit einer Art Stoßseufzer. „Es ist schon ein bisschen beunruhigend“, sagte der Vorsitzende der sechsten großen Strafkammer des Kasseler Landgerichts, als er am Donnerstag die Entscheidung im Prozess um die Mattenberg-Schießerei verkündete, „was hier in Kassel so alles geschieht.“ Für sieben Jahre schickte er den 33-Jährigen hinter Gitter, der im August 2009 vor dem Bistro „Skyline“ um sich geschossen und zwei Männer schwer verletzt hatte. Einen von ihnen hatte der Angeklagte dabei sogar lebensgefährlich getroffen: Dem 29-Jährigen muss der ehemalige VW-Arbeiter nach dem Spruch der Kammer nun ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zahlen.

In „Wild-West-Manier“, sagte Mütze, habe der Angeklagte an jenem Morgen losgeballert. Erst in die Luft, dann vor die Füße des 29-Jährigen. „Er ließ ihn hüpfen, wie man das aus Filmen kennt.“ Dann schoss er ihm ins Bein und in die Brust. Und als der Mann am Boden lag, wandte sich der Schütze seinem nächsten Opfer zu und verpasste auch ihm noch einen Treffer in die Hüfte.

Im Ego gekränkt

Und warum das alles? „Weil sich der Angeklagte in seinem Ego gekränkt fühlte“, meinte der Richter. „Ich sage bewusst nicht ‚Ehre’.“ Der 33-Jährige war erbost, weil er nach einem Kneipenstreit vor die Tür gesetzt worden war. Einem Streit, mit dem seine späteren Opfer allerdings überhaupt nichts zu tun gehabt hatten. Die beiden Polen hatten lediglich das Pech, dass die Widersacher des unter Alkohol und Kokain stehenden Mannes ihre Landsleute waren – und dass sie zusammen mit ihnen das Bistro verließen. Von einem Angriff der Polen, wie ihn der 33-Jährige geschildert hatte, wollte das Gericht nichts wissen. „Er versucht, die Opfer zu Tätern zu machen“, befand Mütze. Das sei zwar eine legitime Verteidigungsstrategie, aber durch unbeteiligte Zeugen widerlegt: „Notwehr gab’s keine.“

Ebenso wenig war allerdings der Vorwurf aus der Anklage nachzuweisen, dass der Mann eigens nach Hause gegangen sein sollte, um seine Pistole zu holen und sich auf die Lauer zu legen: Das Gericht ging von einem spontanen Entschluss aus und glaubte dem Angeklagten, dass er seine – illegal erworbene – Waffe immer dabei habe, weil er sich von Unbekannten bedroht gefühlt habe.

Als versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung stufte die Kammer die Tat ein. Und das Urteil fiel überraschend hart aus: Die Strafe liegt nicht nur deutlich über der Forderung der Verteidigung, die auf dreieinhalb Jahre Gefängnis plädiert hatte, sondern auch über den fünf Jahren Haft, die Staatsanwalt Andreas Thöne für ausreichend erachtet hatte. Verteidiger Werner Momberg kündigte darum umgehend an, die Revision beim Bundesgerichtshof beantragen. (jft)

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