Mann versprühte Pfefferspray – Wegen Verstoßes gegen Waffengesetz verurteilt

Sieben Monate Haft für 21-Jährigen

Kassel. „Ich bin zum ersten Mal vor Gericht“, wiederholt der 21-jährige Angeklagte mindestens genauso häufig wie „Es ist im Affekt passiert“. Außerdem habe er Angst vor Hunden, deshalb habe er an jenem Tag im Juli vergangenen Jahres auch ein Pfefferspray in der Tasche gehabt, mit dem man aufdringliche Vierbeiner in die Flucht schlagen kann. Freilich war er, als er damals gemeinsam mit seiner Freundin in einem Modehaus am Königsplatz ein T-Shirt kaufen wollte, nicht von einem Hund angefallen worden.

An einer Rolltreppe war ihm ein anderer junger Mann entgegengekommen, dabei müssen sich die beiden angerempelt haben. Der Angeklagte gab an, dass der andere der Schuldige gewesen sei, der Widersacher sagte wiederum als Zeuge, er habe ausweichen wollen, und als er das Gefühl hatte, dass der Angeklagte ihn angreifen will, habe er ihn am Hals gepackt. Und da habe der 21-Jährige seine Spraydose gezückt. Sein Gegenüber sei von dem Spray „im ganzen Gesicht braun gewesen“, erinnerte sich der Angeklagte. Er beteuerte, er habe Angst davor gehabt, dass ihn der körperlich deutlich überlegene Mann über die Brüstung der Rolltreppe schubst. Deshalb habe er eben „im Affekt“ gehandelt. Als er den vermeintlichen Angreifer außer Gefecht gesetzt hatte, war schon ein Kaufhausdetektiv zur Stelle, der die Sache klären wollte. Der Angeklagte behauptete am Dienstag vor Gericht, der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes habe sich nicht ausgewiesen und ihn dann so heftig geschlagen, dass er eine Platzwunde an der Lippe hatte. Deshalb habe er erneut Pfefferspray versprüht. Damit war die Sache allerdings noch immer nicht beendet. Denn der Angeklagte flüchtete aus dem Modehaus, verfolgt von dem Detektiv, der vor Gericht beteuerte, sich sehr wohl ausgewiesen zu haben.

Die Verfolgungsjagd endete in einer Einkaufs-Galerie, dort erwischte der Detektiv den Flüchtenden und warf sich auf ihn. Er bekam da nochmals eine Dosis Pfefferspray ins Gesicht. Kollegen vom Sicherheitsdienst der Galerie eilten ihm allerdings zu Hilfe, sodass der 21-Jährige gebändigt werden konnte. Die beiden letzten Sprayaktionen räumte der 21-Jährige ein, der erste Einsatz des Pfeffersprays sei jedoch nur aus Angst erfolgt, beteuerte er bis zuletzt. Dass sein Spray unter das Waffengesetz fällt, habe er nicht gewusst.

Das Gericht folgte im strittigen Fall den Zeugen und ging am Ende davon aus, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte die Auseinandersetzung angezettelt hat. Wegen Körperverletzung und wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde er zu sieben Monaten verurteilt, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden, außerdem muss er hundert Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Von Ralf Pasch

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