Jiayu-Handys werden europaweit vertrieben

Sieht aus wie ein iPhone: Kasseler Firma hat Erfolg durch Nachahmen

Sieht keine Probleme darin, dass seine Smartphones iPhone & Co. ähnlich sehen: Jan Sebastian Jirsa ist Deutschland-Chef von Jiayu und vertreibt die in China produzierten Geräte von Kassel aus in ganz Europa. Fotos: Ludwig

Kassel. Gut nachgeahmt ist besser, als schlecht selbst ausgedacht: Das in etwa ist das Erfolgsrezept von Jiayu.

Der chinesische Smartphone-Hersteller baut Geräte, die der Konkurrenz von Apple und Samsung ziemlich ähnlich sehen, aber nur ein Bruchteil so teuer sind.  Von Kassel aus wird der europaweite Vertrieb abgewickelt, der vor allem über das Internet läuft. Nachdem sich Jiayu in der Startphase selbst mit Plagiatsvorwürfen von Apple konfrontiert sah, klagt das Unternehmen nun seinerseits über noch billigere Kopien seiner Modelle. Der Kopierer wird zum Kopierten.

Jan-Sebastian Jirsa, der 35-jährige Deutschland-Chef von Jiayu aus Kassel, bezeichnet seine Marke als „Aldi der Smartphones“. Die Geräte von Jiayu gibt es ohne Vertragsbindung ab 89 Euro. Die Preisspanne reicht bis 330 Euro.

2000 Smartphones im Monat

Jirsa hat sechs Mitarbeiter und ein Geschäft am Ständeplatz (Friedrich-Ebert-Str. 1), das er selbst als „Flagship-Store“ bezeichnet. Es ist deutschlandweit der einzige Laden, den die Kunden tatsächlich betreten können. Der Verkauf läuft fast ausschließlich über das Internet. „Wir verkaufen allein in Deutschland im Durchschnitt 2000 Smartphones pro Monat“, erzählt der 35-Jährige. In Südeuropa, wo die Einkommen niedriger sind und viele sich Handy-Edelmarken nicht leisten könnten, sei der Absatz noch besser.

Die ganze Aufregung um die Plagiatsvorwürfe – über die jüngst auch Der Spiegel berichtet hatte – kann Jirsa nicht verstehen. Er hat eine eher philosophische als juristische Sicht darauf: „Die Menschheit hat sich nur entwickelt, weil sie bewährte Dinge nachgeahmt und verbessert hat. Sonst würden wir noch heute mit einem Stein in der Hand ums Feuer laufen. Facebook ist im Grunde auch nur eine Kopie von sozialen Netzwerken, die es schon vorher gab.“

Das iPhone lässt grüßen: Eines der viel günstigeren Smartphones von Jiayu.

Rechtliche Probleme sieht Jirsa nicht. „Wir haben weder das Logo von Apple geklaut noch deren Namen.“ Auch den für Apple-Geräte typischen Home-Button (runde Taste) gebe es nicht. Sicherlich sei die Optik ähnlich, aber so etwas gebe es im Automobilbereich auch. Ein Laie könne heutzutage auf den ersten Blick einen Skoda auch kaum von einem Audi unterscheiden.

Auf die Frage, wo für ihn der Diebstahl geistigen Eigentums anfange, spricht Jirsa von fließenden Grenzen. Ganz klar zu weit gehe ein neuer Billigproduzent aus China, der wiederum die Geräte von Jiayu mit billigen Komponenten nachbaue. Dieser orientiere sich nicht nur an der Optik, sondern nutze auch das Logo und den Namen von Jiayu.

Am Ende hat der Ärger mit den Plagiaten für Jiayu aber nicht nur negative Seiten. „Seitdem der Spiegel über die Sache berichtet hat, sind die Zugriffe auf unsere Internetseite rasant gestiegen. Von 500 bis 1000 am Tag auf über 5000“, erzählt Jirsa.

Weitere Informationen gibt es hier.

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