Interview mit der Kasseler Feuerwehr

Nach Brandschäden: „Silvester ist eine Risikonacht“

Hoher Schaden durch Brand in Silvesternacht: Vermutlich hat ein Feuerwerkskörper das Feuer auf dem Dachstuhl des Wohnhauses in der Baumgartenstraße in Kirchditmold ausgelöst. Durch das Löschwasser sind auch die beiden unteren Geschosse derzeit nicht bewohnbar. Der Schaden wird auf 200 000 Euro geschätzt. Fotos: Malmus

Kassel. In der Silvesternacht gab es drei große Brände - in Kassel, Vollmarshausen und Immenhausen.

In Kirchditmold war um 0.20 Uhr das Dachgeschoss einer Doppelhaushälfte an der Baumgartenstraße ausgebrannt. Schaden: 200.000 Euro. Das Haus, das einer vierköpfigen Familie gehört, ist vorerst unbewohnbar. Die Bewohnerin der völlig zerstörten Dachgeschosswohnung ist seit einigen Tagen verreist. Nach ersten Ermittlungen der Kasseler Kripo könnte - wie bei den anderen Bränden - eine verirrte Silvesterrakete den Brand ausgelöst haben.

Wir sprachen mit Uwe Kößler aus der Abteilung Vorbeugender Brandschutz und Umweltschutz der Kasseler Feuerwehr über die Gefahren durch Feuerwerk.

Wenn man von den Bränden in der Silvesternacht hört, wird einem angesichts der vielen Raketen im Nachhinein angst und bange. Wann werden Böller gefährlich? 

Uwe Kößler: Im Prinzip kann jede Rakete zur Gefahr werden, wenn sie an einer Stelle landet, wo sie ein Feuer entfachen kann. Feuerwerkskörper setzen beim Abbrennen viel Wärmeenergie frei, wenn die Glut auf einen brennbaren Gegenstand fällt, dann ist es schnell passiert.

Auch auf einem Dach? Ziegel sind doch nicht leicht entflammbar. 

Kössler: Ein Dachstuhl ist nicht hundertprozentig dicht, wenn man Pech hat, kann ein kleiner Glutfunken eindringen und die Sparren und Latten des Dachstuhls in Brand setzt. Außerdem können Staubablagerungen auf dem Dach brennen.

Dann könnte also an Silvester noch viel mehr passieren? 

Kößler: Silvester ist auf jeden Fall eine Risikonacht. Die Wahrscheinlichkeit von Bränden ist so hoch wie an keinem anderen Datum – schließlich fliegen massenhaft pyrotechnische Gegenstände durch die Luft. Ob und wie viel passiert, ist im Prinzip ein Lottospiel. Man kann durch Vorsichtsmaßnahmen zwar die Wahrscheinlichkeit eines Schadens reduzieren. Aber hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, solange Tausende Laien Feuerwerk in die Luft schießen.

Welche Vorkehrungen sollte man treffen? 

Uwe Kößler

Kößler: Man sollte die Fenster und Türen geschlossen halten, damit keine fehlgeleiteten Raketen ins Haus fliegen können. Auf Balkon oder Terrasse sollte man brennbare Gegenstände wegräumen. Darauf weisen wir jedes Jahr wieder hin. Wer Feuerwerk benutzt, sollte sich unbedingt an die Bedienungsanleitung halten und die Raketen nur senkrecht abschießen. Und keinesfalls auf Menschen, Häuser oder Autos zielen, sondern nur auf freie Flächen.

Ist an Silvester bei der Feuerwehr mehr Personal im Einsatz? 

Kößler: Natürlich versuchen wir uns auf ein erhöhtes Einsatzgeschehen vorzubereiten. Die übliche Wachbesetzung der Berufsfeuerwehr - an normalen Tagen 30 Leute - war um zwei Feuerwehrleute sowie eine Person in der Leitstelle aufgestockt. Außerdem hatten zwei Freiwillige Feuerwehren Rufbereitschaft – das waren noch mal 18 Personen. Wegen der drei größeren Einsätze wurde nachts kurzfristig noch Leitstellenpersonal nachalarmiert.

Was ist, wenn bei einer Vielzahl von Einsätzen das Personal nicht ausreicht? 

Kößler: Dann muss man schauen, wer noch einspringen kann. Allerdings gilt: Wer laut Dienstplan frei hat, muss sich auch nicht bereithalten.

... und darf bei der Silvesterparty auch etwas trinken? 

Kößler: Ja, auch Feuerwehrleute stoßen privat mal aufs neue Jahr an. Kollegen, die am nächsten Tag regulär Dienst haben, halten sich aber ohnehin zurück. Auf jeden Fall gilt: Wer freiwillig noch einspringt, muss einen klaren Kopf haben. Im Ernstfall müssten uns bei einer Großlage benachbarte Feuerwehren zu Hilfe kommen – so wie wir neulich bei dem Gefahrgutunfall auf der A 7 bei Göttingen geholfen haben.

Von Katja Rudolph

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