In einem Jahr soll Entscheidung fallen, ob Kassel Welterbe wird

Kassel. Nächstes Jahr um diese Zeit hat das bange Warten ein Ende. Die Entscheidung, ob Kassel Welterbe-Stadt wird, sollte Anfang Juli 2013 fallen. „Ich bin sehr optimistisch, dass der Antrag angenommen wird“, sagt der Beauftragte der Landesregierung Prof. Gerd Weiß.

Ein Selbstläufer ist die Bewerbung allerdings nicht. Das hat der gescheiterte Antrag von Schwetzingen deutlich gemacht. Die Gärten dort sind schön, aber nicht außergewöhnlich genug. Noch einen barocken Garten mehr wollte die Welterbe-Kommission nicht.

Auch der Bergpark in Wilhelmshöhe hat barocke Pracht und Größe. Bei der Bewerbung zum Welterbe hat man sich aber auf die weltweit einzigartigen Wasserkünste mit ihrer fast 300 Jahre alten Originaltechnik und auf die überragende Großplastik des Herkules konzentriert. „Ich bin davon überzeugt, dass wir damit in eine Lücke bei den Welterbestätten stoßen“, sagt Weiß, der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege. Seit 1986 ist der Bergpark auf der Anwärterliste für das Welterbe. Nach der Grenzöffnung waren zunächst einmal die neuen Bundesländer am Zuge. Durch die Millionen für die Kasseler Museumslandschaft hat der Bergpark bereits enorm gewonnen. Allein die Sanierung des Herkules kostet 30 Millionen Euro.

Der Kasseler Antrag liegt mittlerweile bei der Unesco in Paris. Weiß rechnet damit, dass in den nächsten Wochen ein Gutachter bestimmt wird, der sich dann intensiv mit dem Bergpark beschäftigt. Wahrscheinlich werde der aus dem europäischen Ausland kommen.

Dieser Gutachter wird nicht nur die Akten studieren, sondern sich auch vor Ort ein Bild machen. Neben der Bewertung der baulichen Anlagen geht es auch darum, welchen Rückhalt die Bewerbung in der Bevölkerung hat.

„Wir machen das für die Menschen in Kassel“, sagt Weiß. Die Anerkennung als Welterbe bedeute, dass der Bergpark auch zukünftig als Naherholungsgebiet erhalten werde. Egal, wo sonst gespart werden muss: Das Welterbe verpflichtet.

Touristisch lohnt sich das Prädikat nach Einschätzung des Experten auf jeden Fall. „Was glauben Sie, warum Städte wie Darmstadt, Wiesbaden und Marburg in den Startlöchern stehen?“, sagt Weiß.

Da ist Kassel schon einen großen Schritt weiter. Sollte es im Sommer 2013 wirklich dazu kommen, dass der Bergpark Welterbe wird, dann spielt er in einer Liga mit dem Kölner Dom und dem gerade erst anerkannten Opernhaus in Bayreuth. Das wäre noch ein Grund mehr zum Feiern im kommenden Jahr, in dem Kassel seinen 1100. Geburtstag hat.

Von Thomas Siemon

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