Feiertage im Krankenhaus

Palliativ-Pflegerinnen berichten: „An Weihnachten ist es besonders emotional“

Weihnachtsgeschenke für die Patienten: Simone Schmitz (links) und Anja Janson-Popal arbeiten auf der Onkologischen Palliativstation im Klinikum.
+
Weihnachtsgeschenke für die Patienten: Simone Schmitz (links) und Anja Janson-Popal arbeiten auf der Onkologischen Palliativstation im Klinikum Kassel.

Auf der Onkologischen Palliativstation des Klinikums Kassel wird während der Weihnachtsfeiertage versucht, etwas festliche Stimmung aufkommen zu lassen. Zwei Pflegerinnen haben mit uns gesprochen.

Kassel – Der Heiligabend war ein guter Tag auf der Onkologischen Palliativstation im Klinikum Kassel. Fünf Krebspatienten konnten an diesem Morgen die Station U71 verlassen und Weihnachten im Kreise ihrer Liebsten verbringen. „Mit so einer Krankheit ist jeder Tag wertvoll“, sagt Simone Schmitz, die seit 38 Jahren Krankenschwester ist und seit sieben Jahren in der Onkologie arbeitet.

Schmitz und ihre Kollegen versuchen auf der Palliativstation alles, damit es den Patienten besser geht. Mit diesem Ziel kommen Mediziner, Pfleger und Therapeuten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen: Neben der Krebstherapie stehen die Mobilisation und die psycho-soziale Begleitung im Mittelpunkt. Jeden Tag wird jeder Patient und seine Therapien besprochen. Auf der Station gibt es insgesamt 15 Betten. Doch auch das Zwischenmenschliche zwischen Pflegern, Patienten und Angehörigen spielt eine große Rolle: „Teilweise sind diese Menschen sechs Wochen oder länger bei uns, viele kommen auch wieder. Da baut man natürlich persönliche Beziehungen auf“, erzählt Schmitz.

Onkologische Palliativstation im Klinikum Kassel: „An Weihnachten ist es besonders emotional“

Um es den Patienten trotz ihrer schweren Krankheiten etwas leichter zu machen, helfen auch die einfachen Dinge des Alltags: „Das kann das Lieblingsgericht, das eigene Duschgel oder eine Schüssel aus der heimischen Küche sein. Hauptsache es lenkt vom Krankenhaus ab“, sagt Anja Janson-Popal. Die 55-Jährige hat fast ihr ganzes Berufsleben als Krankenschwester in der Onkologie verbracht. Rund um Weihnachten gibt sich das Palliativteam besonders viel Mühe. Es wird dekoriert, soweit das in einem Krankenhaus eben geht.

„An Weihnachten ist es hier immer besonders emotional“, sagt Schmitz. Vor Corona gab es kleine Weihnachtsfeiern, berichtet Janson-Popal. Weil das derzeit nicht möglich ist, haben das Team und der Förderverein „Lebenswert“ aus Kassel kleine Geschenktüten mit selbst gebastelten Engeln und künstlichen Teelichtern für die Patienten gepackt. Dazu gibt es selbst gebackene Plätzchen. „Das wurde alles ehrenamtlich gemacht, neben der Arbeitszeit“, sagt Schmitz.

Klinikum Kassel: Für Besucher der Palliativstation gilt die 2G-Plus-Regel

Für Besucher der Palliativstation gilt die 2G-Plus-Regel. Die Besuche müssen trotzdem auf ein Minimum heruntergefahren werden – viele Patienten der Onkologie haben ein besonders schwaches Immunsystem. Jedes Virus, jedes Bakterium und jede Verunreinigung kann lebensbedrohlich werden. Schon vor Corona galten höchste Hygienestandards, die Pandemie macht alles noch viel schwerer. „Die Besuche hier sind sehr wichtig. Ich verstehe, dass auch die Angehörigen darunter leiden. Aber sie haben auch viel Verständnis“, sagt Janson-Popal. Die Pflegerinnen selbst machen zweimal pro Woche eine PCR-Untersuchung, dazu kommen Antigen-Tests.

Nicht alle Patienten können von der Palliativstation wieder zurück in ihr vertrautes Umfeld. Manche gehen in ein Hospiz, andere sterben auch auf der Station U71. Manchmal keiner, manchmal fünf in nur einer Woche. „Auch wir brauchen mal Abstand davon. Die Schicksale hier können sehr bedrückend sein“, sagt Schmitz ganz offen. Krankenschwester zu sein, wie ihre Mutter, sei für sie ein Lebenstraum gewesen. Die Arbeit an Weihnachten gehöre einfach dazu, ihre Familie kenne das. „An diesen Tagen kann man den Menschen hier ganz besonders etwas Gutes tun.“

Beide Pflegerinnen betonen, wie wichtig der kollegiale Umgang auf der Station sei. „Die Kollegen verstehen einen am besten“, sagt Janson-Popal. „Wir reden jeden Tag und haben schon so viel gemeinsam erlebt.“ Der Zusammenhalt sei groß, vom Klinikum gebe es bei Bedarf zudem psychologische Unterstützung und regelmäßige Supervision. „Hier stumpft keiner ab. Ohne Empathie geht es bei uns nicht“, sagt Schmitz.

Der „Förderverein für palliative Versorgung Erwachsener im Klinikum Kassel“ finanziert sich über Spenden. Informationen dazu und über die Arbeit des Vereins finden Sie unter verein-lebenswert-kassel.de. (Gregory Dauber)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.