Islamzentrum: „Sind moderate Muslime“ - Verfassungsschutz beobachtet extremistische Einflüsse

Koran-Verteiler in Kassel - Blick ins Islamische Zentrum

+
„Wir sind keine Hinterhofmoschee“: Omar Dergui, Vorsitzender des Islamischen Zentrums Kassel (links), und Mahmoud Abdulaziz, Imam der Al-Huda-Moschee, beteuern, von den salafistischen Hintergründen der Koranverteilung nichts gewusst zu haben.

Kassel. Die Verteilung kostenloser Korane hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. In Kassel haben Mitglieder des Islamischen Zentrums mit der dazugehörigen Al-Huda-Moschee mehrfach Koran-Exemplare verteilt. Was ist das für eine Gemeinde?

Das Verhältnis des Islams zum Grundgesetz

Die Al-Huda-Moschee, die zum Islamischen Zentrum Kassel an der Erzbergerstraße gehört, ist in die Schlagzeilen geraten. Mitglieder haben kostenlose Korane in der Kasseler Innenstadt verteil. Das ist zwar erlaubt und von der Religionsfreiheit gedeckt. Allerdings wird die bundesweit angelegte Koranverteilung von dem Kölner Salafisten Ibrahim Abou-Nagie organisiert. Der Salafismus als religiös motivierter Extremismus ist aus Sicht des Verfassungsschutzes nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Das Islamische Zentrum Kassel (IZK) bestreitet, Kontakte in die salafistische Szene zu unterhalten. Über die Hintergründe der Aktion habe man nicht Bescheid gewusst, sagte der Vorsitzende Omar Dergui. Der hessische Verfassungsschutz hingegen bewertet das Islamische Zentrum Kassel als „salafistisch beeinflusst“.

Archiv-Bilder von der Koran-Verteilung in Kassel

Salafisten verteilten Koran in Kassel

Lesen Sie auch:

-Salafismus: Hass-Prediger kassiert 1860 Euro Stütze

-Einmischen ist wichtig - ein Kommentar zur Koran-Verteilung

-Koran-Verteilung in Kassel: Aufgeheizte Stimmung, großes Interesse

Das bedeute nicht, dass der gesamte Verein aus Salafisten bestehe. Man wisse aber, dass sowohl im Vorstand als auch unter den einfachen Mitglieder einige seien, die „immer wieder zum Teilnehmerkreis auswärtiger salafistischer Islam-Seminare“ gehörten, sagt Martin Heinemann, Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz. Deswegen müsse man davon ausgehen, „dass diese Ideologie auch Einfluss auf den Verein nimmt.“

Dass es in den eigenen Reihen radikalisierte Mitglieder geben könnte, die auch die Koranverteilung eingefädelt hätten, könne er sich nicht vorstellen, sagt Omar Dergui, der auch im Ausländerbeirat der Stadt Kassel aktiv ist. „Wir sind moderate Muslime.“

Der Verein besteht seit 2006. Kurz nach der Gründung war der Salafist Pierre Vogel zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Dass Vogel unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand, habe man seinerzeit nicht gewusst, sagt Dergui auf Nachfrage.

Die Korane seien auf eigene Initiative verteilt worden, sagt der 41-Jährige, der bei einem Finanzdienstleister als Geschäftsstellenleiter arbeitet.

Wer sind die Salafisten?

Auf die Frage, woher die Korane kamen, berichtet Dergui: Vor einigen Wochen habe es einen Gast beim Freitagsgebet gegeben, der mehrere Kartons mit den Koran-Exemplaren als Spende überreichte. Es habe aber keine Anweisung gegeben, diese zu verteilen. Weil in der Gemeinde jeder einen Koran habe, sei man auf die Idee gekommen, die 200 Exemplare zu verteilen. Dadurch habe man Öffentlichkeitsarbeit für den Verein machen wollen und Interessierte über den Islam informieren wollen. Das Plakat, das für die Aktion des Missionierungsnetzwerks „Der Wahre Glaube“ warb, habe man aufgestellt, weil es in den Kartons beigelegen habe.

Hätte man damals schon um die Hintergründe gewusst, sagt Dergui, hätte man sich nicht an der Koranverteilung beteiligt. Schließlich wolle man nicht mit Radikalen in Verbindung gebracht werden. „Wir haben durch den Fehler dazugelernt.“

Der Orientalist Prof. Tilman Nagel hat 2007 als Experte für die vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble initiierte Islamkonferenz das Verhältnis des Korans zum deutschen Grundgesetz untersucht.

Von Katja Rudolph

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.