Sandstein-Relikte schmückten wahrscheinlich das alte Stadttor am Katzensprung – Aufruf an HNA-Leser

Sind das die Kugeln vom Wesertor?

Spannender Fund: Denkmalschutz-Experte Heinz Kefenbaum (links) und Stadtteilhistoriker Christian von Klobuczynski (rechts) vermessen die im Durchmesser 37 Zentimeter großen Sandsteinkugeln auf dem Gelände der ehemaligen Bleicherei Pfarr. Foto: Schaffner

Wesertor. Mitarbeiter des Kasseler Kinderbauernhofs haben bei Bauarbeiten möglicherweise beide Kugeln des historischen Weser-Tors gefunden. Nach Recherchen eines Stadtteilhistorikers und eines Denkmalschützers spricht derzeit vieles dafür, dass die Sandsteinkugeln tatsächlich einst die Torpfeiler des im 19. Jahrhundert abgerissenen Weser-Tors geschmückt haben.

„Für das Wesertor wäre das eine Sensation.“

Christian von Klobuczynski

„Für das Wesertor wäre das eine Sensation“, sagt Stadtteilhistoriker Christian von Klobuczynski. Der Name des heutigen Stadtteils gehe schließlich auf das historische Weser-Tor zurück. Auch Heinz Kefenbaum, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Kassel, hält es für möglich, dass es sich bei den im Durchmesser 37 Zentimeter großen Kugeln um Relikte des alten Tors handelt. „Bisher haben wir zumindest keine Hinweise, die das Gegenteil beweisen“, sagt er. Das zwischen 1768 und 1829 errichtete Weser-Tor diente bis zum Abriss 1867 auf Höhe des Katzensprungs als Stadttor. Es bestand aus zwei steinernen Torpfeilern, die jeweils mit einer Kugel gekrönt waren. Das belegen unter anderem Zeichnungen des Malers Ernst Metz, der zahlreiche Kasseler Bauwerke künstlerisch rekonstruiert hat.

„Die Kugeln sehen denen auf den Zeichnungen sehr ähnlich“, sagt von Klobuczynski. Zwar wirkten sie auf einer Metz-Zeichnung, die den Bau der Artilleriekaserne zeigt, in Relation zu den abgebildeten Menschen etwas zu groß: „Auf anderen Zeichnungen, die eine andere Perspektive zeigen, kommt das aber hin“.

Ein weiterer Anhaltspunkt sei der Fundort. Entdeckt wurden die Kugeln auf dem Gelände der früheren Bleicherei Pfarr (heute: Kinderbauernhof), im Bereich einer Hausruine. Die Entfernung zum Katzensprung beträgt lediglich 200 Meter. Dass Menschen früher Gebäudereste aus der Umgebung als Baumaterial und zu Dekorationszwecken angeschleppt haben, sei bekannt, sagt Kefenbaum. So sei beispielsweise auch das ehemalige Haus am Fundort aus Steinen des 1811 abgebrannten Stadtschlosses errichtet worden, berichtet von Klobuczynski nach Gesprächen mit dem Ehepaar Pfarr. Es habe jedoch keine Angaben zum Ursprung der Kugeln machen können.

Zwei auffällige Löcher in den Kugeln deuten darauf hin, dass sie mithilfe von Eisenstangen auf einem Gesims befestigt gewesen sein könnten. „Nach allem, was wir wissen, gehen wir davon aus, dass die Kugeln von einem öffentlichen Bauwerk in unmittelbarer Nähe stammen“, sagt Kefenbaum. Derzeit komme nur das Weser-Tor infrage.

Damit Kefenbaum und von Klobuczynski ausschließen können, dass die Kugeln von einem anderen Bauwerk stammen, hoffen sie auf Unterstützung der HNA-Leser. Wer Zeichnungen, Postkarten oder Fotos von Gebäuden mit ähnlichen Kugeln besitzt, wird gebeten, sich mit Christian von Klobuczynski in Verbindung zu setzen:

Tel.: 05 61/9 70 05 44, E-Mail: klobuczynski@ibf-kassel.de

Von Sebastian Schaffner

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