Hohes Gras ist renaturiert

Molche statt Panzer unterwegs: Es grünt auf dem Standortübungsplatz

Oase für Amphibien: Dieter Schorbach (von links) und Uwe Zindel von Hessen-Forst erklärten den Behördenvertretern bei der Übergabe des Truppenübungsplatzes den Umbau eines Entschlammungsbeckens zum Feuchtbiotop. Foto: Dilling

Kassel/Habichtswald. Die geschützten Kammmolche haben schon viele Autobahn-Bauer gezwungen, ihre Bauprojekte aufzuschieben. Im Habichtswald haben sie die Renaturierung der ehemaligen Panzerwaschstraße und der Schießanlagen der Bundeswehr zwischen Hohem Gras und Seilerberg zumindest verzögert.

Man habe vergangenen Herbst erst einmal die Wanderung dieser Amphibien abwarten müssen, bevor man die Wasser- und Entschlammungsbecken zurückbauen konnte, sagte Hermann Osterhoff, Projektleiter des Hessischen Baumanagements.

Osterhoff feierte mit weiteren an dem Projekt beteiligten Behördenvertretern, Hessen-Forst, den Planungsingenieuren, Vertretern der Stadt Kassel und der Gemeinde Habichtswald und der Baufirma Schnittger nun den Abschluss der Renaturierungsarbeiten und die offizielle Übergabe an Hessen-Forst: Innerhalb eines Jahres sind Militärgebäude und Betonbauwerke abgerissen und entsorgt, Keller verfüllt, Schießstände und Kugelfänge abgebaut worden. Stattdessen hat die für die Abwicklung der alten Bundeswehrstandorte zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) mit fachlicher Unterstützung des Regierungspräsidiums und von Hessen-Forst Feucht- und Felsbiotope angelegt. Das habe den Bund 400 000 Euro gekostet, teilte Joachim Schräder von der BIMA auf Anfrage mit.

Wo bis 2008 Panzer rollten, tummeln sich jetzt der Kammmolch und andere Amphibien auf Wasserflächen und in den Nischen des aufgeschütteten Basaltbruchs. Sogar die Ringelnatter habe man schon gesichtet, sagte Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen. Auf dem Gelände der ehemaligen Schießanlage hat Hessen-Forst bereits - unter anderem mit Spenden der Stadt Kassel - 2000 Erlen angepflanzt, weitere 4000 sollen folgen. In fünf Jahren werden Douglasien gepflanzt. Alles soll dann wieder so aussehen wie vor 50 Jahren, als die Bundeswehr das 210 Hektar große Waldstück von der damaligen Gemeinde Ehlen übernahm.

Die Renaturierung des Standortübungsplatzes biete Chancen für Fauna und Flora genauso wie für die Menschen, sagte Michael Gerst, Leiter von Hessen-Forst. Das Hohe Gras sei Ausgangspunkt für viele Erholungssuchende. „Alle werden profitieren“, erklärte er. Kassels Stadtrat Martin Engels (CDU) und Habichtswalds Bürgermeister Thomas Raue kündigten an, man werde in Zusammenarbeit mit dem Landkreis versuchen, dieses Gebiet touristisch weiter zu entwickeln. (pdi)

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