Nach Messerattacke keine Spur vom Täter

Situation am Kasseler Stern: "Probleme gibt es schon lange"

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Im Brennpunkt der Kiminalität. Der Stern. Anlieger wie Dr. Ordu hoffen, dass sich die Situation mit einer klugen Stadtpolitik verbessern lässt. Gleichwohl seien auch mehr Kontrollen durch die Polizei nötig. 

Kassel. Der Kasseler Stern – das neue kriminelle Zentrum? Dr. med. Arif Ordu sieht das anders. Wir haben mit dem Chef des Zentrums Ärzte am Stern über die Situation gesprochen.

Herr Dr. Ordu, was ist los am Stern?

Dr. Arif Ordu: Der Stern ist der belebteste, urbanste Platz in Kassel. Es ist ein ganz lebendiger Platz. Hier fahren Straßenbahnen lang, hier gehen Tausende jeden Tag zu den Ärzten oder einkaufen, es gibt ein Nebeneinander von Deutschen und Ausländern, Kriminalität und Behörden.

Und es gibt Probleme.

Ordu: Die gibt es schon lange. Vor drei Jahren gab es wegen des Sterns schon mal eine große Besprechung mit Polizei, Geschäftsleuten und IHK. Da machte die Polizei deutlich, dass man die Kriminalität lieber am Stern konzentriert habe, als sie zu anderen Plätzen ausufern zu lassen. Aber vielleicht habe ich das ja auch wegen mangelnder Sprachkenntnisse falsch verstanden.

Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.

Ordu: Es kamen in den letzten Jahren viele Einwanderer nach Deutschland. Die tauchen nicht am Brasselsberg auf, die suchen sich solche Plätze wie den Stern. Und manche löffeln brav ihre Linsensuppe, andere wollen ans große Geld.

Was muss getan werden?

Ordu: Wir brauchen ein politisches Startsignal: Wir bekennen uns zu dem Platz. Natürlich muss es mehr polizeiliche Kontrollen geben, aber wir müssen uns vor allem um die hier lebenden und arbeitenden Menschen kümmern, ihnen sagen: Wir lassen Euch nicht allein.

Das klingt ein bisschen theoretisch.

Ordu: Es geht darum, ein Bewusstsein zu erzeugen: Wir sind zwar nicht alle Deutsche, aber alle Kasseler. Auch die, die am Stern leben und arbeiten. Und schließlich gibt es hier bald auch Perlen wie das Fraunhofer-Institut am Hauptbahnhof und das documenta-Archiv am Holländischen Platz. Davon könnte das ganze Quatier profitieren. Das wäre dann eine kluge Stadtpolitik.

Zur Person

Dr. Arif B. Ordu (60) war früher Landarzt im Schwalm-Eder-Kreis, 2001 kam er dann nach Kassel. Am Stern praktiziert er seit 2009, im April 2014 eröffnete dort das Medizinische Versorgungszentrum „Ärzte am Stern“. Dr. Ordu ist Geschäftsführender Gesellschafter des Ärztezentrums. Er arbeitet dort außerdem neben zahlreichen anderen Ärzten als Allgemeinmediziner. Nebenbei ist er in vielen Organisationen aktiv, unter anderem im Business Network, dem früheren Türkischen Unternehmer Verein. Dr. Ordu ist verheiratet und hat drei Kinder.

Noch gibt es keine Spur vom Täter

Nach der erneuten Messerattacke in der Jägerstraße am Sonntagnachmittag ist die Polizei weiter auf der Suche nach dem Täter. Wie berichtet, war ein 32-Jähriger türkischer Herkunft im Bereich des Parkhauses an der Jägerstraße mit mehreren Messerstichen verletzt worden.

Zu Hintergründen haben die Ermittler noch keine gesicherten Erkenntnisse. Es spreche aber alles für eine Tat „im kriminellen Milieu“, sagte Polizeisprecher Torsten Werner. Möglicherweise sei ein Streit eskaliert. Einen direkten Zusammenhang zu dem Fall vom Wochenende zuvor gebe es nach den bisherigen Erkenntnissen nicht.

Unterdessen fordern viele Geschäftsleute aus dem Quartier am Stern ein härteres Durchgreifen von Stadt und Polizei. Drogengeschäft und Drogenhandel seien dort an der Tagesordnung, berichten viele Anlieger. Gegnerische Drogenbanden würden sich gegenseitig das Revier streitig machen. Die Zustände hätten sich in den vergangenen Monaten spürbar verschlimmert, heißt es.

Zu den Gerüchten um rivalisierende Banden wollte die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nichts sagen. Man habe aber ein besonderes Augenmerk auf Bereich um Stern und Jägerstraße, so Polizeisprecher Werner. Man werde die zuletzt bereits intensivierten Kontrollen weiter aufrechterhalten. 

Nach den beiden ersten Taten haben wir uns in dieser Gegend der Kasseler Innenstadt umgeschaut und mit Anliegern gesprochen.

Hier der Artikel dazu

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