Schlechte Karten bei der Jugend

"Das Interesse fehlt": Kasseler Skat-Vereine klagen über Nachwuchsmangel

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Er hat ein gutes Blatt auf der Hand: Roland Skwarski, Vorsitzender des Skatclubs „Aue-Buben“, hat Glück mit den Karten. Sorgen bereitet ihm stattdessen die fehlende Jugend im Verein.

Skatvereinen in Kassel fehlt der Nachwuchs: Ein Problem, das nicht erst seit Kurzem auch bei der Internationalen Dachorganisation ISPA bekannt ist.

Skatvereinen fehlt der Nachwuchs. Ein Problem, das nicht nur die Kasseler Skatclubs „Aue-Buben“ und „Herkules-Buben“ betrifft, sondern auch der Internationalen Dachorganisation aller organisierten Skatspieler (ISPA) Sorgen bereitet. „Skat ist rückläufig, das ist so“, sagt Karl-Heinz Apel, Ligaausschussvorsitzender und Leiter der ISPA-Gruppe Mitte. Mit seinen 65 Jahren gehört er in seinem Verein in Frielendorf zu den Jüngsten.

Ähnlich sieht das auch Roland Skwarski, Vorsitzender des Skatclubs „Aue-Buben 92“. „Das Interesse fehlt. Jugendliche haben einfach was anderes im Kopf“, begründet der Vorsitzende den fehlenden Nachwuchs in den Vereinen. Auslöser seien für ihn Computerspiele, berufliche Gründe sowie Berührungsängste mit anderen Menschen. Allgemein sehe er die Tendenz, dass die gesellige Runde von der Online-Welt abgelöst wird.

Beim Skat kommen alle Generationen zusammen

Für Skwarski zählen auch Berührungsängste mit anderen Menschen oder der Respekt vor den älteren und erfahrenen Spielern dazu, dass sich heutzutage nur noch selten ein Jugendlicher zum Skatspielen an den gemeinsamen Tisch setzt. Denn beim Skat kann auch ein 14-Jähriger mit einem 80-Jährigen spielen. „Hier wird nicht nach Alter getrennt wie in anderen Sportarten“, sagt Apel.

Nachwuchssorgen – ein Problem, was dem Skat nicht erst seit Kurzem bekannt ist. Doch auch Aktionen, die dem entgegensetzen wollen, sind nicht von Erfolg gekrönt. „Kooperationen – beispielsweise mit Schulen – werden nicht so angenommen, wie wir uns das erhofft hatten“, sagt Apel. „Wir kündigen es an, aber die Jugend kommt gar nicht erst.“

Skatspielen am Computer ist für die Jugend interessanter

Grund sei für ihn auch, dass einem im Internet viel mehr Möglichkeiten geboten werden – denn Skat wird auch auf vielen Online-Portalen angeboten. Wenn es dabei nicht so läuft wie erhofft, dann wird der PC einfach ausgemacht – das geht im realen Spiel eben nicht. „Vor Ort müssen sie fertig spielen und das Ärgernis aushalten“, sagt Claudia Glagow, Vorsitzende der Herkules-Buben. Gewisse Grundkenntnisse sollten dem Spieler beim Skat schon bekannt sein. „Das geht nicht aus dem Stegreif“, sagt der Kasseler Skwarski. Das können Interessierte bei Übungsabenden aber schnell erlernen: „Einfach mal vorbeikommen und mitspielen.“ Interessierte können donnerstags ab 18.30 Uhr an den Übungsabenden im Lokal „Zum Langen Feld“ teilnehmen.

„Wir müssen die Leute animieren, zum Preisskat zu kommen“, sagt Skwarski. Den Anfang machen die „Aue-Buben“ heute mit ihrem großen Skatturnier. Ab 11 Uhr spielen sie im Lokal „Zum Langen Feld“ in Kassel-Niederzwehren ihren Sieger aus. Auf ihn wartet dann eine zweiwöchige Reise nach Kroatien.

Das Spiel beginnt mit dem Reizen

Im thüringischen Altenburg soll Skat im Jahr 1813 zum ersten Mal gespielt worden sein. Der Begriff stammt vom italienischen Wort scartare: wegwerfen oder ablegen. Das Spiel besteht aus 32 Karten in vier Farben – angefangen bei den Siebenen bis hin zu den Assen. Jeder Spieler bekommt zehn Karten, zwei Karten werden als Skat gelegt. Das Spiel beginnt mit dem Reizen, dem Nennen von Zahlen, die bestimmte Spiele bedeuten. Danach erhält ein Spieler die beiden Skatkarten und kann dafür zwei Schlechtere weglegen. Um zu gewinnen, muss er mindestens 61 Punkte machen.

In Deutschland wird in sechs Gruppen gespielt – Nord, Ost, Süd, West, Süd-West und Mitte. In der Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse, besteht jede Gruppe aus 16 Mannschaften. Die vier besten Teams jeder Gruppe spielen am Ende einer Saison um die Deutsche Meisterschaft. Beim Skat wird immer auf deutsch gespielt – auch bei Welt- und Europameisterschaften.

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