Skepsis an der Tankstelle: Mehrheit der Autofahrer meidet Bio-Sprit E10

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Aufklärungsarbeit: Pächterin Mandy Adler verkauft an der Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße seit vorgestern E10. Ein Zettel weist die Kunden auf den neuen Kraftstoff hin.

Kassel. Die Autofahrer sind verunsichert. Nicht alle Wagen vertragen den neuen Super-Kraftstoff E10, deshalb greifen viele weiter zum konventionellen Super - oder zum teureren Super Plus, wenn das die einzige Alternative ist. Auch an Kassels Zapfsäulen zeigt sich dieser Trend.

Dabei ist E10, dem bis zu zehn Prozent Bioethanol beigemischt sind, in Kassel bisher kaum erhältlich. Aral habe die Einführung verschoben, sagte Sprecherin Stefanie Hansen. Shell hält derweil an seinem Ziel fest, den Biosprit bis Ende März flächendeckend anzubieten - „also auch in Kassel“, sagte Shell-Sprecherin Cornelia Wolber gestern auf Anfrage.

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Die Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße verkauft den Kraftstoff seit Donnerstag. „Wir hatten gerade das Schild angebracht, da kam die Nachricht, dass die Konzerne die Einführung verschieben“, sagt Pächterin Mandy Adler. 

Die Verkaufszahlen am ersten Tag zeigen deutlich, was die Autofahrer vom neuen Kraftstoff halten: Sie ließen den konventionellen Kraftstoff Super/Super Plus, der lediglich fünf Prozent Bioethanol enthält, mehr als doppelt so oft in den Tank laufen wie das neue E10. Und zahlten dafür acht Cent mehr pro Liter.

„Viele Leute wissen nicht, ob sie E10 tanken können“, sagt Adler, „ich weiß es nicht mal selbst“. Sie hat in ihrer Tankstelle eine Liste ausliegen, welche Autos den Biosprit vertragen. „Wir wollen informieren, aber wir können nicht die Verantwortung übernehmen“, sagt die Pächterin.

Die Jet-Tankstellen in Niederzwehren und Niestetal waren die ersten, die den neuen Kraftstoff in Kassel angeboten haben. Dort gibt es parallel auch noch das alte Super, sogar zum gleichen Preis. Kunde Michael Hupperich aus Niestetal greift gezielt zum alten Super. Weil er früher schon einmal Versuche mit Ethanol gemacht hat, weiß der Niestetaler, dass die Motorelektronik seines zehn Jahre alten BMW nicht mit dem Kraftstoff zurechtkommt.

Andere Tankstellen haben bereits E10 an Zapfsäulen und Anzeigen stehen, der Kraftstoff ist aber noch nicht verfügbar. „Wir verkaufen ihn ab 15. März“, sagt Birgit Kurz von der BFT an der Erzbergerstraße. Auch bei der Metro-Tankstelle in Waldau läuft noch Super aus dem E10-Tankstutzen. „Viele Kunden haben schon gesagt, dass sie bei Super bleiben“, sagt Mitarbeiterin Bettina Turck: „Die Leute sind skeptisch.“

Helmut Zufall kann die Aufregung wegen fünf Prozent mehr Bioethanol im Sprit nicht verstehen. An seiner Tankstelle in Bettenhausen verkauft er seit vier Jahren Sprit mit einem Anteil von 85 Prozent Bioethanol. Bei einem Preis von derzeit 106,9 Cent biete es sogar mehr Leistung als Super Plus.

Er selbst tanke je zur Hälfte Super und Bioethanol. Sein Mercedes verkrafte das problemlos, auch wenn der Händler das nicht dachte. „In Südamerika tanken sie nur Ethanol“, sagt Zufall.

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