Landgericht: Auftakt im Verfahren um Zwangsprostitution von Bulgarinnen

Kassel. Er soll Frauen gekauft und geschlagen haben, damit sie für ihn anschaffen gehen. Deshalb sitzt ein 31-Jähriger seit Dienstag auf der Anklagebank des Landgerichts. Dort schwieg er am ersten Prozesstag, sein Verteidiger kündigte für einen der nächsten Prozesstage eine Erklärung an.

Die 27-jährige Helferin des Angeklagten war am Montag redseliger.

Den beiden wird vorgeworfen, zwischen Oktober vergangen Jahres und April dieses Jahres vier Frauen aus Bulgarien in einem Haus in der Schützenstraße zur Prostitution gezwungen zu haben. Eine von ihnen soll wie auf dem Sklavenmarkt für 7000 Euro „gekauft“ worden sein. Der 31-Jährige verlangte von ihr laut Anklage pro Tag 1200 Euro ihres Dirnenlohns sowie zusätzlich 180 Euro für Kost und Logis.

Sie soll mit Fußtritten und Schlägen gefügig gemacht worden sein. Sie verdiente dann lediglich 150 Euro am Tag, das meiste davon ging an den Zuhälter. Einer anderen Frau war zunächst angeboten worden, sie könne in dem Bordell arbeiten und müsse lediglich 75 Euro Tagesmiete für den Raum sowie die Hälfte ihrer Einnahmen abliefern. Am Ende, so der Vorwurf, habe sie alles abgeben müssen. Eine Prostituierte soll zweimal aus dem Haus geflohen und von dem 31-Jährigen zurückgebracht worden sein, die Polizei befreite sie dann.

Die 27-jährige Komplizin gestand am Montag, dass sie das Geld von den Frauen kassiert und an den 31-Jährigen weitergegeben hat. Insgesamt sollen so rund 53 000 Euro zusammengekommen sein. „Ich bereue es zutiefst, das war nicht richtig“, sagte die Frau vor Gericht. Sie war vor zwei Jahren aus Rumänien nach Deutschland gekommen und als Prostituierte in dem Haus in der Schützenstraße gelandet. Dort hatte sie den 31-jährigen Pakistani – verheiratet und Vater dreier Kinder – als Kunden kennengelernt. Aus einer anfänglichen Freundschaft sei eine Beziehung geworden, gemeinsam hätten sie Zukunftspläne geschmiedet, dazu hätten sie „Startkapital“ gebraucht, deshalb die Geschäfte mit dem Bordell. Die beiden bauten ein Geschäft für Sportnahrung auf. Das Glück schien vollkommen. Zwei Monate nachdem der Laden eröffnet war, wurde der 31-Jährige festgenommen. Die Beziehung ist inzwischen beendet.

Die 27-Jährige bestätigte, dass der Zuhälter Frauen in dem Bordell geschlagen hat, unter anderem weil sie das Haus verlassen und die Haustür nicht geschlossen haben. Sie hat, so gab sie zu, dann eine der Prostituierten dazu überredet, die Folgen einer Misshandlung kurz vor einer Polizeikontrolle mit Schminke zu übertünchen.

In dem Bordell wurde nach den Angaben der 27-Jährigen nach „Zeittarif“ abgerechnet: 15 Minuten kosteten 30 Euro, eine Stunde war für hundert Euro zu haben. Für Sonderwünsche wurde ein Aufschlag berechnet. Einige der bulgarischen Frauen hätten Sex ohne Kondom angeboten.

Am Montag wird der Prozess fortgesetzt, dann sollen auch Betroffene als Zeuginnen gehört werden.

Von Ralf Pasch

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