Bei Skoliose lässt sich Wirbelsäule mit Physiotherapie wieder aufrichten

Skoliose: Verkrümmt und verdreht

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Das Foto zeigt die korrigierte Haltung während einer physiotherapeutischen Übung.

Bei meiner siebenjährigen Tochter wurde eine Skoliose festgestellt. Wie wird die Erkrankung therapiert? Muss meine Tochter ein Korsett tragen? Kann die Verkrümmung der Wirbelsäule korrigiert werden?“, fragt eine Leserin aus Kassel .

Antworten haben die Physiotherapeutinnen Stefanie Brand und Stefanie Mülders aus Kassel.

Wird eine Skoliose (siehe Hintergrund) frühzeitig festgestellt und behandelt, kann die Verkrümmung laut den Physiotherapeutinnen in der Regel korrigiert werden. „Kinder haben noch ein relativ weiches und formbares Skelett“, erklärt Mülders. Bei ausgewachsenen Menschen sei eine Korrektur hingegen schwierig. „Meistens kann bei Erwachsenen nur noch ein Fortschreiten der Verkrümmung verhindert werden“, sagt Brand.

Als Maß für die Beurteilung der Skoliose dient der sogenannte Cobb-Winkel, benannt nach dem US-amerikanischen Chirurgen und Orthopäden John Robert Cobb. Mülders und Brand zufolge sind Fehlhaltungen bis zehn Grad Cobb (Seitabweichung) nicht therapiebedürftig. Beginnende Skoliosen ab zehn bis 20 Grad werden mit physiotherapeutischen Übungen behandelt. Ab 20 Grad ist zusätzlich das Tragen eines speziell angepassten Korsetts notwendig. Bei Skoliosen ab 40 Grad Cobb kann eine Operation angezeigt sein.

„Bei der Therapie ist ein enges Zusammenspiel zwischen Arzt, Therapeut, Eltern und Kind notwendig“, betont Mülders. Gerade für die Behandlung von Kindern sei die Skoliosetherapie nach Katharina Schroth besonders effektiv und weit verbreitet.

Die Therapie besteht aus einem System von speziellen krankengymnastischen Übungen, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Die Übungen müssen von den Patienten erlernt und regelmäßig zu Hause weitergeführt werden. „Deshalb ist gerade bei Kindern auch die Einbeziehung der Eltern so wichtig“, sagt Brand.

Beträgt die Fehlhaltung mehr als 20 Grad Cobb, müssen die Patienten zu Beginn der Therapie 23 Stunden, später 16 Stunden pro Tag zusätzlich ein Korsett tragen. Je nach Ausprägung der Skoliose ist das Tragen des Korsetts durchschnittlich zwischen zwei und fünf Jahren notwendig.

„Begleitet wird die Therapie durch regelmäßige ärztliche Kontrollen“, sagt Mülders. Zudem finde ein enger Austausch zwischen Arzt und Therapeut statt. Diagnostiziert werden kann eine Skoliose beispielsweise durch Röntgenaufnahmen und Formetrik-Verfahren, die dreidimensionale Aufnahmen der Wirbelsäule ohne Strahlenbelastung liefern. „Wichtig ist, dass die gesamte Wirbelsäule aufgenommen wird“, sagt Brand. Die meisten Skoliosen verursachen laut den Physiotherapeutinnen keine Schmerzen. Eine kritische Phase ist die Pubertät. Skoliosen können sich dann durch Wachstumsschübe in kurzer Zeit verschlimmern. Außerdem ist das Schamgefühl in dieser Zeit sehr ausgeprägt, die Jugendlichen verbergen häufig ihren Körper, was es Eltern erschwert, Fehlhaltungen zu erkennen. Skoliosen können sich auf den ganzen Körper auswirken bis hin zur Einengung von Organen wie Herz und Lunge.

Hintergrund

Stefanie Brand (41) und Stefanie Mülders (40) gründeten im Jahr 2000 das Physio-Therapie Zentrum an der Brückenhofstraße 60a in Kassel. Beide absolvierten 1994 ihr Physiotherapie-Examen, Mülders machte zusätzlich ein Psychotherapie-Studium (2006-2009). Schwerpunkte der Praxis sind die Skoliosetherapie nach Katharina Schroth und die Behandlung von Kiefergelenksfehlfunktionen. Während Mülders ausgebildete Schroth-Therapeutin ist, ist Brand auf die Vojta-Therapie spezialisiert, die ebenfalls zur Behandlung einer Skoliose eingesetzt wird, oft in Kombination mit der Schroth-Therapie. (mkx)

Zum Tag der Rückengesundheit am Freitag , 15. März, bieten sie von 10 bis 18 Uhr im Physio-Therapie Zentrum Vorträge und Aktionen rund um das Thema Rückengesundheit an.

Von Mirko Konrad

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