Nur die Topspiele sind noch gut besucht

Trotz steigender Kosten: Kasseler Sky-Bars zeigen weiter Fußball-Bundesliga

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Würde bei einer Preiserhöhung das Sky-Abo kündigen: Der 46-jährige Hakan Duman, der gemeinsam mit seiner Frau die Xallo Bar in der Friedrich-Ebert-Straße betreibt.

Kassel. Der Bezahlsender Sky plant zur neuen Bundesliga zwar keine allgemeine Preisanpassung, doch viele Kneipiers müssen trotzdem mehr für Live-Fußball zahlen. Wir haben mit Kasseler Gastronomen gesprochen.

Wer als Gastronom seinen Kunden Live-Fußball bieten will, muss mitunter tief in die Tasche greifen. Die Tarife für Kneipiers und Restaurantbesitzer des Bezahlsenders Sky, der für die kommende Saison die Rechte an den Freitagsspielen der Fußball-Bundesliga sowie an einigen Sonntags- und Montagspartien an Eurosport verloren hat, sind in den vergangenen Jahren stetig und teils drastisch gestiegen. Wir haben Gastronomen aus Kassel gefragt, wie sie auf die Preiserhöhungen reagieren.

Preise steigen im September

Zum Start der neuen Saison teilte Sky mit, trotz gestiegener Lizenzkosten keine allgemeine Preisanpassung vorzunehmen. In Einzelfällen kommt es für Kneipiers – je nach Vertragsmodalitäten – trotzdem zu Erhöhungen. Das werde viele Wirte dazu veranlassen, ihr Abo zu kündigen, glaubt Dirk van der Werf, Mitinhaber von Joe’s Garage in der Friedrich-Ebert-Straße. Momentan zahlen van der Werf und sein Kollege Carsten Bischoff rund 800 Euro pro Monat für Live-Fußball. Ab September wird der Preis auf rund 900 Euro steigen. „Die Erhöhungen wirken willkürlich“, sagt van der Werf.

Lokalgröße spielt eine Rolle beim Preis

Doch wie wird der Abopreis für die einzelnen Gaststätten eigentlich festgelegt? Wie der Sender erklärt, spielen neben der Größe der Räumlichkeiten auch verschiedene strukturelle Faktoren eine Rolle.

Durch Stichproben werde analysiert, wie viele Leute wann wo wie oft Fußball schauten und wie viel sie dabei verzehrten. Je näher eine Gaststätte an einem fußballbegeisterten Zentrum liege, desto eher sei von regem Andrang auszugehen, wodurch das Abo teurer würde. Sprich: In München kostet Sky den Kneipier deutlich mehr als in Bad Harzburg. Die Preisspanne liegt zwischen 135 und 1219 Euro im Monat.

Zahlen werden Bischoff und van der Werf den Preis trotzdem, denn: „Noch lohnt es sich.“ Aber die Betreiber merken: „Voll wird es nur noch bei Bayern gegen Dortmund – und auch da nicht mehr so wie früher.“

Nur noch bei Topspielen ist es voll

Diesen Eindruck bestätigt Hakan Duman, der mit seiner Frau Zehra die Xallo Bar in der Friedrich-Ebert-Straße betreibt. Gerade die 15.30-Uhr-Konferenz am Samstag sei schlecht besucht. Noch haben die Dumans keine Mitteilung über eine Erhöhung erhalten. In diesem Fall würden sie aber sofort kündigen. So wie vor zwei Jahren, als die Xallo Bar noch am Königstor war und die Dumans 1000 Euro pro Monat für ihr Abo zahlten. Als sie im vergangenen Jahr am neuen Standort wiedereröffneten, machte Sky ihnen ein Angebot über 300 Euro im Monat. Der Grund: Der Sender stufte die Xallo Bar inzwischen nicht mehr als Kneipe, sondern als Restaurant ein, für die es deutlich günstigere Tarife gibt.

Weiter Fußball im Fiasko trotz Kündigung

Sein Sky-Abo gekündigt hat hingegen Oliver Kurzweil, Inhaber des Fiasko in der Schönfelder Straße. Bei einer geplanten Erhöhung von 500 auf 700 Euro im Monat sei es „wirtschaftlich gesehen ein Wahnsinn, Sky weiter zu abonnieren“. Fußball wird es im Fiasko – zumindest in den kommenden zwölf Monaten – trotzdem geben. Denn nachdem Kurzweil gekündigt hatte, machte Sky ihm für diesen Zeitraum ein neues Angebot – über lediglich 290 Euro pro Monat.

Welche Spiele werden wo übertragen?

Durch die neue Vergabe der Übertragungsrechte und die neuen Anstoßzeiten in der Fußball-Bundesliga kann man leicht den Überblick verlieren, welche Spiele wann wo gezeigt werden. Bei Sky laufen weiterhin alle Samstagsspiele (15.30 Uhr und 18.30 Uhr). Außerdem hält der Sender weiterhin die Rechte an den Sonntagsspielen, die um 15.30 Uhr und 18 Uhr (früher 17.30 Uhr) angepfiffen werden. Die Freitagsspiele (20.30 Uhr) hingegen laufen nur noch beim Eurosport-Player, einem Online-Angebot des Senders Eurosport, das zurzeit für 29,99 Euro jährlich abonnierbar ist. Hier laufen außerdem fünf Sonntagsspiele (13.30 Uhr), fünf Montagsspiele (20.30 Uhr), die Relegationsspiele der 1., 2. und 3. Liga und der Supercup zwischen Dortmund und Bayern am 5. August (20.30 Uhr).

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