Niestetaler fallen auf 13 Prozent

Solartechnik-Hersteller SMA: Spitzenposition in Gefahr

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Schleppende Geschäfte: Der Solartechnik-Hersteller SMA hat derzeit mit Umsatzrückgängen und Verlusten zu kämpfen.

Niestetal / Kassel. Vor Jahren haben die Chinesen den europäischen Markt mit staatlich subventionierten Billigmodulen geflutet und binnen kürzester Zeit große Teile der erst jungen deutschen Solarindustrie in den Ruin getrieben. Der Niestetaler Solartechnik-Hersteller SMA blieb davon zunächst verschont.

Der Grund: Zu jener Zeit gab es kaum Konkurrenz - Wechselrichter aus Fernost und die Wettbewerber in Europa und den USA hinkten technologisch hinterher. Doch das ist vorbei.

Zum einen hat der US-Hersteller Power One auch mithilfe seiner neuen, finanzstarken Mutter ABB, eines schweizerischen Elektrokonzerns, technisch kräftig aufgeholt. Zum anderen spielt die Solarmarkt-Musik längst in Asien. Während die vor allem für SMA nach wie vor wichtigen europäischen Märkte von 2010 bis 2013 in Summe um ein Drittel einbrachen und das Nordamerika-Geschäft von niedrigem Niveau um 179 Prozent zulegte, explodierte der asiatische Mark förmlich. Die installierte Leistung versiebenfachte sich in jenem Zeitraum nahezu auf fast 24,8 Gigawatt, was 25 herkömmlichen Großkraftwerken entspricht.

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Damit wurden im vergangenen Jahr fast zwei Drittel der weltweit produzierten Solarleistung in Fernost installiert – vor allem in China und Japan. Und beide Länder machen das lukrative Geschäft mit Wechselrichtern lieber selbst. Im vergangenen Jahr schafften es hierzulande weitgehend unbekannte Hersteller wie Omron, TMEIC und Tabucchi aus Japan sowie Sungrow aus China in die Top Ten des bislang von Europa und den USA dominierten Wechselrichter-Marktes. Zwar ist SMA mit einem Anteil von 13 Prozent noch immer Weltmarktführer. Aber die Konkurrenz sitzt den Niestetalern im Nacken – sowohl Power One als auch jene aus Fernost. Vermutlich wird SMA in diesem Jahr schon vom ersten Platz verdrängt.

Zur Erinnerung: Im Solarboom-Jahr 2010, als SMA 1,9 Milliarden Euro umsetzte, unterm Strich 365 Millionen Euro verdiente und seine Wechselrichter wegen der hohen Nachfrage wie in der Planwirtschaft zuteilte, lag der Weltmarktanteil der Nordhessen bei über 60 Prozent. Um einen höheren Weltmarktanteil zu erlangen, müsste SMA eine sehr viel stärkere Präsenz in Fernost aufbauen. Zwar hat das TecDax-Unternehmen mit dem Ende 2012 getätigten Zukauf von Zeversolar in China einen Fuß in den potenziell größten Solartechnik-Markt der Welt gesetzt. Bisher hat das Unternehmen aber Millionen für Restrukturierungskosten verschlungen, ohne einen signifikanten Marktanteil im Reich der Mitte zu erlangen.

In Japan hat SMA den größten Solarpark der Insel mit Wechselrichtern bestückt. Aber es ist klar, dass sich die elektronik-verliebten und den Deutschen in technologischer Hinsicht ebenbürtigen Japaner den Boom-Markt der Zukunft nicht von SMA oder anderen Ausländern streitig machen lassen werden.

Für die Niestetaler wird es also nicht leichter, zumal ein Wiederanziehen der Nachfrage im Inland und auf den wichtigen europäischen Märkten derzeit nicht absehbar ist. Und selbst wenn sie es tut, werden künftig fernöstliche Anbieter mitmischen.

Von José Pinto

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