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„Es kostet sehr viel Kraft“: So geht es Menschen in Kassel, die bei über 30 Grad draußen arbeiten müssen

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Von: Amir Selim

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An der Sandershäuser Straße: (von links) Hussein Nasir, Enrico Arnold und Plako Filat lackieren eine Fassade.
An der Sandershäuser Straße: (von links) Hussein Nasir, Enrico Arnold und Plako Filat lackieren eine Fassade. © Amir Selim

Trotz der heißen Temperaturen am gestrigen Tag mussten viele im Freien arbeiten. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Kassel – Wer die Wahl hat, wird bei den aktuellen Temperaturen wohl lieber im Homeoffice oder dem gekühlten Büro sitzen. Andere haben diesen Luxus nicht – sie müssen bei der Hitze im Freien arbeiten. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Hussein Nasir, Enrico Arnold und Plako Filat arbeiten an der Sandershäuser Straße an der Fassade eines Autohauses. Es gebe dort zumindest ein bisschen Wind, berichtet Arnold. Aufgrund der Hitze haben sie mehr Getränke eingepackt. „Der Chef kauft Wasser ein“, sagt Arnold. Außerdem gebe es einen Punkt an dem sie aufhören können, zu arbeiten: „Wenn das Wetter unerträglich wird“. Die Auswirkungen der Hitze spüren die drei Männer beim Arbeiten. „Natürlich arbeitet man langsamer.“ Es komme auch vor, dass sie nach zwei Stunden in der Hitze eine Viertelstunde im Schatten verbringen.

Neben der Wasserversorgung gelte es, sich auch vor Sonnenbrand zu schützen. Er habe schon mal einen dreifachen Sonnenbrand gehabt und deshalb mit Jacke im Hochsommer arbeiten müssen, sagt Arnold. „Ansonsten sticht jeder Sonnenstrahl.“

Allein in der Hitze: Ramin Anwari mit seinem Coffee Bike am Friedrichsplatz. Durch die Hitze habe er weniger Gäste als üblich, sagt er.
Allein in der Hitze: Ramin Anwari mit seinem Coffee Bike am Friedrichsplatz. Durch die Hitze habe er weniger Gäste als üblich, sagt er. © Amir Selim

Die Hitze spürt auch Ramin Anwari. Dieser war mit dem Coffee-Bike am Friedrichsplatz. „Die Hitze ist nicht so angenehm“, sagt er. Zur Abkühlung kann er sich Getränke aus dem Kühlschrank nehmen, die er auch verkauft. Auswirkungen gebe es auch bei den Besuchern. „Wir haben weniger Gäste“, sagt Anwari. Die Leute hätten bei der Hitze eben keine Lust auf heiße Getränke.

Hat eine Lösung bei der Hitze: Nikolai Myschev geht in der Fulda schwimmen.
Hat eine Lösung bei der Hitze: Nikolai Myschev geht in der Fulda schwimmen. © Amir Selim

Straßenmusiker Nikolai Myschev hat eine ganz praktische Lösung, um sich abzukühlen: „Ich gehe in der Fulda schwimmen“, sagt er. Aber auch er merkt an, dass bei Hitze weniger Menschen da sind, die seiner Musik lauschen können. „Es kostet sehr viel Kraft“, sagt Lucas Klare, der im Café Alex am Friedrichsplatz kellnert.

Die Schürze dürften die Mitarbeiter bei extremen Temperaturen abnehmen. Der Stress nehme in der Hitze aber zu: „Die Gäste sind ungeduldiger“, sagt Klare. Verständnis bezüglich der heißen Temperaturen zeigten leider nur wenige Gäste, sagt er. (Amir Selim)

Tipps bei der Hitze

Wer trotz der Hitze draußen arbeiten muss, der sollte sich entsprechend schützen. „Keiner sollte die hohe UV-Strahlung auf die leichte Schulter nehmen. Sie kann zu dauerhaften Schäden auf der Haut bis hin zu Krebs führen“, sagt IG-Bau-Bezirksvorsitzender Klaus Michalak. Folgende Maßnahmen empfiehlt die Gewerkschaft:

- Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50, denn „ständige UV-Einstrahlung schädigt die Haut, schon lange bevor sich ein Sonnenbrand bemerkbar macht, so Michalak. Menschen mit hellem Hauttyp hätten ein besonders hohes Krebsrisiko.

- Regelmäßiges Trinken ist wichtig.

- Zwischen 12 und 14 Uhr sollte der Großteil der Arbeiten in den Schatten verlegt werden.

- Möglichst viele Körperteile mit Kleidung bedecken. Ein Nackenschutz, der an Kopfbedeckungen, wie Helmen, angebracht wird, bringe viel, sagt der Bezirksvorsitzende.

Extreme Hitzetage, Stürme oder Starkregen lassen aber laut IG Bau auch manchmal gar keine Arbeit im Freien zu. (ams)

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