documenta unterstützt Wiederaufforstungsprojekte

documenta und Nachhaltigkeits-Euro: So kämpft die Kunstschau fürs Klima

Wie hier in der Nähe von Melsungen sieht es in vielen nordhessischen Wäldern aus: Der Nachhaltigkeits-Euro der documenta kommt auch der Aufforstung im Reinhardswald zugute.
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Wie hier in der Nähe von Melsungen sieht es in vielen nordhessischen Wäldern aus: Der Nachhaltigkeits-Euro der documenta kommt auch der Aufforstung im Reinhardswald zugute.

Mit einem Nachhaltigkeits-Euro unterstützt die documenta Wiederaufforstungsprojekte. Auch sonst will die documenta fifteen nachhaltiger sein als ihre Vorgänger.

Kassel – Einen ganzen Tag lang beschäftigt sich die documenta an diesem Freitag im Ruruhaus in der Kasseler Innenstadt mit dem Thema Nachhaltigkeit. Bei dem Podiumsgespräch wird unter anderem der Nachhaltigkeits-Euro vorgestellt, mit dem die Kunstschau Aufforstungsprojekte unterstützt. Der indonesische Titel der Veranstaltung „urun rembuk“ bedeutet „gemeinsam etwas erreichen“. Was hat es damit auf sich?

Der Euro

Auch fast acht Monate vor Eröffnung der documenta fifteen lässt sich sagen: So nachhaltig wie diesmal wollte noch keine Kasseler Kunstschau sein. Dafür steht auch der Nachhaltigkeits-Euro: Von jedem verkauften Tagesticket, das 27 Euro kostet, geht ein Euro an zwei Aufforstungsprojekte in Deutschland und Indonesien, der Heimat des Kollektivs Ruangrupa, das die documenta leitet.

In Deutschland kommt das Geld der Aufforstung im Reinhardswald zugute, der laut Michael Gerst von Hessen-Forst zuletzt „besonders getroffen“ wurde von Stürmen, Dürren und dem Borkenkäfer: „Nordhessen befindet sich im Epizentrum der Waldschäden. Die ziehen sich wie ein Band durch die Mitte Deutschlands.“ Mit dem Nachhaltigkeits-Euro unterstützt die documenta ganz konkret die Wiederaufforstung zwischen Beberbeck und der Sababurg. Bereits am 26. November sollen dort 600 Traubeneichen gepflanzt werden.

Auf Sumatra wird ein Öko-Projekt in Zusammenarbeit mit der Uni Göttingen und dem Kollektiv Rumah Budaya Sikukeluang gefördert. Die indonesischen Künstler zeigen bereits länger die Folgen der Umweltzerstörung auf. „Auf großen Flächen entstehen zum Beispiel auf Sumatra Palmölplantagen, die somit der lokalen Bevölkerung nicht mehr für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen“, sagt Andrea Linnenkohl, Koordinatorin der documenta fifteen.

Die Veranstaltung

Bei urun rembuk wird am Freitag auch Kunst von Teilnehmerinnen der nächsten documenta zu sehen sein, die aus ihrer jeweiligen Heimat zugeschaltet sind. Laut Linnenkohl beschäftigen sich alle Beiträge mit den ökologischen und sozialen Folgen von Umweltschäden: „Die gesellschaftlichen Folgen der Umweltzerstörung sind oft nicht so offensichtlich. Aber Ruangrupa will auch sie in den Fokus rücken.“ So zeigt die aus Usbekistan stammende Künstlerin Saodat Ismailova in einem Film, was das Verschwinden des Aralsees mit den Menschen macht.

Die Nachhaltigkeit

Die documenta ist ein globales Ereignis, zu dem Besucher aus der ganzen Welt reisen werden. Angesichts des Klimawandels stellt das die Organisatoren vor besondere Herausforderungen. Linnenkohl hat keine Antwort auf „die Frage, ob Kunst überhaupt nachhaltig sein kann“. Sie ist aber überzeugt, dass Kunst „eine Veränderung des Handelns hervorrufen kann, ohne dass den Menschen etwas oktroyiert wird“.

Dennoch versucht auch die documenta selbst, so nachhaltig wie möglich zu sein. Sie beteiligt sich etwa an einer Initiative für Materialkreisläufe, mit der sich Veranstalter gegenseitig Podeste, Wände und Materialien ausleihen, damit jeder weniger verbrauchen muss. „Wir arbeiten mit so vielen gebrauchten Materialien wie möglich“, sagt Linnenkohl.

Das Ruruhaus

Aus der ehemaligen Sport-Arena in der Treppenstraße haben Ruangrupa das Ruruhaus gemacht, eine Art Wohnzimmer zum „Nongkrong“, was auf Indonesisch „Abhängen“ bedeutet. Die Pandemie hat das lange unmöglich gemacht. Aber „Ruangrupa ist es nach wie vor wichtig, dass hier ein Austausch stattfindet“, versichert Linnenkohl. An diesem Freitag werden bis zu 100 Besucher im vielleicht größten Wohnzimmer Kassels erwartet.

Hinweis: Freitag, 10 bis 19 Uhr, im Ruruhaus, Obere Königsstraße 43. Es gibt noch Restplätze. Es gilt die 3G-Regel. Das komplette Programm: zu.hna.de/rembuk

(Matthias Lohr)

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