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KFZ-Hauptuntersuchung: So läuft die Prüfung durch den TÜV

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Von: Florian Hagemann

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Der Tüv schaut genau hin, ist aber in seinen Möglichkeiten beschränkt.
Der Tüv schaut genau hin, ist aber in seinen Möglichkeiten beschränkt. © Uwe Anspach/dpa

Der Prozess vor dem Landgericht Kassel sorgt derzeit für Aufsehen: Ein Autohändler aus Kassel soll Unfallautos aus den USA, die in Litauen repariert wurden, an Käufer in Deutschland vermittelt und sie über das wahre Ausmaß der Schäden getäuscht haben. Am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche trat auch ein Mitarbeiter des Tüvs aus dem niedersächsischen Northeim auf, wo die Autos zugelassen wurden.

Kassel - Seine Aussagen ließen aufhorchen. Er behauptete, dass es in Niedersachsen leichter sei, die Autos zuzulassen, dass Sachverständige mehr sicherheitstechnische Mängel als der Tüv feststellen und der Tüv auch nicht prüfen könne, ob beispielsweise ein Airbag nur mit einem Kabelbinder befestigt ist.

Stimmt das so? Zu dem aktuellen Verfahren will sich Uwe Herrmann vom Tüv Hessen nicht äußern. Der Leiter der Technischen Prüfstelle für den Kraftfahrzeugverkehr sagt aber generell, welche Aufgaben und Möglichkeiten der Tüv hat. Uwe Herrmann über ...

.   ... das Verfahren der Zulassung und den Erhalt der Genehmigung: „Es gibt in vielen Bereichen unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern. Nur mal ein Beispiel: In Baden-Württemberg etwa dürfen die Taxis auch schwarz sein, während sie in Hessen beige sein müssen. Solche Unterschiede gibt es auch bei der Zulassung, wobei natürlich die generellen Vorschriften einheitlich sind, wie ein Fahrzeug beschaffen sein muss und welche Werte es einhalten muss, um zugelassen zu werden. Aber innerhalb dieser Grenzen können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Von daher kann der Eindruck entstehen, dass es in einem Bundesland leichter ist, eine Zulassung zu bekommen als in dem anderen.“

. ... über die Aufgaben des Tüvs bei der Zulassung eines Fahrzeugs, das aus dem Ausland kommt: „Bei einer Begutachtung eines Fahrzeugs, das aus dem Ausland kommt und schon einmal zugelassen war, schauen wir im Rahmen der Begutachtung, ob das Fahrzeug den Vorschriften zum Zeitpunkt der Erstzulassung entspricht. Dabei wird, soweit möglich, auch die Funktion geprüft – also zum Beispiel, ob die Bremsen funktionieren. Zudem schaut der Tüv auch auf den Zustand – also darauf, ob die Leuchten und Reifen in Ordnung sind und ob diese den Vorschriften entsprechen. Nach der Tüv-Prüfung geht das Ganze dann zur Genehmigungsbehörde, die die Genehmigung erteilt, und anschließend zur Zulassungsstelle, die sich dort befindet, wo der Halter des Fahrzeugs seinen Wohnsitz hat. In Hessen sind Zulassungsstelle und Genehmigungsbehörde in der Regel getrennt, in anderen Bundesländern kann beides an einer Stelle sein.“

. ... die mögliche Annahme, dass Schadensgutachter bei der Begutachtung eines Fahrzeugs mehr in die Tiefe gehen als der Tüv bei einer Hauptuntersuchung: „Wir vom Tüv haben gewisse Prüfprozedere, die standardisiert sind. Die Schadensgutachter schauen sich meist einen speziellen Fall an und betrachten den in der Tiefe. Sie haben dann auch ganz andere Hilfsmittel und ihnen steht mehr Zeit zur Verfügung als uns. Das ist zum Beispiel auch die Krux bei den Airbags: Wir können anhand einer elektronischen Auslese schauen, ob der Airbag prinzipiell funktioniert. Was wir teilweise aber nicht prüfen können: ob uns einer veräppelt. Beim Airbag für den Beifahrer müssten wir zum Beispiel das ganze Armaturenbrett ausbauen, um zu schauen, ob alles korrekt ist. Da können wir leider oft nur auf die vorhandenen Kontrollleuchten und die Fehlerauslese zurückgreifen, da wir eine zerstörungs- und zerlegungsfreie Prüfung vornehmen.“

. ... über die Möglichkeit herauszufinden, ob es sich bei einem Fahrzeug um einen Unfallwagen handelt oder nicht. „In der Regel werden die Fahrzeuge so gut repariert, dass ein Schaden nicht zwangsweise auffällt. Wenn das Auto einst in den USA einen Unfall hatte, lässt sich das überwiegend über das Internet herausfinden. Bei vielen anderen Ländern wird das aber wegen des jeweiligen Datenschutzes unmöglich. Eine zentrale Stelle, die Unfälle an Autos erfasst, gibt es nicht. Wir können zwar alles untersuchen und prüfen, aber auch nicht immer feststellen, was in der Tiefe verbaut ist. Dem Ganzen sind leider Grenzen gesetzt.“

. ... über die eigentlichen Aufgaben des Tüvs bei einer Hauptuntersuchung: „Wir vergleichen zum Beispiel die Daten mit der Zulassungsbescheinigung, kontrollieren die Fahrgestellnummer, die Reifengrößen und andere verbaute Einrichtungen und schauen, ob sie der Norm und den Vorgaben entsprechen. Wir prüfen etwa die Schadstoffwerte, nehmen die Abgasuntersuchung vor, schauen, wie das Schadstoffverhalten ist und prüfen, ob die Beleuchtung funktioniert – ebenso wie die Sicherheitsgurte. Das geschieht alles nach einer bestimmten Richtlinie, der HU-Richtlinie, und weiteren gesetzlichen Vorgaben, in denen steht, was wir untersuchen müssen und was wir dürfen. Gibt es einen Mangel, wird dieser nach entsprechenden Kriterien eingestuft. Auch da gibt es klare Vorgaben, die in einem Mangelbaum festgehalten sind.“ (Florian Hagemann)

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