Fünf Menschen in Stadt und Kreis Kassel getötet

So oft gab es in und um Kassel Tötungsdelikte, Sexualstraftaten und Einbrüche

Kassel. Diebstahls- und Einbruchsdelikte sind mit rund 40 Prozent die häufigsten Straftaten in der Region. Eine Übersicht aller Straftaten und ihrer Häufigkeiten.

Einbrüche

Nach dem es 2015 einen eklatanten Anstieg der Wohnungseinbrüche vor allem in der Stadt Kassel gab, sind die Zahlen im vergangenen Jahr wieder gesunken. Fast die Hälfte der Einbrüche im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen – insgesamt gab es 1599 Fälle im vergangenen Jahr – passierten in Kassel. Mit 732 Einbrüchen im Stadtgebiet ist die Zahl aber deutlich gesunken (Vorjahr: 805). Das ist ein Rückgang von 9,1 Prozent.

Kriminalität ist in Nordhessen so niedrig wie lange nicht

Mit eingerechnet sind dabei die Fälle versuchten Einbruchs. Es sei erfreulich, dass inzwischen fast jeder zweite Einbruch scheitere, sagte Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. Das liege daran, dass immer mehr Menschen ihre Häuser und Wohnungen sicherten. Die Polizei bietet kostenlose Beratungen zum Thema an – ein Angebot, das im vorigen Jahr mehr als 1000 Mal genutzt wurde.

Auch wachsame Nachbarn könnten viel dazu beitragen, dass Einbrüche verhindert oder die Täter schnell gefasst werden, betonte Uwe Papenfuß, Leiter der Abteilung Einsatz. „Wem etwas Verdächtiges auffällt, der sollte nicht zögern, die 110 anzurufen.“ Gut ein Drittel der Einbrüche konnte aufgeklärt werden. In den vergangenen Jahren seien zunehmend überregional agierende Banden am Werk. Das mache die Ermittlungen schwieriger.

Ladendiebststähle

Während die Zahl der Diebstähle insgesamt rückläufig ist, gab es bei den Ladendiebstählen und Taschendiebstählen einen leichten Anstieg. Von nordhessenweit 3127 Ladendiebstählen entfielen 1945 auf Kassel. Die meisten Täter hatten allerdings nicht lange Freude an ihrer Beute: Fast 96 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Das liege vor allem daran, dass viele Geschäfte eigenes Sicherheitspersonal haben, sagte Polizeidirektor Papenfuß. Auch eine gute Videoüberwachung sei bei den Ermittlungen hilfreich.

Sexualstraftaten

Bei den Sexualdelikten verzeichnet die Polizei einen Anstieg. Insgesamt wurden 485 Sexualstraftaten angezeigt. Dazu zählen Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch und Exhibitionismus. 185 Fälle davon ereigneten sich in der Stadt Kassel – 46 mehr als im Vorjahr.

Die Steigerung gehe vermutlich auch auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft zurück, gab Papenfuß zu bedenken. Die könne mit den Vorfällen der Kölner Silvesternacht 2015/16 zu tun haben. Von den insgesamt 485 Taten wurden nach Angaben der Polizei 50 durch Flüchtlinge verübt.

Körperverletzungen

Es wird offenbar mehr zugeschlagen: Bei den Körperverletzungen verzeichnet die Polizei einen Anstieg um 15 Prozent. Insgesamt wurden im Bereich des Polizeipräsidiums 4093 Fälle angezeigt (Vorjahr: 3560). In Kassel stieg die Zahl der Körperverletzungen um 203 auf 1623 Fälle. Im Landkreis fiel der Anstieg mit einem Plus von 21 Prozent sogar besonders deutlich aus. Dort wurden 749 Delikte angezeigt (Vorjahr: 618).

Die gestiegene Zahl lasse sich vor allem durch Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften erklären, so Polizeipräsident Stelzenbach. Insgesamt 462 Taten wurden von Flüchtlingen begangen, der Großteil in Gemeinschaftsunterkünften (siehe auch Artikel unten).

Gewalt gegen die Polizei

Zugenommen hat auch Gewalt gegen die Polizisten selbst. 230 Fälle von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ wurden im vergangenen Jahr registriert (Vorjahr: 162). Jeder zweite Fall passierte in der Stadt Kassel. „Leider gehören Beleidigungen und Angriffe inzwischen fast schon zum alltäglichen Streifendienst dazu“, sagte Einsatz-Abteilungsleiter Papenfuß.

Tötungsdelikte

Fünf Menschen wurden im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Kassel getötet. Am 4. Januar war eine 32-Jährige in ihrer Wohnung in Oberzwehren von ihrem Ex-Mann erstochen worden. Er sitzt inzwischen eine neunjährige Haftstrafe ab.

Im Februar gab es zwei Tötungsdelikte in Calden. Zunächst war ein 35-Jähriger in einem Auto auf einem Feldweg erschossen worden. Der 25-jährige Täter hat eine zwölfjährige Haftstrafe bekommen. Der Fall einer am 14. Februar gefundenen Leiche einer 52-jährigen Frau in Meimbressen ist nach wie vor ungeklärt.

Am 16. Mai wurde eine 74-jährige Kasselerin in ihrer Wohnung in Niederzwehren ermordet. Der tatverdächtige 41-Jährige sitzt seit Juni in U-Haft. Ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt ein 34-Jähriger aus Kassel, der am 19. Oktober einen anderen 34- Jährigen an der Gießbergstraße tödlich verletzt haben soll.

2346 Straftaten von Flüchtlingen

Aufgrund der großen öffentlichen Debatten um Straffälligkeit von Flüchtlingen hat die Polizei erstmals die Straftaten von Flüchtlingen gesondert ausgewiesen. Dabei wurden Asylbewerber, Asylberechtigte, Personen mit illegalem Aufenthalt und Geduldete erfasst. Insgesamt wurden durch diese Gruppe 3288 Straftaten begangen. Blendet man Verstöße gegen das Ausländerrecht aus (also Straftaten, die nur Ausländer begehen können), bleiben 2346 Fälle, bei denen mindestens ein Zuwanderer als Tatverdächtiger ermittelt wurde. Das bedeutet: An jeder 20. der 44 121 Straftaten im vorigen Jahr war also ein Flüchtling beteiligt. 

Die häufigsten Delikte waren dabei Diebstähle (579), Körperverletzungen (462) und Schwarzfahren (398). Im Bereich der Sexualdelikte wurden 50 Fälle registriert. Es handele sich überwiegend um typische Delikte für Gruppen junger Männer, die keine Tagesstruktur hätten, so die Polizei. Betrachtet man die 778 Opfer der durch Flüchtlinge verübten Straftaten, handelt es sich zu 71 Prozent um Ausländer. Insgesamt 227 Menschen mit deutschen Pass waren betroffen. 

Angesicht der starken Zuwanderung sei die Zahl der registrierten Straftaten durch Flüchtlinge nicht alarmierend, sagte Polizeipräsident Stelzenbach. „Das erschüttert uns nicht.“ Die unter den tatverdächtigen Flüchtlingen am häufigsten vertretenen Nationalitäten waren Syrer (378), Algerier (365) und Afghanen (319) und Albaner (242). 

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