Nicht nur junge Radfahrer müssen mit Fehlern der anderen rechnen

Sieben Tipps: So radeln Kinder sicher zur Schule

Auf der neuen Fahrradstraße Goethestraße: Die siebenjährige Aemilia kommt in die zweite Klasse der Königstorschule.
+
Auf der neuen Fahrradstraße Goethestraße: Die siebenjährige Aemilia kommt in die zweite Klasse der Königstorschule.

Kinder, die mit dem Rad zur Schule kommen, müssen nicht in überfüllte Busse steigen. Allerdings gibt es auf der Straße immer wieder gefährliche Situationen. Wir geben Radfahr-Tipps zum Schulstart.

Kassel – Nächste Woche wird es vermutlich so voll auf Kassels Straßen wie lange nicht mehr. Mit dem Ende der Sommerferien startet in den Schulen der Präsenzunterricht. Viele Kinder werden mit dem Rad fahren, weil das angenehmer ist, als in überfüllten Bussen zu sitzen. Trotzdem fragen sich viele Eltern verständlicherweise, wie gefährlich es ist, wenn ihr Nachwuchs durch den Großstadtverkehr radelt. Wir geben sieben Tipps, wie man möglichst sicher mit dem Rad zur Schule kommt.

1. Fit sein: Zu Beginn müssen Eltern entscheiden, wie sicher ihr Kind Radfahren kann, wie Polizist Borris Künzel sagt, der für die Verkehrserziehung zuständig ist und Viertklässler auf dem Übungsplatz auf der Marbachshöhe unterrichtet, wo sie die Fahrradprüfung ablegen: „Wichtig sind nicht nur motorische, sondern auch kognitive Fähigkeiten. Nicht jedes Kind kann Gefahrensituationen gut erkennen.“ Darum raten viele Grundschulen, Erstklässlern lieber mit dem Roller zu fahren oder zu Fuß zu gehen. Nicole Rudolph leitet die Auefeldschule und sagt: „Wir empfehlen, dass die Kinder erst mit dem Rad kommen, wenn sie die Fahrradprüfung gemacht haben und sicher sind.“

2. Richtig angezogen: Nicht nur ein verkehrssicheres Rad ist selbstverständlich. Mittlerweile fährt kaum noch ein Kind ohne Kopfschutz. „Der Helm ist eure Lebensversicherung“, gibt Künzel seinen Schülern mit auf den Weg. Zudem rät er Kindern zu auffälliger Kleidung. Mit Warnweste oder reflektierenden Bändern wird man nur schwer übersehen. Weil Schulranzen mitunter schwer sind, könne man auch überlegen, Taschen am Gepäckträger anzubringen: „So kommt man nicht so leicht aus dem Gleichgewicht.“

3. Der richtige Weg: Jüngere Kinder müssen die Stadt erst für sich entdecken. Darum ist es wichtig, dass sie ihren Schulweg kennen. „Eltern sollten die Strecke mit ihren Kindern vorher abchecken. Wenn es geht, können sie anfangs auch ständig mitfahren“, sagt Künzel. Grundsätzlich gilt: Ist kein baulich von der Straße getrennter Radweg vorhanden, müssen Kinder bis acht Jahren auf dem Gehweg fahren. Eine Aufsichtsperson kann sie dort begleiten. Bis zehn Jahren dürfen Kinder weiter den Gehweg benutzen. Danach müssen sie auf die Straße. Viele Eltern haben jedoch kein gutes Gefühl dabei, wenn ihre Kinder etwa die neue Fahrradstraße Goethestraße hinunterfahren, wo jederzeit ein quer ausparkendes Auto im Weg stehen kann.

4. Blickkontakt: Selbst wer als Radfahrer alle Regeln befolgt, ist im Großstadtverkehr nicht unbedingt sicher. Zwei Tonnen schwere Autos sind eben stärker. Besonders wichtig ist darum Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Oder wie es Künzel sagt: „Man muss jederzeit mit den Fehlern anderer rechnen.“ Am besten ist es daher, Blickkontakt mit den anderen Verkehrsteilnehmern aufzunehmen. Wer sieht, dass andere einen wahrnehmen, fährt sicherer. Wichtig ist dies vor allem an Kreuzungen. Abbiegende Radfahrer leben besonders gefährlich.

5. Keine Eile: Auch Erwachsene kennen den Zeitdruck am Morgen, der selten gut ist. Kindern sollte man erst recht nicht unnötig Stress machen. Im Gegenteil. Künzel rät: „Man muss ihnen die Angst nehmen, zu spät zu kommen, denn konzentriert fährt es sich besser.“

6. Kein Schultaxi nutzen: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) haben gerade an alle Eltern appelliert, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. Weil Eltern gefährliche Situationen für ihren Nachwuchs vermeiden wollen, chauffieren sie ihn mit dem Auto, wodurch es für alle noch gefährlicher wird. Für den VBE-Vorsitzenden Udo Beckmann ist das ein Teufelskreis. Er sagt: „Der beste Schulweg ist der selbst zurückgelegte.“

7. Langsam fahren: Dieser Tipp richtet sich an die motorisierten Verkehrsteilnehmer. Im Appell von VCD, DKHW und VBE heißt es: „Gerade im Bereich von Kindertagesstätten und Schulen muss Tempo 30 unbedingt eingehalten und in ständiger Reaktionsbereitschaft gefahren werden. Den Kindern zuliebe.“ (Matthias Lohr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.