Sie stammen aus dem Nachlass eines US-Soldaten

Seltene Farbfotos: So sah die Orangerie in Kassel 1945 aus

Die Orangerie in Kassel im Frühjahr 1945
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Spuren des Krieges: Die Orangerie in der Karlsaue wurde in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 schwer beschädigt. Die Aufnahme entstand vermutlich kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945.

Wer die Fotos gemacht hat, ist nicht bekannt. Es muss ein Profi gewesen sein. Wir veröffentlichen nun die dritte Folge seltener Farbfotos vom zerstörten Kassel.

Kassel – Sie stammen aus dem Nachlass eines früheren US-Soldaten, der 1945 in Kassel stationiert war. Der irische Sammler Ian Spring hat sie uns zur Verfügung gestellt.

.Die Orangerie: Natürlich erkennt man das Gebäude auf den ersten Blick. Eigentlich wirkt sie ja noch weitgehend intakt. Doch je intensiver man das Foto studiert, desto deutlicher werden die Hinweise auf die Zerstörung. Die Aufnahme zeigt die Situation kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945. Der Trümmerschutt im Hintergrund, die leeren Fensteröffnungen, die verstreuten Teile auf dem Rasen: Ja, die Orangerie hat schwere Schäden – und das sollte auch noch lange so bleiben. Erst in den 1970er-Jahren wurde sie in vereinfachter Form wieder hergestellt.

Selbst als Ruine noch attraktiv: das sogenannte Schlösschen Monbijou an der Wilhelmshöher Allee.

Die Wilhelmshöher Allee: Das sogenannte Schlösschen Monbijou hatte die Adresse Wilhelmshöher Allee 26. Karl-Hermann Wegner, der frühere Leiter des Stadtmuseums, bezeichnet es als schönes Beispiel für eine ganze Reihe kleiner Gartenvillen aus der Zeit des Empire und Biedermeier vor dem Wilhelmshöher Tor. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei es das Wohnhaus der Maler- und Bildhauerfamilie Nahl gewesen. Danach wohnte hier die Fabrikantenfamilie Rocholl, die Stöcke und Schirme herstellte. Die Familie von Boyneburgk nutzte das Gebäude später als Stadthaus.

Risse und dunkle Fensterhöhlen: Der Zwehrenturm blieb erhalten.

Der Zwehrenturm: Er sieht übel zugerichtet aus, aber er blieb stehen. Der Zwehrenturm in der Nähe des Fridericianums prägt bis heute das Stadtbild. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde das ehemalige Stadttor schwer beschädigt und brannte aus.

Relikt: das Portal des Friedrichsgymnasiums.

Das Portal: Angesichts dieses Fotos blutet Karl-Hermann Wegner immer noch das Herz. Inmitten all der Trümmer blieb das Portal des ehemaligen Friedrichsgymnasiums an der Oberen Königsstraße 47 stehen. Das sei 1779 zur Gründung des Lyceums entstanden. Und zwar habe es der Baumeister Simon Louis du Ry zusammen mit den Bildhauern Ludwig Daniel und Johann Wolfgang Heyd geschaffen. Entfernt wurde das Portal erst Ende der 1960er-Jahre. Alle Versuche des Stadtmuseums und mehrerer Kasseler Initiativen, es an geeigneter Stelle wieder aufzustellen, seien trotz der zugesagten Unterstützung von Sponsoren vergeblich gewesen. Die Skulpturen befinden sich seitdem im Magazin des Stadtmuseums. (Thomas Siemon)

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