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So soll Kassel klimaneutral werden: Klimaschutzrat legt Strategie bis 2030 vor

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Von: Bastian Ludwig

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Erste Schritte: Auf dem Dach des KVG-Betriebshofes Wilhelmshöhe wurde 2021 eine der größten PV-Anlagen der Region installiert. Archiv
Erste Schritte: Auf dem Dach des KVG-Betriebshofes Wilhelmshöhe wurde 2021 eine der größten PV-Anlagen der Region installiert. © Andreas Fischer

Der 2019 von der Stadt ins Leben gerufene Klimaschutzrat hat sein erstes Ziel erreicht: Das Gremium hat nun die Klimaschutzstrategie vorgestellt, mit der Kassel bis 2030 klimaneutral werden soll. Dazu zählen weniger Autos in der Stadt und mehr Fernwärme.

Kassel - In den nächsten Tagen übergibt der Rat das Konzept Oberbürgermeister Christian Geselle übergeben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Strategie.

Was steckt hinter dem Ziel der Klimaneutralität?

1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) werden in Kassel jährlich ausgestoßen. Wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen konsequent von der Politik umgesetzt würden, könnten 98 Prozent des CO2 bis 2030 eingespart, beziehungsweise durch Baumpflanzungen und Ähnliches gebunden werden, sagt Martin Hein, Leiter des Rates. Nun liege der Ball bei den Stadtverordneten.

Wo sieht der Rat das größte Handlungsfeld?

Die Energieversorgung ist der größte CO2-Verursacher. Aktuell werden in Kassel gut 5000 Gigawattstunden (GWh) Energie pro Jahr verbraucht. Auf die Haushalte entfallen 32 Prozent, auf die Industrie 34 Prozent, auf den Handel 19 Prozent, auf den Verkehr 14 Prozent und auf die Verwaltung ein Prozent. Erneuerbare Energien decken aktuell nur ein Zehntel des Bedarfs. Es geht also darum, Energie einzusparen und die Erneuerbaren auszubauen.

Wie soll das Ziel konkret erreicht werden?

Es handelt sich um ein Bündel von Maßnahmen. Ein wichtiger Schritt ist die Erweiterung des Fernwärmenetzes von aktuell 400 auf 1000 Kilometer. „Damit sind große Investitionen verbunden“, so Hein. Zeitlich sei der Bau schaffbar, aber es dürfe keine Zeit vergeudet werden. Der Schritt bedeute Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Zudem soll es eine Anschlusspflicht geben für alle Gebäude, bei denen die Fernwärmeleitungen vor der Tür liegen. Aktuell sind nur 37 Prozent der möglichen Gebäude angeschlossen. Die aktuell 47 000 Gas- und 6500 Ölheizungen sollen bis 2030 außer Betrieb genommen sein. Die Zahl der Wärmepumpen soll auf 20 000 erhöht werden. Zuletzt wurden nur wenige hundert betrieben.

Welche Rolle spielt Photovoltaik?

Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Ausbau der Photovoltaik. Die installierte Nettonennleistung der PV-Anlagen in Kassel soll bis 2030 von aktuell 33 500 Kilowatt (kW) auf 260 000 kW fast verachtfacht werden. Dabei sollen ein Ausbau der Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und eine Solarpflicht für Neubauten helfen. Windenergie werde in Kassel aufgrund der dichten Bebauung keine Rolle spielen, so der Rat. Hier sei auch weiter die Kooperation mit den Landkreisen gefragt.

Was ist sonst geplant?

Wohnhäuser, aber auch städtische Gebäude sollen verstärkt energetisch saniert werden. Wie auch bei den PV-Anlagen könne die Stadt durch Förderprogramme gezielte Anreize schaffen. Zudem soll der städtische Baumbestand um 10 000 Bäume auf dann 100000 Bäume erweitert werden.

Wie sieht es beim Thema Verkehr aus?

Hinter Wärme- und Stromerzeugung entfallen auf den Verkehr die meisten Energieverbräuche. Der Klimaschutzrat fordert, dass bis 2030 bereits 40 Prozent der Autos elektrisch und klimaneutral unterwegs sind. Ein Ausbau der Ladeinfrastruktur soll die Basis schaffen. Gleichzeitig soll die Zahl privater Kfz jährlich um drei Prozent gesenkt und der ÖPNV als Alternative ausgebaut werden. Straßenraum soll zugunsten von Nah-, Fuß- und Radverkehr sowie grünen Aufenthaltsflächen umgewandelt werden. Drei Prozent der Stellplätze sollen pro Jahr verschwinden. Die Parkgebühren sollen erhöht und mehr Tempolimits geschaffen werden.

Was bedeutet der Ausstieg der Wirtschaftsverbände im November 2021 aus dem Klimaschutzrat?

Hein bedauert den Schritt. Deren Konzepte stünden nicht im Widerspruch zum Klimaschutzrat. Der Rat habe mit Mitgliedern wie Autohändler Florian Glinicke und Frank Lehmann (Mercedes-Benz Werk) weiter namhafte Vertreter der Wirtschaft.

Wer überprüft, ob die Ziele erreicht werden?

Der Klimaschutzrat wird den Prozess weiter begleiten und prüfen, ob zur Erreichung der Ziele eine Verschärfung notwendig ist. „Ohne Einschnitte und Investitionen wird es nicht gehen. Jeder Monat, den wir verstreichen lassen, ist ein verlorener. Wir retten das Klima in Kassel nicht, aber wir müssen das uns Mögliche tun“, so Hein. (Bastian Ludwig)

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