Zweiter Teil der Serie

So wohnen Kassels Studis: Hotel Mama und Hörsaal

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Wohnt weiter bei den Eltern: Johannes Hurtado Wanzel vor seiner Zimmertür, die im Laufe der Jahre immer bunter wurde. 

Kassel. Die Vorurteile sind bekannt. Kommentare wie "Der lässt sich nur bekochen" oder "der wird doch nie selbstständig" fallen oft, wenn Studenten noch bei ihren Eltern wohnen. Doch Johannes Hurtado Wanzel bereut seine Entscheidung, noch zu Hause zu wohnen, nicht.

„Es macht einfach keinen Sinn, jetzt umzuziehen“, sagt der 18-Jährige. Ein Umzug sei mit großem Aufwand verbunden und koste nur Zeit und Geld, dazu wohnt Wanzel in Kassel. „Mein Elternhaus ist nur sieben Kilometer von der Uni entfernt. Warum soll ich dann woanders hinziehen?“, sagt Wanzel, der im ersten Semester Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Kassel studiert.

Zwar biete das Wohnen bei den Eltern gewisse Vorteile. „Um das Essen und die Wäsche muss ich mir tatsächlich keine Sorgen machen“, sagt Wanzel und lacht. Auch bei Fragen zum Studium oder der Versicherung kann er auf die Unterstützung der Eltern setzen. Aber dass er im Elternhaus unselbstständig bleibt, sieht er nicht so. Im Gegenteil: „Zu Hause lernt man Dinge zu tun, auf die man eigentlich keine Lust hat“, sagt Wanzel. Wenn er nach einem langen Tag an der Universität nach Hause komme, habe er nicht zwingend großes Interesse, noch das Geschirr abzuspülen oder den Müll herauszubringen.

Dennoch klappe das Zusammenleben mit den Eltern gut – auch wenn es immer mal wieder zu kleinen Meinungsverschiedenheiten im Alltag komme. „Wir haben Johannes gerne um uns herum“, sagt Vater Andrés Hurtado, der froh ist, dass sein einziger Sohn noch bei ihm wohnt. „Wir haben einen guten Kontakt zueinander“, sagt der in Spanien geborene Vater.

Es ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, dass der Student bis zu seinem Abschluss zu Hause wohnen bleibt. „Ein, zwei Jahre kann ich es mir noch vorstellen. Aber ich möchte auch nicht ewig hier wohnen bleiben“, sagt Wanzel, dessen Freunde fast alle in Wohngemeinschaften leben. „Diese Art zu wohnen gefällt mir schon“, gesteht er. Wenn einer seiner Freunde ihm einen Platz in einer WG anbieten würde, „würde ich wohl letztlich auf mein Bauchgefühl hören“, sagt er. Zudem möchte Wanzel im Rahmen seines Studiums ein Auslandssemester belegen. „Spätestens dann muss ich sowieso ausziehen“.

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