Sie werden als Wirtschaftsfaktor für die Stadt unterschätzt

Sofa-Touristen bringen viel Geld nach Kassel

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Privatquartiere werden für Städtetrips immer beliebter: In Kassel soll eine Umfrage jetzt Aufschluss geben, welche Bedeutung der so genannte Sofatourismus als örtlicher Wirtschaftsfaktor hat.

Kassel. Ob Familienfeier, documenta-Besuch oder Kurztrip in die Heimat: Viele Kasseler Haushalte haben regelmäßig Übernachtungsbesuch, bringen Freunde und Verwandte bei sich unter.

Dieser so genannte Sofatourismus wird als Wirtschaftsfaktor für die Stadt stark unterschätzt. Eine Stichproben-Befragung ausgewählter Haushalte per Telefon soll jetzt konkrete Zahlen liefern. Nach Angaben der Kassel Marketing GmbH werden in den kommenden Wochen mehrere Hundert Privathaushalte von Mitarbeitern der dwif Consulting GmbH (München/ Berlin) angerufen, die sich auf das Thema Wertschöpfung im Tourismus spezialisiert hat. 

Kassel-Marketing-Geschäftsführer Andreas Bilo bittet um Unterstützung des Forschungsvorhabens: Die Telefonbefragung dauere nur einige Minuten und werde anonym geführt – es würden keine persönlichen Daten der Befragten gespeichert.

„Die Auskünfte leisten einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung der touristischen Wertschöpfung in Kassel“ betont Bilo. Denn allein mit den offiziellen Besucherzahlen, die Jahr für Jahr verkündet werden, kommen die Forscher nicht weiter: In der amtlichen Statistik werden nämlich nur Übernachtungen in Hotels und ähnlichen Gastbetrieben mit mehr als acht Betten gezählt.

Aber auch die privaten Übernachtungsgäste – im documenta-Jahr dürften es besonders viele werden – sind als Wirtschaftsfaktor für die Stadt äußerst wichtig: Sie machen etwa Einkäufe, frequentieren die Gastronomie und besuchen Veranstaltungen in Kassel.

Wenn es der Studie gelingt, ein statistisch fundiertes Bild über den Umfang des Sofatourismus in Kassel zu erheben, könnte mancher überrascht sein. Als dwif vor vier Jahren eine ähnliche Untersuchung für die Metropolregion Rhein-Neckar (Raum Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen) vornahm, kam etwa heraus,
• dass es dort etwa 50 Prozent mehr private Übernachtungen gab als im gleichen Zeitraum in Hotels,
• dass jeder privater Haushalt im Durchschnitt elf Mal pro Jahr einen Übernachtungsgast beherbergt,
• dass sich die privat untergebrachten Gäste verhalten wie normale Touristen und auch ebenso viel Geld ausgeben, und
• dass zum Beispiel zwei von drei Sofatouristen trotz privater Unterbringung in Restaurants essen gehen.

Für Einzelhandel und Gastronomie bedeuten die Kassel-Besucher, die bei Freunden und Bekannten logieren, zusätzliche Umsätze in mehrstelliger Millionenhöhe. Die Untersuchung mit den geplanten Telefoninterviews soll laut Kassel Marketing nun Aufschluss geben, wie die Stadt von dem gestiegenen touristischen Interesse profitiert.

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