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Sofia und Solomia wollen spielen: Erste geflüchtete Familien in Kassel suchen Kita-Plätze

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Von: Katja Rudolph

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 Die Zwillinge Solomia (links) und Sofia auf einem Klettergerüst, daneben ihre Mutter Inna Tsytsak.
Zeitvertreib auf dem Spielplatz: Inna Tsytsak ist Ende Februar aus der Ukraine geflüchtet und sucht für ihre fünf Jahre alten Zwillingstöchter Solomia (links) und Sofia einen Betreuungsplatz - unter anderem, damit sie an einem Sprachkurs teilnehmen kann. © Katja Rudolph

Unter den Geflüchteten, die aus der Ukraine in Kassel ankommen, sind viele Kinder. Mehr als 240 unter Sechsjährige sind bereits registriert. Erste Familien wünschen sich nun Betreuungsangebote für die Kinder im Kita-Alter.

Kassel – Sofia und Solomia kennen sich auf dem Spielplatz um die Ecke von der Flüchtlingsunterkunft schon gut aus. Am meisten Spaß macht es den beiden, Ball zu spielen. Mit ihrer Mutter Inna Tsytsak und Opa Andrii sind die fünfjährigen Zwillinge Ende Februar nach Kassel gekommen. Ihre Heimatstadt Winnyzja haben sie wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verlassen.

Da waren bereits der Flughafen und militärische Ziele in der zentralukrainischen Stadt bombardiert worden. Ständig heulten die Sirenen, erzählt die 35-jährige Mutter. Auch nachts hieß es dann, mit den kleinen Kindern aus dem 9. Stock für Schutz in den Keller zu eilen. Weil Inna Tsytsaks Bruder bereits seit fünf Jahren in Kassel lebt und arbeitet, kam die Familie hierher. Auf Dauer war in dessen Wohnung jedoch nicht genug Platz, sodass Mutter, Kinder und Großvater nun in einem kleinen Flüchtlingsheim in Rothenditmold untergebracht sind. Der Vater und die Katze der Familie sind noch in Winnyzja.

Die Tränen der ersten Zeit seien inzwischen getrocknet, sagt Inna Tsystak. „Ich fühle mich ein bisschen ruhiger.“ Sie würde gern in Kassel bleiben, wenn sie hier Arbeit findet. „Ich glaube nicht, dass der Krieg so schnell vorbei ist“, sagt die Kinderärztin, die sich gut auf Deutsch verständigen kann. Für Mai hat sie die Zusage für einen Sprachkurs. Nun sucht sie für die Zwillinge einen Kita-Platz. Zum einen, damit sie mit anderen Kindern spielen können. Aber auch, damit die beiden Fünfjährigen Deutsch lernen, so die Mutter: „Sie sprechen und schreiben nur Ukrainisch, und es ist nur ein Jahr, bis sie in die Schule kommen.“

Nach Angaben der Stadt Kassel wurden bis Ende März 240 geflüchtete Kinder im Alter unter sechs Jahren registriert. Die Stadt stehe mit allen Kindertagesbetreuungseinrichtungen im Austausch, um ein geeignetes Betreuungsangebot für geflüchtete Kinder aus der Ukraine aufzubauen, teilte eine Sprecherin auf HNA-Anfrage mit. Dazu sei unter anderem ein „Runder Tisch“ einberufen worden, der auch die freien Träger mit einbeziehe.

„Allerdings liegen bisher nur sehr vereinzelte Anfragen von Geflüchteten bezüglich eines Betreuungsangebotes vor“, teilte eine Sprecherin mit. Bislang seien noch keine ukrainischen Kinder in städtische Kitas aufgenommen worden. Voraussetzung für eine Betreuung ist auch eine Masernimpfung. In der Ukraine ist die für Kleinkinder nicht verpflichtend. Inna Tsytak hat ihre Zwillinge deshalb jetzt in Kassel impfen lassen.

Anders als sie wissen viele Geflüchtete noch nicht, wie lange sie hierbleiben. Einige haben die Hoffnung, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können.

Aufgrund der noch unklaren Lage will die Stadt Kassel „flexible Betreuungsangebote“ schaffen, heißt es aus dem Rathaus. Der Fokus liege zunächst auf der zentralen Betreuung, zum Beispiel in Gemeinschaftsunterkünften. Erste temporäre Angebote dort gibt es bereits, etwa durch das Spielmobil Rote Rübe. Größte Herausforderung beim Aufbau von Betreuungsangeboten für ukrainische Kinder sei aktuell die Gewinnung von geeignetem Personal, teilt die Stadt mit. Um den Kindern das Ankommen zu erleichtern, versuche man, Mitarbeitende zu gewinnen, die Ukrainisch sprechen.

Für die regulären Kitas läuft unterdessen der Platzvergabeprozess für das neue Kindergartenjahr. Ob Solomia und Sofia schon kurzfristig oder ab August mit Kasseler Kindern spielen und lernen werden, ist noch unklar. Einen wichtigen Schritt in Richtung Ankommen in Kassel hat die Familie aber geschafft: Sie wird nächste Woche in eine eigene Wohnung umziehen.

Woher Küche und Einrichtung kommen sollen, weiß Inna Tsytsak noch nicht. Auch damit sie sich in Ruhe um diese und andere organisatorische Dinge kümmern kann, würde sie sich wünschen, dass ihre Kinder betreut sind. (Katja Rudolph)

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