Nach Bund-Länder-Kompromiss: Heimische Solarbranche atmet auf

Solar-Investoren wissen wieder, woran sie sind: Nach dreimonatiger Hängepartie haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, welche Förderbedingungen für den Betrieb von Anlagen wie auf unserem Foto künftig gelten sollen. Foto:  dpa

Kassel. Der von Bund und Ländern ausgehandelte Kompromiss zur Solarenergieförderung stößt in Kassel überwiegend auf Zustimmung, doch es gibt auch Kritik. Das ganze sei "halbherzig und nicht weitgehend genug", sagt etwa die Stadt Kassel.

„Das ist im Großen und Ganzen etwas, mit dem wir leben können“, sagt Uwe Brückmann, stellvertretender Obermeister der Elektro-Innung. Das Handwerk sei überwiegend bei Solarprojekten jener Größenordnung tätig, bei der die Kürzungen nun nicht mehr so stark ausfallen sollen wie ursprünglich geplant.

Trotz sinkender Förderbeträge, so Brückmann, könnten die Fachhandwerker bei ihrer Kundschaft argumentieren: Es werde zwar länger dauern, bis sich eine Solaranlage rentiert, „aber die Sache rechnet sich“. Wichtig sei vor allem, dass durch den Kompromiss „die Unsicherheit weg ist und wir wieder kalkulieren können“.

Ähnlich sieht es Georg Stiens, Geschäftsführer von Solartechnik Stiens in Kaufungen-Papierfabrik: Dort habe auftragsmäßig „drei Monate Stillstand“ geherrscht, da Interessenten erst einmal abgewartet hätten, welche Rahmenbedingungen für Solarinvestitionen es künftig gibt. Mit Bestandsaufträgen habe sich Stiens über diese „Durststrecke“ gehangelt.

Nach dem Kompromiss sei nun unmittelbar zu beobachten: „Jetzt unterschreiben die Kunden wieder.“ Stiens sagt: „Es ist gut und war auch notwendig, dass die zu erwartenden Erlöse noch einmal positiv angepasst wurden.“ Er rechnet damit, dass die Nachfrage nach Sonnenstromtechnik „auf stabilem Niveau weitergeht“. Da die Anlagen immer günstiger würden, sei nicht mehr allein die staatlich geförderte Stromeinspeisung attraktiv, sondern immer stärker auch die Energieerzeugung für den Eigenverbrauch.

Beim Solartechnikproduzenten SMA ist es nach Angaben von Unternehmenssprecherin Anja Jasper „schwer einzuschätzen“, was der Kompromiss für SMA und die gesamte Branche bedeuten wird. Die Unsicherheit sei nach wie vor groß, da die Solarstromförderung trotz Kompromiss zukünftig um bis zu 29 Prozent pro Jahr reduziert werden solle. Jasper: „Fakt ist aber auch, dass wir im mittleren und Großanlagensegment noch nicht in der Wettbewerbsfähigkeit angekommen sind.“ Deshalb werde es „noch für ein paar Jahre“ einer staatlichen Förderung und verlässlicher Rahmenbedingungen bedürfen. Parallel sehe es SMA auch als Aufgabe an, die Abhängigkeit von subventionierten Märkten zu reduzieren. „Deshalb konzentrieren wir uns zunehmend auf neue Märkte“, sagte Jasper; „vor allem in sonnenreichen Regionen, in denen die Fotovoltaik bereits ganz ohne Förderung auskommt.“

Aus Sicht der Stadt Kassel sei der Kompromiss „halbherzig und nicht weitgehend genug“, sagte Magistratssprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. Die Stadt sehe Nachteile für eigene geplante Sonnenstrom-Projekte: „Negativ ist vor allem, dass der jährliche Zubau an Fotovoltaik gegenüber der Vergangenheit nahezu halbiert werden soll.“ Im Stadtgebiet werde das entsprechende Investitionsvolumen in den kommenden Jahren wohl um einen zweistelligen Millionenbetrag sinken.

Von Axel Schwarz

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