Kasseler Fraunhofer Institute IWES und IBP zeigen auf dem Solarkongress ihre aktuellen Forschungen

Solarkongress in Kassel: Wenn die Sonne den Takt vorgibt

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Modernes Energiemanagement: von links Dietrich Schmidt (Fraunhofer IBP), Prof. Dr. Jürgen Schmid (Institutsleiter IWES Kassel) und Dr. Philipp Strauß (IWES) vor dem Modell einer Stadt, die ihren Energieverbrauch effizient regelt.

Kassel. Eine Waschmaschine, die auf die Sonne wartet. Eine Spülmaschine, die sich erst dann anschaltet, wenn der Strom am billigsten ist. Und ein intelligentes System, das all diese Prozesse in einem Haushalt steuert. So alltagstauglich ist die Forschung, die bei den Kasseler Fraunhofer Instituten IWES und IBP betrieben wird.

Auf dem Weltsolarkongress präsentieren sich die Institute mit ihren Ideen und Forschungsergebnissen rund um das Thema erneuerbare Energien.

Ein Problem für die Wissenschaftler ist, dass die erneuerbaren Energien im Vergleich zu den fossilen schwer kalkulierbar sind. Sie sind von Sonne und Wind abhängig. Angebot und Nachfrage schwanken ständig. „Umso wichtiger ist es, den Strom zum richtigen Moment zu verbrauchen“, sagt Dr. Philipp Strauß, Bereichsleiter Anlagentechnik und Netzintegration bei IWES. Andernfalls müssten für viel Geld Stromnetze und Energiespeicher ausgebaut werden.

Doppelt so viele Mitarbeiter

So wie die erneuerbaren Energien an Bedeutung gewonnen haben, entwickelten sich auch das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) am Standort Kassel. Allein beim IWES werde das Personal innerhalb von zwei Jahren – seit der Aufnahme des ehemaligen ISET in die Fraunhofer Gesellschaft – auf 240 wissenschaftliche Mitarbeiter verdoppelt. Hinzu kommen noch einmal etwa 100 studentische Hilfskräfte. Beim IBP sind derzeit 50 wissenschaftliche Mitarbeiter tätig und 20 Studenten.

Software entwickelt

Eines der aktuellen Projekte, an dem das IWES beteiligt ist, heißt „Ogema“. Es ist ein Computerprogramm, mit dem Hausbesitzer den Energieverbrauch in ihren eigenen vier Wänden so effizient wie möglich steuern können. So sollen sie in der Lage sein, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er am günstigsten ist. Das sei sinnvoll, da 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland in Gebäuden stattfinde, erklärt Strauß.

Sein Kollege Dietrich Schmidt, Abteilungsleiter Energiesysteme beim IBP, sagt, dass der Schlüssel für effizienten Energieverbrauch in der Bausubstanz stecke. 95 Prozent der Energie, die in Gebäuden genutzt werde, werde in alten Häusern verbraucht, die vor 1985 gebaut wurden. Das Modell der Zukunft sei das Plus-Energiehaus, das mehr Energie erzeuge, als es verbrauche und diese ins Netz einspeise, sagt Schmidt.

Die aktuelle Forschung geht aber noch einen Schritt weiter: Bei IWES und IBP wird über ganze Stadtteile nachgedacht, die Energie effizient verbrauchen. Auf einem guten Weg sei Wolfhagen, sagt Schmidt. Die Stadt hatte vergangenes Jahr den Bundeswettbewerb „Energieeffiziente Stadt“ gewonnen.

Von Bastian Ludwig

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