Solarstrom für Mieter

Absolvent der Uni Kassel will Mehrfamilienhäuser mit Sonnenenergie versorgen

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Innovative Geschäftsidee: Christopher Neumann möchte Fotovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern installieren und die Sonnenenergie direkt in die Mietwohnungen einspeisen.

Kassel. Solarstrom vom eigenen Dach gibt es bisher fast nur für Hauseigentümer auf dem Land. Die meisten Mieter, vor allem in Großstädten, werden mit Netzstrom versorgt. Christopher Neumann, Absolvent der Uni Kassel, will das ändern.

Er möchte Fotovoltaikanlagen auf Mehrfamilienhäusern installieren und die Sonnenenergie direkt in die Mietwohnungen einspeisen. Für sein Konzept „Vor-Ort-Verkauf von Solarstrom“ hat der 27-Jährige einen Sonderpreis beim Ideenwettbewerb Unikat gewonnen.

„Von allen 1,4 Millionen Fotovoltaikanlagen in Deutschland befinden sich nur etwa fünf Prozent in Großstädten“, sagt Neumann, der kürzlich sein Masterstudium „Nachhaltiges Wirtschaften“ in Kassel abgeschlossen hat. Dabei hätten gerade typische Stadthäuser, also Mehrfamilienhäuser mit vielen Mietparteien, enormes Solarstrompotenzial: „Fotovoltaikanlagen lohnen sich vor allem bei hohem Eigenverbrauch.“ Denn das Geschäftsmodell, Energieüberschüsse vom Dach ins allgemeine Stromnetz einzuspeisen, sei nicht mehr profitabel.

Dass Wohnungsbaugesellschaften und Vermieter dieses Potenzial bisher nicht ausnutzen, liege vor allem daran, dass sie schlicht kein Interesse hätten, extra für ihre Mieter Solarstromanlagen zu installieren. „Sie würden dann rechtlich zu Stromlieferanten werden, das ist mit viel Aufwand verbunden“, erklärt Neumann, der demnächst mit Kommilitonen ein Unternehmen gründen und genau diese Rolle einnehmen möchte: „Wir pachten die Dachflächen, installieren dem Verbrauch angepasste Fotovoltaikanlagen und verkaufen den Mietern dann echten lokalen Ökostrom.“

Vermieter müssten lediglich ihre Dächer zur Verfügung stellen. „Ihr Vorteil besteht darin, dass sie ohne eigene Investitionen ihre Immobilie aufwerten können“, sagt Neumann. Mieter könnten sich über Crowdfunding finanziell an den Anlagen beteiligen und würden die bei Strom aus dem Netz üblichen Entgelte und Stromsteuern sparen.

So weit der Plan. „Wir stehen aber am Anfang“, sagt Neumann. „Zuerst wollen wir unseren Businessplan optimieren und uns um ein Gründerstipendium bemühen.“ Wenn alles klappt, könnten in anderthalb Jahren die ersten Anlagen ans Netz gehen.

Das Konzept klingt so vielversprechend, dass Neumann beim diesjährigen Ideenwettbewerb Unikat der Uni Kassel den mit 1000 Euro dotierten Sonderpreis „Bauen und Umwelt“ gewonnen hat - und am Rande der Preisverleihung bereits erste Wohnungsbaugesellschaften für seine Geschäftsidee interessieren konnte.

Von Sebastian Schaffner

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