Zwei junge Kasseler wegen räuberischen Diebstahls verurteilt – Festnahme im Amtsgericht

„Solche Gesichter vergisst man nicht“

Kassel. „Das stimmt so nicht“, bricht es aus dem 19-Jährigen auf der Anklagebank hervor – noch während Richterin Miriam Hartling das Urteil verkündet. Das Amtsgericht hat den jungen Kasseler des räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung für schuldig befunden. Noch wegen zwei weiterer Delikte wird er verurteilt. Ein Jahr und neun Monate Jugendstrafe soll er dafür verbüßen.

Dass er betrunken in einer Straßenbahn auf mehrere junge Männer eingeschlagen hat - unter anderem mit einem verbotenen Teleskopschlagstock - das hatte der 19-Jährige eingeräumt. Auch, dass er an an einem anderen Tag eine Gaspistole mit sich trug, für die er keinen Waffenschein besitzt, gab er zu.

Zu dem Vorwurf aber, er habe eine 22-jährige Frau geschlagen und ihr am Boden die Luft abgedrückt, damit der 20-jährige Mitangeklagte mit deren Tasche entkommen konnte, hatte der 19-Jährige in der Verhandlung geschwiegen. Nun folgt Protest. Und noch im Gerichtssaal kündigt sein Verteidiger Knuth Pfeiffer Rechtsmittel gegen die Entscheidung an.

In seinem Plädoyer hatte Pfeiffer betont, dass die Frau seinen Mandanten auf Lichtbildern der Polizei nicht erkannt habe. Im Gericht habe sie ihn dann als Täter identifiziert – mit den Worten: „Solche Gesichter vergisst man nicht.“ Er halte es für möglich, dass sie „eine Art Déjà-vu-Erlebnis“ hatte - aber nicht den Mann vom Tatort erkannte, sondern den von den Polizeifotos. Ihr Begleiter habe betont, der 20-Jährige habe am Boden auf der 22-Jährigen „gehangen“.

Staatsanwalt Joachim Schnitzerling hatte, wie das Gericht, die Aussage der Frau für überzeugend gehalten. Sie habe auch keine besonderen Belastungstendenzen gezeigt, betonte er. So habe sie ausgesagt, sie habe noch atmen könne, obwohl der 19-Jährige auf ihren Hals gedrückt habe.

Der 20-jährige Angeklagte hatte den 19-Jährigen entlastet. Weder er selbst noch sein Kumpel hätten die Frau geschlagen, sagte er aus. Auch ihn hält das Gericht jedoch des räuberischen Diebstahls für schuldig – und verhängte eine Bewährungsstrafe ohne genaues Strafmaß. Eine Jugendstrafe behalte man sich vor, betont die Richterin. Zwei Jahre lang soll der junge Mann die Chance haben, zu zeigen, ob er straffrei leben kann. Zurzeit allerdings sitzt er noch in U-Haft – wegen anderer Vorwürfe. Dem 19-Jährigen legte die Richterin nahe, die Jugendstrafe als Chance für Hilfe und Ausbildung zu nutzen. „Es besteht die Hoffnung, dass Sie jetzt ein Stück weit erwachsener geworden sind“, sagt sie ihm.

Haftbefehl für dritten Mann

Schwere Folgen hatte die Verhandlung gestern überraschend für einen dritten jungen Mann. Er wurde im Zuschauerraum von der Polizei erwartet. Kaum eingetreten, bekam er einen Haftbefehl überreicht und seine Handys wurden beschlagnahmt. Worum es ging, war bis Redaktionsschluss nicht herauszufinden.

Von Katja Schmidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.