Kritik an Vorgehen der Universität

Solidaritäts-Demonstration für "unsere Villa": Viel Beifall für die Hausbesetzer

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Die Avtivisten auf dem Weg zur Demo. 

Kassel. Nach der Räumung der besetzten Villa Rühl durch die Polizei bekommen die Aktivisten der Initiative „Unsere Villa“ weiterhin viel Unterstützung.

An einer Solidaritäts-Demonstration am Dienstagabend nahmen nach Angaben der Polizei rund 150 Menschen teil. Der Protestzug bewegte sich vom Fridericianum über den Stern bis zum Uni-Präsidium an der Mönchebergstraße.

In der Pressemitteilung der Initiative „Unsere Villa“ kritisieren die Aktivisten die fehlende Gesprächsbereitschaft der Universität. Die Erklärungen der Hochschulleitung für die Räumung der Villa seien „fadenscheinig und schlecht“, heißt es. „Denken sie wirklich, sie hätten nichts mit der Stadtentwicklung in Nordstadt und Wesertor zu tun?“ Die Aktivisten hoffen, dass die Universität zumindest die Strafanzeigen gegen die Besetzer zurücknehmen. Die Initiative kündigte an, sich weiter mit Entschlossenheit für ein soziales Zentrum in Kassel einzusetzen.

Auch der GEW Regionalverband Hochschule und Forschung Nordhessen kritisiert die Räumung des besetzten Hauses und appelliert an die Uni, die Strafanzeige zurückzuziehen. Statt die an der Schaffung eines sozialen Zentrums beteiligten Personen zu kriminalisieren, soll die Hochschule mit den Aktivisten in Verhandlung treten über eine mögliche Weiternutzung des leer stehenden Gebäudes an der Mönchebergstraße.

Die Gewerkschafter werfen der Hochschule außerdem vor, dass den Sympathisanten der Hausbesetzer die Teilnahme an einer unter Polizeischutz stattfindenden Pressekonferenz nach der Räumung verwehrt wurde. Das widerspreche den Ansprüchen von Transparenz und demokratischer Mitbestimmung.

Die GEW Regionalverband fordert die Hochschulleitung auf, sich „als lokaler und regionaler gesellschaftspolitischer Akteur verantwortungsbewusst auch gegenüber den örtlichen Folgeproblemen zu zeigen, die sich aus dem Ausbau der Universität ergeben“, heißt es weiter.

Die Grüne Jugend Kassel unterstützt die Forderung der Hausbesetzer der Villa Rühl nach mehr selbstverwalteteten Zentren in der Stadt. Die Besetzung sei als Reaktion auf ein kaum existierendes Angebot solcher Freiräume in Kassel zu sehen, dem ein riesiger Bedarf gegenüberstehe, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ziel müsse sein, den Konflikt zu lösen, indem neue soziokulturelle und selbstverwaltete Zentren geschaffen werden, so die Grüne Jugend. Hier sei nicht allein die Universität, sondern insbesondere die Stadt Kassel in der Verantwortung. 

Das sagt  Florian Hagemann über die Reaktionen

Kritiker schaden sich selbst

Die Räumung der Villa Rühl hat viele Reaktionen hervorgerufen, was nicht weiter verwundert bei der Emotionalität dieses Politikums. Interessant ist deshalb nicht die Wucht der Reaktionen, sondern interessant sind die Angriffspunkte der Kritiker. Sie konzentrieren sich nämlich nicht etwa nur auf die Verhältnismäßigkeit der von der Polizei verwendeten Mittel. 

Hier ließe sich trefflich darüber streiten, ob ein Aufgebot mit einem die Bevölkerung aufschreckenden Hubschrauber in den Morgenstunden unbedingt nötig ist, um eine solche Aktion zu beenden. Es geht in den Reaktionen auch nicht ausschließlich um die Notwendigkeit eines sozialen Zentrums. Auch diese Forderung ist ja überaus legitim. Nein, hier äußern Parteien und Verbände wie die GEW auch und vor allem ihr Unverständnis über die Räumung an sich und damit über das Vorgehen der Universität. 

Das wiederum lässt schon sehr am rechtsstaatlichen Verständnis der Kritiker zweifeln, weil sie damit nichts weiter als ein rechtswidriges Verhalten unterstützen. Damit aber schaden sie sich selbst und ihren durchaus seriösen Zielen.

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