Fragen und Antworten zum neuen Medizinstudium in Kassel und Southampton

Uni soll Nachwuchs sichern

Die ersten Schulungsräume sind schon fertig: GNH-Chef Dr. Gerhard M. Sontheimer (links), Dr. Christian Unzicker (Projektleiter der KSM und Leiter des Tumorzentrums am Klinikum Kassel) und Prof. Dr. Irina Berger (Direktorin des Instituts für Pathologie) an einem Patienten-Dummy, mit dessen Hilfe Medizinstudenten rettende Handgriffe in Notfällen trainieren. Foto: Herzog

Kassel. Die gemeinnützige Gesellschaft ist gegründet, der Lehrplan steht, im Herbst 2013 beginnen die ersten Studenten an der neuen Medizin-Uni ihre Ausbildung. Fragen und Antworten zur neuen Kassel School of Medicine (KSM).

? Was ist der Grund für die Gründung einer Medizin-Hochschule?

!Alle Krankenhäuser haben inzwischen Probleme, gut ausgebildete Ärzte zu finden. Die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) und das Klinikum setzen darauf, dass einige der Studenten nach ihrem Abschluss in Kassel bleiben und als Ärzte in den Krankenhäusern der GNH arbeiten. Zudem würde das führende nordhessische Krankenhaus zur Uni-Klinik. Das macht das Klinikum attraktiv für hoch qualifizierte Ärzte, die auch in Forschung und Lehre tätig sein wollen. Solche Ärzte in Kassel zu haben, ist gut für die Patienten aus der Region.

? Wird es genügend Interessenten für das teure Studium geben?

!In Deutschland gibt es vier bis fünf Bewerber auf jeden Medizin-Studienplatz. An der Partner-Uni in Southampton kommen auf einen Studienplatz sogar annähernd 20 Bewerber. Um mangelnde Nachfrage muss sich keiner sorgen.

? Ist das Studienangebot mit Kosten von 12 000 Euro pro Jahr nicht viel zu teuer?

!Das auf fünf Jahre verkürzte private Studium kostet 60 000 Euro und ist damit deutlich teurer als ein sechsjähriges Studium in Marburg oder Göttingen. Im sechsten Jahr arbeiten die KSM-Studenten aber bereits als bezahlte Ärzte und holen einen Teil der Studiengebühren wieder herein. Auch über Stipendien und zeitweise Gebührenbefreiung für die Besten eines Jahrgangs wird nachgedacht.

? Ist eine winzige Uni mit nur 120 Studenten überhaupt sinnvoll?

!Das Kasseler Klinikum wird keine kleine Uni, sondern ein großes Lehrkrankenhaus. Die ersten beiden Jahre studieren die angehenden Ärzte in Southampton, dann folgen drei Jahre im Klinikum.

? Was ist der Vorteil des englischen Ausbildungsmodells?

!Ein wesentlicher Unterschied zum traditionellen deutschen Medizinstudium ist, dass die Fächer Biochemie, Anatomie, Physiologie und die Grundlagenwissenschaften in England nicht separat, sondern von Beginn an organbezogen, zum Beispiel als Modul „Nervensystem und Bewegungsapparat“, und am praktischen Beispiel gelehrt werden. Zudem arbeiten die Studierenden von Anfang an mit Patienten und lernen in kleinen Gruppen. Die englische Ausbildung der Ärzte von morgen gilt als wegweisend.

? Dürfen die Ärzte nach ihrem Abschluss denn überhaupt in Deutschland arbeiten?

!Sie haben nach fünf Jahren die volle Qualifikation für die Ausübung des Arztberufs in England und werden nach einem weiteren Jahr am Kasseler Klinikum, das für die Facharztausbildung angerechnet werden kann, als Ärzte approbiert. Sie können dann auch in allen anderen EU-Ländern praktizieren.

Von Jörg Steinbach

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