Schulamt kann Bußgeld bis 300 pro Tag verhängen

Selbst verlängerte Sommerferien: Eltern lassen Kinder schwänzen

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Mit den Eltern am Strand statt im Unterricht: Immer wieder kommt es vor, dass Erziehungsberechtigte ihre Kinder schwänzen lassen, um die Ferien zu verlängern. Das hessische Schulgesetz sieht vor, dass Schüler aus besonderen Gründen, beispielsweise familiären Anlässen oder Sportwettkämpfen, vom Unterricht beurlaubt werden können.

Kassel. Die Sommerferien starten in Hessen. Manchen sind auch sechs Wochen nicht lang genug, beziehungsweise sie liegen zum Verreisen ungünstig. Deshalb lassen einige Eltern ihre Kinder die Schule schwänzen.

Und zwar, um den Urlaub zu verlängern oder um ihn nach vorne zu verlegen. Beispielsweise, um günstigere Flugreisen und Hotels buchen zu können.

„Wir haben durchaus manchmal die Vermutung, dass Eltern kurz vor den Ferien eine Schulbefreiung deshalb beantragen, weil ein günstiger Flug in den Urlaub genommen werden soll“, sagt Dr. Ines Blumenstein, die Leiterin der Heinrich-Schütz-Schule. Als Grund werde aber häufig ein Familienfest, eine Hochzeit oder ähnliches, angegeben. „Dann prüfe ich sehr genau, ob so ein Fest schon mal kurz vor den Ferien stattgefunden hat. Unter Umständen genehmige ich den Antrag dann nicht.“ Sei es tatsächlich einmalig, bekommen die Kinder ihre gewünschten zwei bis drei Tage Befreiung.

Wie die Eltern mit einer Ablehnung umgehen, sei unterschiedlich, so Blumenstein. Manchmal komme postwendend eine Krankmeldung für das Kind. In dem Fall werde im Zeugnis dennoch „unentschuldigt“ eingetragen. „Heute hat mir eine Familie ganz offen gesagt, dass sie früher in den Urlaub fliegen will und das Kind deshalb beurlaubt werden müsse, so Blumenstein. "Ich habe das natürlich nicht genehmigt."

Einen Trend sehe sie nicht. Vielmehr handele es sich um ein gleichmäßiges Verhalten, das aber häufiger bei Migrantenfamilien vorkomme.

Schulamt kann Bußgeld verhängen

Das hessische Schulgesetz sieht vor, dass Schüler aus besonderen Gründen, beispielsweise familiären Anlässen oder Sportwettkämpfen, vom Unterricht beurlaubt werden können. Sofern die Beurlaubung nicht länger als zwei Tage andauert, liegt die Entscheidung hierüber beim Klassenlehrer.

Bei größeren Zeiträumen oder Phasen unmittelbar vor und nach den Ferien ist die Schulleitung zuständig, erklärte die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Helga Dietrich. Fehlt ein Kind ohne Erlaubnis, kann das Schulamt ein Bußgeld verhängen. Es beläuft sich in Hessen pro Tag zwischen 50 und 300 Euro.

In den vergangenen Jahren hat das Schulamt im Schnitt 370 Fälle von Schulversäumnissen in Stadt und Landkreis bearbeitet. Dabei liege die Dunkelziffer hoch und sei schwer zu ermitteln. An vielen Schulen gibt es Konferenzbeschlüsse, dass aus persönlichen Gründen nur einmal pro Schullaufbahn eine Beurlaubung vor oder nach den Ferien genehmigt werden kann.

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