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Sonderpreis für die HNA: Demokratie-Impuls für Berichte über rechtsextreme Morde

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Von: Thomas Siemon

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Die Preisträger mit ihren Laudatoren: Johannes Hillje (von links), Barbara John, Denise Dismer, Martina van den Hövel-Hanemann, John Amoateng-Kantara, Florian Hagemann, Kathrin Meyer, Axel Grysczyk, Ulrike Pflüger-Scherb, Matthias Lohr, Christian Geselle und Wolfgang Schroeder.
Die Preisträger mit ihren Laudatoren: Johannes Hillje (von links), Barbara John, Denise Dismer, Martina van den Hövel-Hanemann, John Amoateng-Kantara, Florian Hagemann, Kathrin Meyer, Axel Grysczyk, Ulrike Pflüger-Scherb, Matthias Lohr, Christian Geselle und Wolfgang Schroeder. © Dieter Schachtschneider

Die Kasseler Lokalredaktion wurde mit dem Kasseler Demokratie-Impuls gewürdigt. Ausgezeichnet wurde die Berichterstattung über die rechtsextremen Morde an Halit Yozgat und Walter Lübcke.

Kassel – Ayse Yozgat, die Mutter von Halit Yozgat, hat einmal gesagt, dass für sie an jedem Tag der 6. April sei. Der Tag, an dem ihr Sohn im Jahr 2006 in der Kasseler Nordstadt von Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ermordet wurde. Daran erinnerte gestern in der documenta-Halle Florian Hagemann, der Leiter der Kasseler Lokalredaktion der HNA. Deren Berichterstattung wurde mit dem Sonderpreis des Kasseler Demokratie-Impulses gewürdigt. Damit zeichnet die Stadt Kassel bereits zum dritten Mal herausragende wissenschaftliche und journalistische Arbeiten aus, die sich mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen. An der Preisverleihung nahmen zwei Schwestern von Halit Yozgat teil.

Nach Einschätzung der Jury hat die HNA-Lokalredaktion preiswürdig über die NSU-Verbrechen sowie über den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Jahr 2019 berichtet. Und zwar immer wieder, mit ausführlichen Reportagen, mit Prozess- und Ausschussberichten sowie mit stetiger Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit. Jurymitglied Barbara John – sie ist Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer – bezeichnete das bereits im Vorfeld der Preisverleihung als ein nachahmenswertes Beispiel für engagierten Lokaljournalismus. Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Uni Kassel unterstrich das gestern noch einmal. Die HNA sei eine zuverlässige Informationsquelle bei der Auseinandersetzung mit rechtsextremistischen Verbrechen. Das sei weit über die Grenzen Kassels hinaus zur Kenntnis genommen worden.

Ausgezeichnet wurde zudem Johannes Hillje für seine an der Universität Kassel eingereichte Promotion über die AfD und ihre Strategien in der Massenkommunikation. Er teilt sich den Preis mit Denise Dismer und John Amoateng-Kantara. Die hatten sich mit ihrer Spiegel-TV-Dokumentation „Die Macht der Vorurteile. Rassismus bewusst verlernen.“ beworben. Diesen Beitrag würdigte Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann. Den von der Stadt vergebenen Demokratie-Impuls gibt es seit 2020. Diesmal wurden für den mit 3000 Euro dotierten Preis 50 Beiträge eingereicht.

Oberbürgermeister Christian Geselle bezeichnete die städtische Initiative als ein Signal für die Notwendigkeit einer wehrhaften Demokratie. Die Morde an Halit Yozgat und Walter Lübcke hätten die Stadtgesellschaft erschüttert. Auch spätere Anschläge wie die in Halle und Hanau zeigten, wie groß die Gefährdung weiterhin sei.

Am Vortag hat unsere Redaktion eine weitere Auszeichnung bekommen. In Hannover erhielt Redakteur Rainer Schmitt für das Gestalten und Schreiben der Themenseite „Tierisch gesund“ den Medienpreis Tiergesundheit 2022 in Silber. Der mit 3000 Euro dotierte Preis ist anlässlich der Messe „Euro-Tier“ vom Bundesverband praktizierender Tierärzte und dem Bundesverband für Tiergesundheit verliehen worden. Mit der alle 14 Tage erscheinenden Seite werde ein breites Spektrum von Themen rund um die Gesunderhaltung von Haustieren in ansprechender und kompetenter Weise dem Leser näher gebracht, lautet die Begründung der Fachjury. (Thomas Siemon)

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