To-Go-Essen und Getränkebecher sorgen für viel Müll in der Innenstadt

Sonderschichten für Stadtreiniger in Kassel

Sie sorgen für eine saubere Innenstadt: Franziska Kahl und Ercan Yikar von den Stadtreinigern entsorgen den Müll auf dem Königsplatz.
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Sie sorgen für eine saubere Innenstadt: Franziska Kahl und Ercan Yikar von den Stadtreinigern entsorgen den Müll auf dem Königsplatz.

Das Müllvolumen hat in den vergangenen Monaten in der Kassel Innenstadt extrem zugenommen.

Kassel - „Es hat extrem zugenommen“, sagt Ercan Yikar. Der Mitarbeiter der Stadtreiniger spricht von den Müllmassen in der Innenstadt. „Wenn wir nachmittags einen Mülleimer leeren, dann ist er innerhalb von zwei Stunden gerappelt voll.“

Das Müllvolumen ist während der Corona-Pandemie in Kassel – sowie in allen Städten – enorm angewachsen, bestätigt auch Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Grund dafür ist, dass die Menschen während der Pandemie nicht in Lokalen essen konnten, sondern nur Essen zum Mitnehmen abholen konnten. Die ganzen Einwegverpackungen werden in der Stadt zurückgelassen.

Besonders schlimm sei es mitunter auf dem Florentiner Platz, sagt Stadtreinigerin Franziska Kahl. Dort würden die Verpackungen von Mc Donalds überall auf dem Boden verteilt liegen. Für viel Müll sorgten auch die Bubble-Tea-Getränke. Große Plastikbecher mit Deckel und Strohhalm, der auch noch in Plastik verpackt sei. Da seien die Mülleimer innerhalb kurzer zeit voll.

Um die Lage in den Griff zu bekommen, haben die Stadtreiniger laut Knebel das Abfallvolumen an vielen Standorten erhöht. Die Standbehälter umfassen jetzt 100 Liter statt 50 Liter. Zudem wurden auch einige blaue Tonnen zusätzlich aufgestellt. Außerdem wurden seit Mitte Mai an zentralen Punkten fünf Behälter (Bigbelly-Solar) aufgestellt, die durch eine integrierte Presse für ein zusätzliches Abfallvolumen von rund 700 Litern in der Innenstadt sorgten. „Unsere Teams in der Spätschicht leeren noch öfters als bisher die Papierkörbe“, so Knebel. Aufgrund der geringen Gewichte der To-Go-Verpackungen könne man allerdings keine konkrete Zahl nennen, inwieweit das Gewicht des Mülls zugenommen habe.

Zudem setzen die Stadtreiniger auf Prävention. Mit der Kampagne „Sauberhaftes Kassel“, Putztagen und Informationen zu Mehrwegverpackungen wolle man zur Müllreduzierung beitragen, so die Sprecherin.

Nicht nur in der Innenstadt sorgen die Essensverpackungen für Ärger. Auch in der Karlsaue und im Bergpark Wilhelmshöhe werden die Einwegbehältnisse zunehmend zurückgelassen, sagt Lena Pralle, Sprecherin der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Besonders an Montagen sehe es schlimm aus, da am Wochenende die Papierkörbe nicht geleert würden. „Wir appellieren an die Menschen, dass sie die Verpackungen mit nach Hause nehmen.“

Aber nicht nur die Essensverpackungen sorgen für viel Müll. Manche Menschen lassen ihren Müll, wie zum Beispiel Zigaretten oder Kaugummis, einfach fallen. Das geschehe aus Bequemlichkeit, Faulheit und Gleichgültigkeit, beschriebt Knebel das Phänomen des „Littering“ (Vermüllung).

Ercan Yikar berichtet von einem Mann, der kürzlich auf einer Bank am Stern saß und eine Orange schälte. „Die Schalen hat er einfach unter sich geworfen.“ Wenn er Menschen auf solch ein Fehlverhalten ansprechen würde, dann würden einige richtig frech. Vor allem Männer. Die hätten schon zu ihm gesagt, dass er froh sein sollte, wenn sie ihren Müll auf die Straße werfen. Dann hätte er zumindest Arbeit. Seine Kollegin Franziska Kahl fügt hinzu, dass es aber auch sehr viele Menschen gebe, die sich bei den Stadtreinigern für deren Einsatz bedankten.

Ob jene Menschen dazu gehören, die sich am Mittwochabend auf dem Platz der elf Frauen an der Friedrich-Ebert-Straße aufhielten, ist mehr als fraglich. Sie hinterließen auf der Fläche im Vorderen Westen massig Flaschen und Verpackungen. Der Müll war kreuz und quer auf dem Platz verteilt, was zu sehr viel Unmut bei den Anwohnern geführt hat.

Anwohner: „Schneise der Verwüstung“

Nach dem Wegfall der Ausgangsbeschränkungen in der Stadt Kassel hat die Polizei am späten Mittwochabend bereits wieder ein reges Treiben und viele Menschen in der Innenstadt, insbesondere rund um die Friedrich-Ebert-Straße, festgestellt, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz.

Diese Bereiche, darunter der Platz der elf Frauen, seien deshalb verstärkt durch Polizeistreifen aufgesucht worden. Größere Personengruppen habe man auf die Einhaltung der Corona-Regeln angesprochen. Zudem habe es Beschwerden von Anwohnern wegen Ruhestörung gegeben. „Insgesamt blieb es dabei friedlich“, so der Polizeisprecher.

Ein Anwohner des Platzes der elf Frauen spricht hingegen von einem „Massenbesäufnis“, das in der Nacht dort stattgefunden habe. Und dies habe nichts mit den Kneipen an der Friedrich-Ebert-Straße zu tun gehabt. Die Wirte hätten sich an die Vorgaben gehalten und für Ordnung gesorgt.

Auf dem Platz habe sich allerdings niemand an Abstandsregeln gehalten, geschweige Masken getragen. Hunderte Menschen hätten sich die ganze Nacht auf der Fläche aufgehalten und eine „Schneise der Verwüstung“ hinterlassen, sagt der Mann. „Die Exzesse werden hier auf Kosten der Anwohner immer schlimmer.“

Der Kinderspielplatz Motzberg habe am Donnerstagmorgen einer Müllhalde geglichen, von den anderen Hinterlassenschaften wie Urin, Kot und Erbrochenem ganz zu schweigen, sagt der Mann. Dieses Verhalten sei einfach nur noch als asozial und ekelhaft zu bezeichnen.

Noch am späten Donnerstagnachmittag waren die Spuren der Feiernden zu sehen. Überall lagen Flaschen, Scherben und anderer Müll. Kreuz und quer auf dem Platz und auf den Grünflächen an der Friedrich-Ebert-Straße. Dabei hätten Flaschensammler bereits am frühen Morgen dafür gesorgt, dass zumindest die Pfandflaschen von dem Platz verschwunden seien, so der Anwohner. (use)

Völlig vermüllt: der Platz der elf Frauen am Donnerstagnachmittag.

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