Sonne macht Wasser süß: Studenten entwickeln Meerwasserentsalzungsanlage

Preisgekröntes Modell: Philipp Odernheimer (von links), Stefan Wagner und Raphael Schönweitz nutzen Sonnenenergie, um Meerwasser zu entsalzen und Pflanzen zu bewässern. Dafür hat das Trio den Ideenwettbewerb Unikat der Uni Kassel gewonnen. Foto: Schaffner

Kassel. Den Ozean vor der Tür und doch Wassernot – viele afrikanische Staaten liegen zwar am Meer, können das Wasser aufgrund des hohen Salzgehalts aber nicht nutzen. An Süßwasser, beispielsweise für die Landwirtschaft, fehlt es hingegen fast überall.

Drei Master-Studenten der Uni Kassel wollen das Problem mithilfe der Sonne lösen: Sie haben eine solare Meerwasserentsalzungsanlage entwickelt, die jedermann einfach warten kann. Dafür haben sie den ersten Preis beim Ideenwettbewerb „Unikat“ gewonnen.

Nur drei Prozent des weltweiten Wasservorkommens sind Süßwasser - davon ist weniger als ein Prozent für Menschen zugänglich, Tendenz sinkend. Besonders betroffen sind Länder in Afrika, die durch Klimawandel und sich ausbreitende Wüsten zunehmend austrocknen. Die Kapverdischen Inseln beispielsweise können sich wegen des trockenen Klimas seit Jahrzehnten nicht mehr selbst versorgen und müssen Nahrungsmittel teuer importieren.

Doch gerade in Ländern nahe dem Äquator gibt es Sonne im Überfluss. „Nur weiß sie noch kaum jemand zu nutzen“, sagt Stefan Wagner (30), der mit Philipp Odernheimer (23) und Raphael Schönweitz (24) in Kassel „Regenerative Energien und Energieeffizienz“ studiert und die innovative Entsalzungsanlage entwickelt hat. Sie benötigt nur etwas Wind, Solarenergie und Meerwasser. „Davon haben die Länder an ihren Küsten mehr als genug“, sagt Odernheimer.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Eine Windpumpe befördert aus einem Wasserloch Meerwasser in einen Speicherbehälter. Von dort fließt es in einen Destillator, in dem Energie aus Sonnenkollektoren das Wasser - ähnlich wie in einem Kochtopf - erhitzt und entsalzt. Während das konzentrierte Salzwasser bei kleinen Anlagen direkt ins Meer zurückbefördert wird, gelangt das gewonnene Süßwasser über unterirdische Schläuche direkt an die Wurzeln der Pflanzen. „Bei einer Sprinkleranlage würden 80 Prozent des Wassers in der Hitze verdunsten“, erklärt Wagner.

Für Pflanzenanbau nutzen

„Wir entsalzen Wasser und gießen damit Pflanzen - das ist Hilfe zur Selbsthilfe“, bringt Schönweitz es auf den Punkt. Das ideenreiche Trio erarbeitet zusätzlich Fruchtfolgekonzepte, wann welche Pflanzen wo angebaut und bewässert werden könnten. „Das können Getreide, Gemüse und Obst sein, aber auch Ölpflanzen für Biodiesel oder Bambus als Baustoff sein“, sagt Odernheimer. So finanziere sich die Anlage selbst.

Mit den 1500 Euro Preisgeld des Wettbewerbs können die drei Studenten jetzt einen weiteren Prototyp bauen. Anschließend möchten sie ein Unternehmen gründen und die Anlage weltweit vermarkten. „Potenzielle Kunden sind Regierungen und Entwicklungshilfe-Organisationen“, sagt Schönweitz. Der Präsident des Nationalen Wasserwirtschaftsinstituts auf den Kapverden habe bereits Interesse bekundet.

Von Sebastian Schaffner

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