Kasseler Ex-Studenten vertreiben Wasserdesinfektionssystem für Entwicklungsländer

Die Sonne reinigt Wasser

Wasserdesinfektionssystem: Die Firma Autarcon, eine Ausgründung der Uni Kassel, präsentiert ihre Trinkwasseraufbereitungsanlage SuMeWa (Sun meets water). Unser Foto zeigt von links: Projektkoordinator Philipp Otter, Geschäftsführer Florian Benz, Geschäftsführer Alexander Goldmaier und Sabrina Tesche. Foto: Schaffner

Kassel. Ob als Katastrophenhilfe im pakistanischen Überschwemmungsgebiet, Unterstützung einer Krankenstation in Gambia oder Entwicklungshilfe in Brasilien: Das Trinkwasseraufbereitungssystem namens SuMeWa der Kasseler Firma Autarcon ist weltweit einsetzbar. Die Anlage kann täglich bis zu 4000 Liter Wasser reinigen und benötigt dafür nur die Sonne. Der Name stehe für das Zusammenwirken von Sonne und Wasser („Sun Meets Water“), sagt Alexander Goldmaier (37), der das System seit einem Jahr mit Florian Benz (30) in einer aus der Uni Kassel hervorgegangenen GmbH weiterentwickelt und vertreibt. Die Anlage steht nicht in Konkurrenz zu „Paul“, dem von Prof. Franz-Bernd Frechen entwickelten Wasserrucksack.

Das 40 Kilogramm schwere Gerät gewinnt seine Energie einzig aus Solarzellen. Diese treiben unter anderem eine Tauchpumpe an, die Süßwasser aus bis zu 70 Meter Tiefe fördert.

Nach der Filtration wird in einer Elektrolysezelle aus dem natürlichen Salzgehalt des Wassers Chlor produziert, das vor Wiederverkeimung schützt - ohne den Einsatz von Chemikalien.

Je nach Ausstattung ist die Anlage etwa 10 000 Euro teuer. „Wir chloren das Wasser ohne den Zusatz von Chlor“, sagt Benz. Um Wasserqualität und Systemleistung auch aus der Entfernung kontrollieren zu können, verfügt SuMeWa über einen GPS-Empfänger und ein Handy-Modem. So lassen sich die Daten eines entlegen installierten Systems auch online auswerten.

Keine Verschleißteile

Die Idee, eine Wasserdesinfektionsanlage zu entwickeln, die keine Verschleißteile hat, ohne Batterien funktioniert und von technisch Ungeschulten bedient werden kann, hatte es im Jahr 2000 dem derzeitigen Vorstandsvorsitzenden des Kasseler Fraunhofer Instituts Iwes, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schmid, angetan.

Benz und Goldmaier wirkten während ihres Elektrotechnikstudiums an der Entwicklung mit und gründeten 2010 mithilfe einer Förderung Autarcon. „Hinsichtlich Anwenderfreundlichkeit, Robustheit, Lebensdauer und Einsetzbarkeit gibt es derzeit weltweit kein vergleichbares System“, sagt Benz. Ausgehend von einem täglichen Wasserverbrauch von 20 Litern pro Person könne SuMeWa bei Solarbetrieb an einem Tag bis zu 200 Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Die Leistungskapazität kann mit zusätzlichen Batterien auf 9600 Liter pro Tag erhöht werden. Das System soll in Gambia eine Krankenstation mit keimfreiem Trinkwasser versorgen.

Nachdem die Anlage bereits in Brasilien im Einsatz ist, wird eine über Spenden finanzierte Anlage im pakistanischen Überschwemmungsgebiet aufgebaut.

Von Sebastian Schaffner

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